Kockerellstraße Wespienhaus
Denkmal #10
Einleitung
Jakobstraße und Kockerellstraße sind Kernzonen des Sanierungsgebietes I, bei dem in den 1970er Jahren eine vollständige Neubebauung der Westseite im historischen Gewand verfolgt wurde. Die einzige translozierte Fassade der östlichen Seite hier ist zugleich ein Sonderfall im städtischen Wiederaufbauprogramm.
Bewegte Geschichte
Die hier sichtbaren Fassadenteile gehören zum sogenannten Wespienhaus, das bis 1943 an der Kleinmarschierstraße 45 stand. Es war eines der prächtigsten Rokoko-Bürgerhäuser der Stadt Aachen und wurde ab 1734 durch Johann Joseph Couven für den damaligen Bürgermeister und Tuchfabrikanten Johann von Wespien erbaut. Drei Jahre später wurde das Haus fertiggestellt, die äußerst qualitätvolle Ausstattung der Innenräume zog sich allerdings noch mehrere Jahre hin. Einmalig war das Gebäude auch, weil Couven hier aufgrund der enormen Finanzkraft seines Auftraggebers eine ganzheitliche Planung von Fassade und Grundriss bis ins kleinste Detail der Innenausstattung vornehmen konnte. Seit 1838 wohnte die Tuchmacherfamilie Van Gülpen im Haus, deren Erben 1901 die wertvolle Innenausstattung zur Versteigerung freigaben. 1939 wurde die Fassade aufwendig restauriert. Leider wurde das Gebäude bei einem Bombenangriff nur vier Jahre später völlig zerstört, die wenigen erhaltenen Fassadenfragmente wurden anschließend geborgen und eingelagert. Auf Initiative des Stadtkonservators Leo Hugot wurden diese Fassadenteile 1975 in der schlichten Giebelwand der modernen Turnhalle des Kaiser-Karls-Gymnasiums zur Schau gestellt.
Spurensuche
Erhalten und hier eingebaut wurden Teile des dreiachsigen Mittelrisalites aus dem ersten und zweiten Obergeschoss, welche den Formenreichtum und die Arbeitsleistung der Steinmetze verdeutlichen. Gut zu erkennen sind die hier fast schon museal präsentierten Bruchstücke, z. B. das unvollständige Fenstergewände links, oder beschädigte Blausteine der Fensterbekrönungen. Im Gegensatz zu anderen Fassaden wurde hier nicht auf eine Vervollständigung hingearbeitet, sondern die Unvollkommenheit und die Spuren der Beschädigung wurden sichtbar belassen.
© Olaf RohlDie Besonderheit dieser Inszenierung einer Fassade liegt in ihrer Unvollständigkeit, um auch Spuren der Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg sichtbar zu machen.
Besonderheiten
Immerhin wurden durch den Verkauf Teile der wertvollen Innenausstattung vor der Kriegszerstörung bewahrt. Die Überbleibsel der Ausstattung befinden sich u. a. im Aachener Couven-Museum, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg („Aachener Zimmer“) und in den USA. Dort misslang zuletzt 1999 der Versuch der Stadt Aachen, Teile der Innenausstattung zurückzukaufen.
Bildergalerie
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Translozierung
Die Methode der Translozierung war bereits in der Stadtplanung des 19. Jahrhunderts bekannt und beliebt. Durch sie konnte alter Baubestand gerettet und wiederverwendet werden. In Aachen wurde diese Methode auf besondere und umfangreiche Weise angewendet.










