Jakobstraße 64
Denkmal #16
Einleitung
Der heutige langgestreckte Baukörper mit der Hausnummer 64 wurde 1970 unter Leitung von Stadtkonservator Leo Hugot errichtet. Ein bunt gemischtes Fassaden-Potpourri von fünf verschiedenen historischen Häusern ist dem Neubau vorgeblendet worden.
Bewegte Geschichte
Grund für diese Baumaßnahme war die Neuplanung der Südseite der Kirche St. Paul. Diese war ursprünglich nur durch einen schmalen Gang mit einem Portal in der geschlossenen Bebauung entlang der Jakobstraße erreichbar. Im Zuge der Stadtsanierung wurde das Portal ca. 17 Meter zurückversetzt und unmittelbar an die Kirche gebaut. Die historischen Gebäude entlang der Straße wurden – zum Teil auch aufgrund von Kriegsschäden – abgebrochen, die Fassaden eingelagert. An ihrer Stelle entstand der Neubau der kirchlichen Pax-Bank mit straßenseitig vorgeblendeten Altfassaden. Die neu entstandene Ecksituation zum Vorplatz der Kirche wurde durch den modernen Erker betont.
Spurensuche
Bei den Bauarbeiten wurde der Neubaukomplex um eine Parzelle nach links versetzt (aufgrund einer Baulücke) und die Fluchtlinie zurückversetzt. So konnte auch die Verbreiterung der Jakobstraße zugunsten des modernen Verkehrs umgesetzt werden. Die Reihung der Fassaden ergibt sich im Neubau wie folgt: Dass die linke Fassade aus den unterschiedlich zu datierenden Häusern Nr. 62 und Nr. 64 zusammengefügt wurde, erkennt man an den Kreuzstockfenstern des ersten Obergeschosses (typisch für das 17. Jh.) und den Fenstern mit Segmentbogen im zweiten Obergeschoss (typisch 18./19. Jh.). Mittig folgt die ehemalige Nr. 50, gekürzt um eine Fensterachse. Der rechte Teil wird gebildet aus den ehemaligen Fassaden von Nr. 52 und Nr. 54. Alle historischen Fassaden wurden im Erdgeschoss komplett neugestaltet. Dafür wurden größtenteils neue Materialien verwendet. Rückseitig und vor allem an der Ecke ist das Gebäude mit Betonelementen im Stil der 1970er Jahre gestaltet. Diese Kombination von historischen und modernen Elementen ist gerade im Bereich Jakobstraße/Kockerellstraße ein mit Absicht oft gewähltes Stilmittel.
© Olaf RohlDer moderne, zum Vorplatz der Kirche ausgerichtete Erker ist eine bewusst gewählte zeitgemäße Ergänzung der historischen Fassade.
Besonderheiten
Die verschiedenen Fassaden bestehen alle aus unverputztem Backsteinmauerwerk und Blausteinelementen. Diese Materialien kennzeichnen zahlreiche wiederverwendete historische Fassaden in der Aachener Innenstadt und haben damit auch eine Art Wiedererkennungswert.
Bildergalerie
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Translozierung
Die Methode der Translozierung war bereits in der Stadtplanung des 19. Jahrhunderts bekannt und beliebt. Durch sie konnte alter Baubestand gerettet und wiederverwendet werden. In Aachen wurde diese Methode auf besondere und umfangreiche Weise angewendet.










