Neupforte 8–10
Denkmal #39
Einleitung
An der Ecke Neupforte und Mostardstraße befinden sich zwei barock anmutende Wohnhäuser mit hohen Mansarddächern. Trotz ihrer Erscheinung gehören beide zu den jüngsten Projekten aus der Zeit der Stadtsanierung – und wurden begleitet von massiven Bürgerprotesten.
Bewegte Geschichte
Das Gebiet um Neupforte und Mostardstraße gehörte zum Sanierungsgebiet III. Schon ab 1968 begann die Stadt, Häuser in diesem Bereich aufzukaufen und vorbereitend zu vermauern, nicht zuletzt um Hausbesetzungen zu vermeiden. Neben der Schaffung neuen Wohnraumes sollte auch die Straße mit neuen Baufluchten verbreitert werden. Als man unter Leo Hugot auch daranging, die alten Häuser der rechten Seite abzubrechen und zu ersetzen, bildete sich eine Bürgerinitiative. Trotz des Widerspruchs begannen 1975 die Sanierungsarbeiten im Viertel. Im Jahr 1980 wurden dann auch die beiden Häuser Neupforte 8 und 10 durch den Architekten Kurt Nellessen fertiggestellt.
An der Stelle der heutigen Neupforte 8 befand sich ein zweieinhalbgeschossiges Wohnhaus mit einem noch barock gestalteten Erdgeschoss, schlichten Obergeschossen und Satteldach. Das benachbarte, kriegsgeschädigte Eckgebäude Nr. 10 stammte aus der Zeit des Historismus. Beide Häuser wurden 1980 durch Neubauten ersetzt, die historischen Back- und Blausteine wurden vorgeblendet.
Spurensuche
Im Haus Nr. 8 wurde die vorhandene vierachsige Fenstergliederung des Erdgeschosses wiederverwendet. Statt einfacher Obergeschossfenster wurden vom Bauhof Blausteingewände eingesetzt und beide Obergeschosse um ca. 50 cm erhöht. Das Satteldach wurde durch ein hohes Mansarddach ersetzt, welches deutlich mehr Wohnraum ermöglichte. Bei der Nr. 10 fällt insbesondere der markante Eckverband mit Figurennische ins Auge, der von einem abgebrochenen Gebäude von 1738 am Klosterbongard stammt. Weitere Gewände kamen von der Eilfschornsteinstraße und vermutlich aus Burtscheid.
© Andreas LückDie Veränderungen an der Neupforte 8 dienten alle dem Ziel, mehr Wohnraum zu schaffen. So wurden die Decken erhöht und das Dach ersetzt. Das besondere an der Neupforte 10 ist der markante Eckverband mit Figurennische.
Besonderheiten
Die Proteste erreichten mit dem Sanierungsgebiet III in den 1970er Jahren ihren Höhepunkt. Massiv wurden der Abriss historischer Gefüge und das Vorgehen der Stadt kritisiert. Aber auch Leo Hugot wurde als „Vollstrecker des Kapitalwillens“ und für die Schaffung eines „Paradieses für Reiche“ persönlich angegangen. Diese Gegenbewegung, die übrigens deutschlandweit durch bürgerliche Proteste gegen weiteren Abriss und Verlust der historischen Baukultur aufflammte, war ein Vorbote der kommenden Denkmalschutzgesetze von 1980.
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Translozierung
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