Jakobstraße 10
Denkmal #13
Einleitung
Das Eckhaus Jakobstraße 10 hat eine ganz ähnliche Baugeschichte aufzuweisen wie seine Nachbargebäude 4, 6 und 8: Im Zuge des straffen Sanierungsprogramms der 1970er Jahre wurden sie abgerissen, neu errichtet und dabei mit historischen Fassadenelementen abgetragener Gebäude ausgestattet. Haus Nr. 10 führte Leo Hugot als Architekt aus.
Bewegte Geschichte
Die noch auf die römische Siedlung zurückgehende Jakobstraße war eine der wichtigsten Straßenachsen der historischen Stadt, an der sich vor allem Händler, Kaufleute und Bürger niederließen. Die Kontinuität der Bauplätze war entsprechend hoch und die Häuser, die hier bis in die Nachkriegszeit standen, waren überwiegend Bauten des 17./18. Jahrhunderts auf deutlich älteren Kellern und Fundamenten. Nach dem Abbruch des Altbaus wurde unter der Leitung des Stadtkonservators Hugot das Haus unter Verwendung von Fassadenteilen der Judengasse Nr. 2 von 1819 neu errichtet.
Spurensuche
Die modernen Geschosshöhen angepasste Hauptfassade zur Jakobstraße mit translozierten historischen Fassadenelementen wird durch eine moderne Seitenfassade zur Judengasse ergänzt. Während die idealisierte Hauptfassade mit Backstein, Blaustein, Sprossenfenstern und Satteldach mit kleinen Gauben zum historischen Straßenbild beiträgt, setzen die übrigen Fassaden mit Betonelementen, Balkonen und ungeteilten Fenstern einen zeitgenössischen Kontrast. Doch auch hier können vereinzelt historische Elemente entdeckt werden: Das runde Fenster (sog. Ochsenauge) in der Giebelzone stammt wohl aus dem Haus Templergraben 79, das große Blausteinportal ursprünglich vom Haus Peterstraße 45. In der Hofmauer ist ein Stadtadler aus Terracotta eingelassen, der vom ehemaligen Erweiterungsbau des Bades „Königin von Ungarn“ in der Buchkremerstraße stammt.
© Andreas LückHistorische Fassadenelemente mussten hier an moderne Geschosshöhen angepasst werden.
Besonderheiten
Das Gebäude weist eine besondere Grundrissstruktur auf: Alle Räume sind radial um ein zentrales Treppenhaus-Oval angeordnet. Die zentrale Anordnung der Treppe ermöglicht eine Änderung der Geschosshöhe im hinteren Bereich. So können auf der Hofseite zwei Geschosse mehr genutzt werden als auf der Straßenseite. Die Abschüssigkeit der Judengasse wurde so optimal ausgenutzt.
Bildergalerie
Mehr entdecken
Alle Denkmäler im Überblick
Translozierung
Die Methode der Translozierung war bereits in der Stadtplanung des 19. Jahrhunderts bekannt und beliebt. Durch sie konnte alter Baubestand gerettet und wiederverwendet werden. In Aachen wurde diese Methode auf besondere und umfangreiche Weise angewendet.










