Münsterplatz 2
Denkmal #27
Einleitung
Unmittelbar neben der Kirche St. Foillan befand sich einst das sogenannte Sendgericht. Teile des historischen Baus sind in dem überwiegend verdeckten Bau im Hintergrund noch erhalten, während der vordere Teil ein Neubau der Nachkriegszeit ist.
Bewegte Geschichte
Der zweigeschossige hintere Bauteil stammt wohl noch in Teilen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Darauf weist auch ein prächtiger Wappenstein mit Stadtadler, der das Jahr 1683 angibt. Hier befand sich vermutlich die Verwaltung des Sendgerichts. Nach 1804 wurde das Gebäude für Lagerzwecke genutzt. 1967 wurde der Gebäudeteil durch Leo Hugot überarbeitet. Das vordere, eingeschossige Gebäude ist nach Kriegszerstörung um 1950 als Geschäftsraum für den Antiquitätenhändler Hubert Lüttgens neu errichtet worden. Dabei wurden historische Bauteile in die Fassade eingefügt. Lüttgens war auch Initiator des Hauses Hühnermarkt 19, einer der ersten Fassaden mit wiederverwendeten historischen Bauteilen.
Spurensuche
Zwei Blausteinportale wurden in die Fassade eingesetzt: das linke mit Segmentbogen, verziertem Keilstein und feingliedriger Holztür aus der Zeit des Rokoko. Das dreieckige Relief der Justitia am rechten Eingang weist auf die ehemalige Gerichtsfunktion hin.
© Olaf RohlDas Justitia-Relief ist ein Hinweis auf den früheren Zweck des Hauses Münsterplatz 2 als kirchliches Sendgericht.
Besonderheiten
Vor dem Sendgericht wurden vor allem kirchliche, aber auch weltliche Schandtaten, Sünden oder z. B. gotteslästerliche Reden der Gemeindemitglieder behandelt und gerügt. Das Sendgericht bestand an dieser Stelle mindestens seit dem 14. Jahrhundert bis zur Säkularisation 1804.
Bildergalerie
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Translozierung
Die Methode der Translozierung war bereits in der Stadtplanung des 19. Jahrhunderts bekannt und beliebt. Durch sie konnte alter Baubestand gerettet und wiederverwendet werden. In Aachen wurde diese Methode auf besondere und umfangreiche Weise angewendet.










