Kockerellstraße 17–19
Denkmal #9
Einleitung
Die heutigen Häuser Kockerellstraße 17 und 19 wurden anstelle von mehreren Gebäuden des 18./19. Jahrhunderts errichtet und – wie ihre Nachbarn – zur Straßenseite mit einer historischen, translozierten Fassade ausgestattet.
Bewegte Geschichte
Nach Abbruch der Altbauten entstanden 1974 die Neubauten Kockerellstraße 17 und 19. Bemerkenswert ist die Änderung der Größenverhältnisse: Die beiden Altgebäude waren zwei- und dreigeschossig mit je drei Fensterachsen, die heutige stattliche Fassade der Nr. 17 zeigt vier Geschosse und sechs Fensterachsen. Dennoch fügt sie sich in das historisch wirkende Gesamtbild der Straße ein. Abweichend zu den übrigen translozierten Fassaden der Kockerellstraße ist die Nr. 19 zweigeteilt, wobei der linke Teil historisch, der rechte dagegen modern gestaltet ist.
Spurensuche
Die in der Nr. 17 eingesetzte Fassade stammt aus der Rosstraße 52–54. Die Fassade wurde aufgearbeitet und die Fensterbekrönungen des ersten Obergeschosses wurden vertauscht. Wie weitreichend und gestaltend die Eingriffe in die Stadtstruktur waren, wird daran deutlich, dass anstelle des abgebrochenen Hauses Rosstraße 52–54 auch wieder ein Neubau mit translozierter Fassade entstand. Bei Haus Nr. 19 besteht die linke Fassade aus Teilen der ehemaligen Vorgängerbebauung. Die wenigen punktuellen Ergänzungen sind zum Teil anhand der abweichenden Färbung und Scharfkantigkeit des Werksteinmaterials zu erkennen. Die Blausteingewände des Erdgeschosses fehlten bereits im Originalbau, weshalb die neuen, hohen Fenster ersatzweise mit plastisch geformten Betonelementen überspannt sind. Backsteinmaterial, Betonstürze und Geschosshöhen zitieren hier die linke Fassade in moderner Form, sind aber weniger regelmäßig angeordnet. Die Rückseiten der Gebäude zum Augustinerplatz bilden mit ihren markanten, vorspringenden Betonelementen und unregelmäßigen Fensterformaten ein Gegenbild zu den ausgeglichenen historischen Fassaden der Kockerellstraße.
© Olaf RohlWährend die Fassaden der Häuser 17 und 19 historische Elemente zeigen, bilden die Rückseiten mit markanten, vorspringenden Betonelementen ein modernes Gegenbild.
Besonderheiten
Für die Häuser Kockerellstraße 17 und 19 sowie Annuntiatenbach 3 im Sanierungsgebiet I erhielten die Architekten Wolks und Nikolaus Hühnerschulte den Deutschen Architekturpreis. Sie waren zudem auch an anderer Stelle in Aachen tätig, so beim Umbau der Barockfabrik und der Domschatzkammer in den 1970er Jahren. Zusammen mit Hans Haas gestaltete Wolks auch den Neubau von Hof 20.
Bildergalerie
Mehr entdecken
Alle Denkmäler im Überblick
Translozierung
Die Methode der Translozierung war bereits in der Stadtplanung des 19. Jahrhunderts bekannt und beliebt. Durch sie konnte alter Baubestand gerettet und wiederverwendet werden. In Aachen wurde diese Methode auf besondere und umfangreiche Weise angewendet.










