Rosstraße 52–56
Denkmal #22
Einleitung
Die dreiteilige Baugruppe Rosstraße 52, 54 und 56 wurde aufgrund ihres baulichen Zustandes, aber auch begründet durch die Verkehrsplanung abgerissen und durch die Baugesellschaft gewoge Aachen wiederaufgebaut. Abbruch und Wiederaufbau mit historischen Fassaden(teilen) gleichen hier einem komplizierten Puzzlespiel.
Bewegte Geschichte
Nach dem Abriss der Altbauten in den 1970er Jahren entstanden hier drei neue Gebäude mit translozierten Fassaden unterschiedlicher Herkunft. Federführend für die gewoge zeichnete Architekt Wolfgang Köster. Die Altbauten an dieser Stelle datierten in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, der zweigeschossige Altbau Nr. 56 (vor Neunummerierung Nr. 58 und 60) wurde wohl noch im 18. Jahrhundert errichtet.
Spurensuche
Die Fassadenteile für den Neubau des dreigeschossigen Hauses Nr. 52 wurden damals dem Bestand des Bauhofes entnommen. Aufgrund der Anzahl und Form der Gewände wird angenommen, dass sie zum ehemaligen Gebäude Paugasse Nr. 4 gehören. Die stattliche Fassade des Altbaus wurde dagegen zerlegt und in der Kockerellstraße 17 wiederverwendet. Warum sie nicht an ihrem eigentlichen Platz bleiben konnte, erscheint aus heutiger Sicht fragwürdig. Und auch damals schon wurde diese „Kulissenschieberei“ kritisch betrachtet, denn es zeigte einen schöpferischen und zugleich willkürlichen Gestaltungswillen der Planer. Andererseits wird so auch der städtebauliche Umfang der Sanierungsprojekte deutlich.
Die markante Fassade des heutigen Hauses Nr. 54 mit Kreuzstockfenstern, ovalen Fenstern im Drempel und mittiger Dachgaube stammt aus der Rosstraße Nr. 32 und datierte sicher noch in die Zeit um 1700. Fassadenteile der abgebrochenen Vorgängerbebauung stecken nur im Neubau des Hauses Nr. 56. Statt des ehemals steilen Satteldaches wurde hier ein Mansarddach in barocker Formgebung aufgesetzt, das zusätzlichen Wohnraum ermöglichte. Diverse Details der Altfassade wie Ankereisen, Kellerluke und Kloben für Schlagläden wurden entfernt und die Fassade wurde „geglättet“. Der Blaustein-Torbogen zwischen den Neubauten Rosstraße 58 und 60 wurde wahrscheinlich aus dem 1969 bereits abgebrochenen Haus Bendelstraße 35 in Burtscheid hierher transloziert.
© Olaf RohlDie hier verwendeten Fassadenelemente stammen hauptsächlich aus dem damaligen Bestand des Bauhofes.
Besonderheiten
Die immer wieder pauschal als Begründung für den Abriss herangezogenen schlechten hygienischen und baulichen Verhältnisse können für das Rosviertel tatsächlich gut nachvollzogen werden. Beispielsweise ist für das heute noch erhaltene Haus Rosstraße 37 bekannt, dass sich noch in den 1950er Jahren 62 Bewohner zwei Toiletten (Aborte) auf dem engen Hof teilten, von denen eine zeitweise defekt war. Auch die Belichtung der Wohnungen um einen sehr engen Hinterhof war äußerst dürftig.
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Translozierung
Die Methode der Translozierung war bereits in der Stadtplanung des 19. Jahrhunderts bekannt und beliebt. Durch sie konnte alter Baubestand gerettet und wiederverwendet werden. In Aachen wurde diese Methode auf besondere und umfangreiche Weise angewendet.










