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Archivalie des Monats August 2017

  • …ist die sehr seltene Ausstellungszeitung zur Handwerksausstellung von 1907, dazu eine Werbepostkarte mit einem Bild des Ausstellungsgeländes.
  • Ziel der Ausstellung war es, „das Publikum für unsere rastlos und tatkräftig vorwärtsstrebenden Handwerker und Künstler zu interessieren, um somit dem heimischen Handwerk und Kunstgewerbe neue Freunde zu gewinnen und neue Absatzgebiete zu erschliessen“.
  • Begleitend zur Ausstellung fand auf dem Gelände des Zoologischen Gartens ein umfangreiches Konzert- und Vergnügungsprogramm statt.

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Bei der Archivalie des Monats dreht sich alles um die große Handwerksausstellung aus dem Jahr 1907 im heutigen Westpark. Links im Bild ist die zugehörige Ausstellungszeitung und Postkarte zu sehen, präsentiert von Angelika Pauels (stellv. Leitung) und Dr. René Rohrkamp (Leitung) vom Stadtarchiv Aachen sowie Nicole Tomys, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Aachen. © Stadt Aachen/Nadine Jungblut

Das Aachener Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als „Archivalie des Monats“. Die jeweilige Archivalie mit einem kurzen Begleittext wird dann einen Monat lang in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert. Zur Erinnerung an die Handwerksausstellung von 1907 ist die  Archivalie des Monats August die sehr seltene Ausstellungszeitung, dazu eine Werbepostkarte mit einem Bild des Ausstellungsgeländes.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden in den Großstädten  Europas Gewerbeausstellungen eine beliebte Plattform, um den wirtschaftlichen und technischen Fortschritt zu präsentieren. Eine solche Gewerbeausstellung in kleinerem Rahmen hatte bereits 1887 der Gewerbeverein für Aachen, Burtscheid und Umgegend in Aachen veranstaltet.

Handwerksausstellung mit Sonder-Ausstellung für christliche Kunst
Vor genau 110 Jahren, also 1907, fand sich ein breiter Zusammenschluss von Aachener Bürgern, um eine Ausstellung speziell als Werbung für das regionale Handwerk zu organisieren. Deshalb fand vom 15. August bis zum 20. September 1907 in der Stadt die Handwerksausstellung verbunden mit einer Sonder-Ausstellung für christliche Kunst statt. Veranstaltungsort waren die Anlagen des Zoologischen Gartens. Neben Katalogen und Werbepostkarten erschien eine eigene Ausstellungszeitung, die die verschiedenen Aspekte der Veranstaltung näher beleuchtete.

Kennenlernen von Werkzeugen, Motoren und Maschinen
Aus der Ausstellungszeitung: Die Ausstellung soll in erster Linie dazu dienen, die Leistungsfähigkeit des Aachener "Handwerks und Kunstgewerbes vor der breitesten Oeffentlichkeit zu beweisen, das Publikum für unsere rastlos und tatkräftig vorwärtsstrebenden Handwerker und Künstler zu interessieren, um somit dem heimischen Handwerk und Kunstgewerbe neue Freunde zu gewinnen und neue Absatzgebiete zu erschliessen. ... Andererseits sollen auch die Handwerker durch die Ausstellung mit den neuesten Errungenschaften auf technischem und maschinellem Gebiete bekannt gemacht werden. Es soll ihnen Gelegenheit geboten werden, die neuesten und besten Werkzeuge, Motoren und Maschinen kennen zu lernen und sich so immer mehr mit der Benutzung dieser modernen Hülfsmittel vertraut zu machen. Durch die Ausstellung von Rohstoffen und Halbfabrikaten soll dem Handwerker die Möglichkeit geboten sein, die verschiedensten Bezugsquellen kennen zu lernen, um hierdurch neue und vorteilhafte Verbindungen anknüpfen zu können".

In 16 Gruppen wurden die verschiedenen Handwerkszweige im Rahmen der Ausstellung mit ihrer Arbeit präsentiert. Hinzu kam für das Kunstgewerbe die Sonderausstellung für christliche Kunst. Abgerundet wurde die Präsentation durch eine Ausstellung des Vereins der Landschaftsgärtner für den Regierungsbezirk Aachen, die die Außenanlagen um die Ausstellungsbauten gestaltete.

Umfangreiches Konzert- und Vergnügungsprogramm
Begleitend zur Ausstellung fand auf dem Gelände des Zoologischen Gartens ein umfangreiches Konzert- und Vergnügungsprogramm statt. Die Ausstellung hatte mit dem renommierten philharmonischen Blasorchester "Prinz von Piemont" unter der Leitung von Dirigent Dela Guardia eine eigene Ausstellungskapelle, die zuvor bereits auf einer großen Ausstellung in Mannheim aktiv gewesen war. Neben dieser Kapelle spielte im Rahmen des Ausstellungsprogramms zudem häufig die örtliche Regimentskapelle. Hinzu kamen für einzelne Konzerte diverse Gastkapellen.

Vergnügungspark mit echt steierischer Rodelbahn
Immer wieder gab es große Illuminationsabende sowie Kunst- und Höhenfeuerwerke. Außerdem befand sich auf dem Ausstellungsgelände ein temporärer Vergnügungspark. Hier war als Neuheit nicht nur für Aachen, sondern auch für das Rheinland, eine "echte steierische Rodelbahn" aufgebaut. Auf dem großen Gelände des früheren Hirschhauses wurde ein "Original-Abessinisches Dorf" präsentiert, also eine damals sehr beliebte Exotenschau mit mehr als 60 Personen. Diese Schautruppe hatte zuvor auf der Weltausstellung in Dublin gastiert.

Die Handwerksausstellung hatte so große Ausstrahlung, dass an  vier Tagen sogar Sonderzüge auf der Strecke von Köln, Mönchengladbach und Verviers nach Aachen fuhren.

Europamarkt Kunsthandwerk 2017
Ausstrahlung hat  in diesem Jahr am 2. und 3. September auch der Europamarkt Kunsthandwerk und Design, der viele Besucher aus ganz NRW in die Aachener Innenstadt ziehen wird. Wenn man will, steht der Europamarkt damit in gewisser Tradition zur damaligen Leistungsschau…

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Die Archivalie des Monats: Nachfolgende Bilder zeigen die Postkarte, die Ausstellungszeitung und einen Ausschnitt der Ausstellungszeitung. © Stadtarchiv Aachen

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