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April 2017

  • Archivalie des Monats April ist die handschriftliche Aufzeichnung des Aachener Historikers Karl Franz Meyer „Von den Oster-Eyer“ um 1780.
  • Die Woche vor Ostern galt in dieser Zeit als „de jou Weich“, die gute Woche.
  • Schon damals wurden die Eier gefärbt und bemalt, mit Versen verziert und verschenkt. Auch das Poscheier-Tippen war schon bekannt.

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Kinder und Jugendliche des Spielhauses am Kennedypark präsentieren gemeinsam mit Eltern und Ehrenamtlern sowie Leiterin Elke Keuchen-Djafari (links) und Stadtarchivsleiter Dr. René Rohrkamp (rechts) die Archivalie des Monats. © Stadt Aachen/Nadine Jungblut

Das Aachener Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als „Archivalie des Monats“. Die jeweilige Archivalie mit einem kurzen Begleittext wird dann einen Monat lang in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert. Die Archivalie des Monats April 2017 zeigt die handschriftliche Aufzeichnung „Von den Oster-Eyer“ aus einem Manuskript zu den „Aachener Gebräuchen“ des Historikers Karl Franz Meyer (der Ältere) um 1780.

Aachener Osterbräuche im 18. Jahrhundert
„De jou Weich“, die gute Woche, nannte der Aachener Volksmund früher die Woche vor Ostern. Der Gründonnerstag war als „joue Donnerschdeg“ bekannt, Karfreitag entsprechend als „joue Friddeg“. Dies hatte am Ende der Fastenzeit denn auch mit den Mendelplätzen zu tun, einem gesäuerten Flachbrot, das nach dem Gottesdienst am Gründonnerstag an die Gemeindemitglieder verteilt wurden. Freitags empfingen die Mönchsklöster die Honoratioren der Stadt zu besonderen Festmahlen, bei denen neben Kabeljau und Karpfen auch Wein gereicht wurde. Auch deutete das Stadtbild auf den hohen kirchlichen Feiertag hin, wurden doch um diese Zeit zu Ostern, und auch an anderen kirchlichen Feiertagen im Frühjahr und Sommer, die Aachener Kirchen mit Ästen von Birken und mit anderen grünen Zweigen geschmückt. Und auch der heute noch von den Aachener Bäckern in der Osterzeit angebotene Poschweck hat eine jahrhundertealte Tradition: Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erhielten die Aachener von ihren Bäckern zu Ostern gar ein Poschweck geschenkt.

Interesse an Aachener Alltagsleben und Bräuchen
Mehr über den Umgang der Aachener mit ihren Ostereiern im ausgehenden 18. Jahrhundert hat der Aachener Historiker, Notar und Prokurator Karl Franz Meyer der Ältere (1728-1795) festgehalten. Meyer leitete von 1780 bis zu seinem Tod 1795 das Aachener Stadtarchiv und hatte mit dem ersten Band der „Aachenschen Geschichten“ bereits 1781 ein monumentales Werk zur Aachener Stadtgeschichte vorgelegt. Seine Interessen galten aber auch dem Aachener Alltagsleben und den Bräuchen, weshalb Meyer auch hierzu allerlei Informationen sammelte, die er nicht mehr veröffentlichen konnte.

Um 1780 schrieb Meyer zu den „Aachener Gebräuchen“ ein Kapitel mit dem Titel: „Von den Oster-Eyer“: „Bey uns ist der Gebrauch, daß man um Ostern die Eyer auf allerley Art farbet, bemahlet, mit Versen auszieret, oder sonst recht annehmlich machet, sodan einer dem andern solche zum Oster-Geschenck reichet oder schicket; auch pfleget man alsdan untereinander ein Ey auf das andere zu schlagen, welches dan ein ordentliches Eyer-Spiel ist; derjenige nun, so das stärckste hat, gewinnt die andern an sich, und werden um diese Zeit die mehreste Eyer gegessen, dan wer das ganze jahr hindurch keins genniesset, pflegt doch wohl um Ostern eins oder andere zu essen; es stehet mithin zu untersuchen, wo dieser Gebrauch von herkomme.“

Poscheier-Tippen: Spiel mit den Ostereiern
Die Aachener Osterbräuche haben sich in dieser Hinsicht in den letzten 250 Jahren nicht allzu sehr verändert: Schon damals wurden die Eier gefärbt und bemalt, mit Versen verziert und verschenkt. Auch das Poscheier-Tippen (lat. pasca = Ostern, also: Ostereiertippen) beschreibt Meyer in seinen Aufzeichnungen: Bei diesem Spiel mit den Ostereiern werden zwei Eier mit dem „Köppche“ (Spitze) oder dem „Föttche“ (rundes Ende) gegeneinander geschlagen. Es gewann der, dessen Ei unversehrt blieb, das Ei des anderen. Und damals wie heute liegt es in der Natur der Sache, dass gerade um die Osterzeit besonders viele Eier verspeist werden …

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Die Archivalie des Monats April 2017. © Stadtarchiv Aachen