Theaterstraße 88
Denkmal #26
Einleitung
An der Stelle, an der heute ein Brunnen auf einem kleinen Platz vor einem modernen Bürogebäude steht, befand sich früher ein stattliches Gebäude. In den 1970er Jahren gab es ein regelrechtes Tauziehen um dessen Erhalt, trotzdem wurde es abgerissen. Ganz verschwunden ist es aber nicht.
Bewegte Geschichte
Die Geschichte der Theaterstraße beginnt erst 1825, als der neue Theaterbau auf dem Grundstück des ehemaligen Kapuzinerklosters fertiggestellt wurde. Zugleich wurde Landesbauinspektor Johann Peter Cremer damit beauftragt, eine breite und repräsentative Straßenachse anzulegen, die nicht nur das neue Theater in Szene setzen, sondern auch die Aachener Innenstadt mit der damals noch eigenständigen Stadt Burtscheid verbinden sollte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts siedelten sich Banken, Versicherungsgesellschaften und wohlhabende Familien in der Theaterstraße an, um dort repräsentative Bauten zu errichten.
Ein solche Villa wurde hier 1840 durch den Architekten Wilhelm Rosen errichtet. Seit Mitte der 1960er Jahre stand das Gebäude zur Disposition. Eine Versicherung wollte das Grundstück in einen Neubau einbeziehen. Offenbar fand man keine Möglichkeit, das Gebäude zu erhalten, und so wurde es 1973 zusammen mit dem Nachbarhaus Nr. 88 abgerissen. Es gab den Versuch, die geborgenen Fassadenteile in der Innenstadt im Sanierungsgebiet I einzuplanen, schließlich aber wurde das Haus 1976 anstelle des Hauses Nr. 88 neu und mit der historischen Fassade wiedererrichtet.
Spurensuche
Die Fassadenteile wurden, nachdem sie drei Jahre im Bauhof lagerten, dem Neubau auf dem Grundstück von Nr. 88 vorgeblendet. Proportion und Gliederung der Fassade orientieren sich am ursprünglichen Gebäude und erfolgten weitgehend originalgetreu. Auf die zuvor vorhandenen Putzflächen wurde verzichtet. Die bereits früher vermauerten Türen wurden auch so wieder ausgeführt. Eine neue Zutat ist dagegen der Dreiecksgiebel zur Vereinsstraße und das deutlich kräftiger ausgeführte Trauf- und Giebelgesims.
© Olaf RohlDas Haus fügt sich heute auf interessante Weise in die umgebende moderne Architektur ein, was innerhalb des Aachener Modells ein wichtiges Ziel der Rekonstruktionen war.
Besonderheiten
Es ist die einzige Versetzung einer Fassade im östlichen Innenstadtbereich unter Beteiligung der städtischen Denkmalbehörde und des Landeskonservators.
Bildergalerie
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Translozierung
Die Methode der Translozierung war bereits in der Stadtplanung des 19. Jahrhunderts bekannt und beliebt. Durch sie konnte alter Baubestand gerettet und wiederverwendet werden. In Aachen wurde diese Methode auf besondere und umfangreiche Weise angewendet.










