Augustinergasse 4–6
Denkmal #11
Einleitung
Das Haus Augustinergasse 4–6 wirkt wie ein typisch klassizistisches Bauwerk, das seit jeher diese prominente Stelle in der Aachener Altstadt ziert. Doch seine Geschichte ist weitaus spannender: Errichtet wurde das Gebäude tatsächlich erst im Jahr 1975.
Bewegte Geschichte
Die Hauptfassade stammt ursprünglich vom früheren Haus Templergraben 79, das vermutlich in den 1830er oder 1840er Jahren unter Leitung des bekannten Brüsseler Architekten Jean-Pierre Cluysenaar entstand. Dieses musste 1961 dem Neubau der Hochschulbibliothek der RWTH weichen. Die bereits damals als schützenswert eingestufte Fassade wurde daraufhin vorsichtig demontiert und eingelagert. Ihren neuen Einsatz fand sie schließlich am neugestalteten Augustinerplatz. Hier ist sie prominent zum offenen Platz ausgerichtet.
Spurensuche
Genau hinschauen lohnt sich: Ganz ohne Veränderungen ließ sich die Fassade nicht integrieren. Im Original befand sich im Erdgeschoss eine Durchfahrt auf der linken und ein Fenster auf der rechten Seite. Beide Öffnungen wichen einer Tür sowie einem zweiten Fenster. Auch der Sockelbereich und die Verkleidung erhielten eine neue Ausführung. So entstand eine weitgehend originalgetreue Rekonstruktion, ergänzt um funktionale Anpassungen.
© Olaf RohlDie historische Fassade wurde möglichst effektvoll zur Platzanlage hervorgehoben, um zu beweisen, dass sich alte und neue Bauelemente harmonisch miteinander kombinieren lassen.
Besonderheiten
Für die räumliche Wirkung des neuen Augustinerplatzes spielt das Haus Augustinergasse 4–6 eine prägende Rolle. Die markante, translozierte Fassade bildet einen reizvollen Kontrast zu den zeitgenössisch gestalteten Rückseiten der umliegenden Gebäude. Insbesondere im Zuge der großflächigen Sanierungen der Aachener Innenstadt in den 1970er Jahren steht das Haus somit exemplarisch für den Wiederaufbau und gilt als bedeutendes Zeugnis der Aachener Stadtentwicklung.
Bildergalerie
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Translozierung
Die Methode der Translozierung war bereits in der Stadtplanung des 19. Jahrhunderts bekannt und beliebt. Durch sie konnte alter Baubestand gerettet und wiederverwendet werden. In Aachen wurde diese Methode auf besondere und umfangreiche Weise angewendet.










