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Zur Archivgeschichte



 

Die Ursprünge des Stadtarchivs gehen in das 12. Jahrhundert zurück. Seine älteste Urkunde städtischer Herkunft ist ein Diplom Kaiser Friedrichs I. vom 09.01.1166. Die älteste Urkunde nichtstädtischer Provenienz ist eine am 21.01.1018 von Kaiser Heinrich II. ausgestellte Urkunde für die Abtei Burtscheid.

Erste Verzeichnisse der Urkunden im Urkundenarchiv der Stadt hat es wohl bereits im 14. Jahrhundert gegeben. Im 16. Jahrhundert wurde das Urkundenarchiv im Granusturm des Aachener Rathauses eingerichtet. Die Verwaltung dieses Archivs unterlag dem der Kanzlei vorgesetzten Stadtschreiber. Im 17. Jahrhundert wurde mit der Registrierung einzelner Teile des Archivs begonnen, die aber erst im 18. Jahrhundert weiter voran schritt. 1760 wurde erstmals in der Person des Lizentiaten Schwartz ein städtischer Archivar eingestellt, über dessen Wirken jedoch nur wenig bekannt ist.

Bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit hat man in Aachen an der Unterscheidung zwischen Urkundenarchiv und Aktenarchiv festgehalten. Die Akten verblieben in einer Art Altregistratur und wurden im 18. Jahrhundert erstmals von Registratoren betreut.

Diese Unterscheidung in Urkunden- und Aktenarchiv und deren getrennte Lagerung hat dazu geführt, dass beim großen Stadtbrand 1656 das Akten- und Handschriftenmaterial bis auf wenige Reste zerstört wurde, während die im Granusturm eingelagerten Urkunden der Vernichtung entgingen.

1794 wurden die Bestände des Stadtarchivs vor den anrückenden Franzosen in das Rechtsrheinische ausgelagert. 1797 kehrten diese Unterlagen zurück. Einige den Franzosen wertvoll erscheinende Archivalien wurden daraufhin nach Paris verbracht. Der Großteil dieser beschlagnahmten Archivalien wurde 1815 wieder zurückgegeben.

Seit der Franzosenzeit war das Archiv durchgehend mit einem Archivar besetzt, der Akten- und Urkundenarchiv betreute.

Die Archivare bzw. Archivdirektoren waren:

1803-1821 Karl Franz Meyer d. J.,
1821-1862 Friedrich Ludwig Kraemer, Archivar, Registrator und Jounalist,
1862-1867 Joseph Gerhard Laurent, Bibliothekar und Archivar,
1867-1884 Peter Stephan Käntzeler,
1884-1911 Richard Pick,
1911-1945 Dr. Albert Huyskens,
1945-1948 Dr. Heinrich Schiffers, Direktor des Diözesanarchivs und kommisarischer Leiter des Stadtarchivs,
1948-1966 Dr. Bernhard Poll,
1966-1971 Dr. Erich Meuthen,
1972-1997 Dr. Herbert Lepper,
1997-2014 Dr. Thomas R. Kraus und
ab Dez. 2014 Dr. René Rohrkamp.

Die Archivalien waren seit der Franzosenzeit in wechselnden, meist unzulänglichen Räumlichkeiten im Rathaus untergebracht. Erst 1886-1890 erbaute man am Fischmarkt hinter der Fassade des alten Grashauses eigene Räume für das Stadtarchiv.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Archivalien, gut in Kisten verpackt, ausgelagert, so dass das Stadtarchiv keine nennenswerten Kriegsverluste erlitt.

Da die im anschließenden Bibliotheksgebäude befindlichen zusätzlichen Archivräume kriegszerstört waren und nicht wieder hergestellt wurden, zugleich aber große Aktenablieferungen aus den städtischen Verwaltungen zu übernehmen waren, reichten die Räume des Stadtarchivs bald nicht mehr aus. Neuere Akten mussten vielfach in ungeeigneten Kellern ausgelagert werden.

Erst 1981 bekam das Archiv ein geeignetes, zweckmäßiges Außenmagazin. Dort wurde 1987 auch eine Restaurierungswerkstatt eingerichtet.

Weitere Details zur Archivgeschichte finden sich in folgender Literatur:

  • Kaemmerer, Walter:
    Das Aachener Stadtarchiv in reichsstädtischer Zeit. in: Zeitschrift
    des Aachener Geschichtsvereins Bd. 57 (1936), S. 18-31.

  • Pick, Richard:
    Das Aachener Stadtarchiv. in: Festschrift zur 72. Versammlung
    deutscher Naturforscher und Ärzte, Aachen 1900, S. 214-225.

  • Lepper, Herbert:
    Das Stadtarchiv Aachen. in: Der Archivar 44 (1991), Sp. 397-403

  • Lepper, Herbert:
    Das Stadtarchiv Aachen und seine Archivare 1821-1945.
    in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins Bd. 84/85 (1978),
    S. 579-680.