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Gartendenkmal Müschpark

Das Gartendenkmal Müschpark wird stetig gepflegt und weiterentwickelt: im Sommer 2014 wurden wichtige Maßnahmen zur Sanierung der Parkanlage fertig gestellt. Dazu gehören die neue Ufersicherung zweier Teiche, das Wiederherstellen eines Zierbeckens, die Gestaltung von Pflanzflächen, sowie die Anlage von Wegen und Sitzplätzen. Auch neue Anpflanzungen von Bäumen sind erfolgt. Als "krönender Abschluss" sind in Anlehnung an historische Vorbilder auf zwei Aussichtspodesten neue Pavillons errichtet worden. An den Eingängen am Purweider Weg und an der Buchenallee laden zwei Stelen mit Informationen über die Geschichte und Gestaltung der Anlage zu einem "Parkspaziergang" ein.

Plan des Rundwegs durch den Müschpark © Stadt Aachen
Vergrößerte Fassung der Karte (pdf)

Aus Privatbesitz wird öffentlicher Park für alle

Im Jahr 2005 bot die Ordensgenossenschaft der Töchter vom Heiligen Kreuz ihre Liegenschaften am Kloster St. Raphael zum Verkauf an, darunter den Müschpark. Die bis dahin kenntnisreichste Darstellung des Parks stammt von Bodo von Koppen in seinem 1987 erschienen Buch "Alt Aachener Gärten". Er beschreibt, dass die Gestaltung dieser - nördlich unmittelbar an den Lousberg anschließenden - Grünfläche aus derselben Zeit kurz nach der französischen Revolution stammt wie die Verwandlung des Lousbergs in einen Park durch die Pläne von Maximilian Friedrich Weyhe. Anders als der Lousberg war der Müschpark aber bis zum Jahr 2005 eine private Fläche. Während Wilhelm Körfgen, der Generalsekretär des französischen Präfekten der Departementhauptstadt Aachen, ab 1805 auf dem Lousberg mit der Aachener  Bürgergesellschaft maßgeblich die Umgestaltung voranbrachte, ließ er am unmittelbar benachbarten Gelände des Gutes Obere Müsch einen Landsitz mit Privatpark für sich anlegen in Gestalt einer "Ferme Ornèe". Wörtlich übersetzt eine geschmückte Farm, handelt es sich dabei um eine Mischung aus gestaltetem Park und landwirtschaftlicher Nutzfläche.

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Impression aus dem historischen Müschpark

Gartendenkmal seit dem Jahr 2010

"Die charakteristischen Elemente des Landschaftsgartentyps "Geschmückte Farm/Ferme Ornée" sind bis heute im Müschpark ablesbar und können durch gezielte Pflegemaßnahmen im Detail noch intensiver herausgearbeitet werden. Da im Rheinland dieser Landschaftsgartentyp nur noch vereinzelt anzutreffen ist, ist der Müschpark für die Geschichte der Gartenkunst im Rheinland von besonderer Bedeutung." So steht es in einem Gutachten von Petra Engelen vom Amts für Denkmalpflege im Rheinland, datiert auf den 17. März 2010.

Dank dieser Expertise und weiterer Forschungen und Quellenfunde, die die Bedeutung der Parkanlage belegen, wurde der Müschpark 2010 in die Denkmalliste der Stadt Aachen eingetragen.

Der Wissensstand zum Müschpark konnte sowohl durch die Doktorarbeit von Rita Hombach über die Landschaftsgärten im Rheinland als auch durch die  Forschung von Frau Dr. Vogelsang zu Joseph Clemens Weyhe (1807 – 1871), dem  Sohn und beruflichen Nachfolger von Maximilian Friedrich Weyhe, aus dessen Feder der Lousberg stammt, erheblich verbessert werden. Frau Dr. Hombach stieß auf einen Bericht über eine Bereisung des Lousbergs und des Müschparks durch die Deutsche Dendrologische Gesellschaft (Dendrologie ist die Wissenschaft von den Bäumen). Darin wurde der Bestand an "wundervollen, alten Bäumen, Tulpenbaum, Amberbaum…,20 m hohe Eichen!" gerühmt. Der Bericht lässt Rückschlüsse auf Art und Alter der Bäume zu.  Frau Dr. Vogelsang fand im Stadtarchiv Düsseldorf eine Bestellliste über eine umfangreiche Baumlieferung für den Müschpark, die J.C. Weyhe 1866  verfasst hatte. Damit ist gesichert, dass J.C. Weyhe gartenkünstlerisch für den Müschpark tätig war. Unbekannt ist, ob nur in beratender oder in entwerfender Funktion.

Weißer Weg und EuRegionale 2008

Der Müschpark liegt im Bereich des Weißen Wegs, der sich 30 Kilometer lang vom Lousberg bis nach Kerkrade erstreckt. Er ist zusammen mit den Stationen das wesentliche Element des EuRegionale 2008 – Projektes Pferdelandpark. Unmittelbar neben dem Müschpark  liegt die Lousbergterrasse mit den Hängematten. Die EuRegionale 2008 bot die Chance, den Müschpark mit Fördermitteln anzukaufen und Strukturen des Parks, der in den letzten Jahrzehnten stark vernachlässigt worden war, in Stand zu setzen. Durch die Euregionale hat sich die günstige Gelegenheit ergeben, dass sowohl die Kosten für das Parkpflegewerk als auch für die wesentlichen Maßnahmen zur denkmalgerechten Gestaltung sowie zur Weiterentwicklung des Parks zu 80 Prozent von Bund und Land gefördert werden.

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Wiesenhang im Müschpark

Naturschutzfachliches Gutachten

Der Müschpark liegt auch im Landschaftsschutzgebiet (Kulturlandschaft Soers), und bietet besonders durch die alten Bäume und die Teiche vielen Arten einen Lebensraum. Darunter befinden sich auch solche, die in der Stadt eher selten anzutreffen sind. Besonders zu erwähnen sind die verschiedenen Fledermausarten. Deshalb hat die Verwaltung parallel zum Parkpflegewerk eine umfangreiche Untersuchung der Flora und Fauna durch das Büro "raskin /Umweltplanung und Beratung" beauftragt. Das Büro raskin hat die im Parkpflegewerk vorgeschlagenen Maßnahmen aus natur- und artenschutzrechtlicher Sicht geprüft, bewertet und Empfehlungen ausgesprochen, die bei der Pflege und Weiterentwicklung berücksichtigt werden.

Was ist ein Parkpflegewerk?

Ein Parkpflegewerk ist ein Gutachten, das im Wesentlichen drei Teile beinhaltet. Es erforscht die Geschichte. Es bewertet den Bestand und die Strukturen in Bezug auf die historischen Erkenntnisse und entwickelt auf dieser Basis das denkmalpflegerische Leitbild. Als Drittes wird ein Konzept für die kontinuierliche Pflege und die zum Erhalt und zur Weiterentwicklung nötigen und erwünschten Maßnahmen aufgestellt. Das Parkpflegewerk für den Müschpark bearbeiteten die Landschaftsarchitekten Achim Röthig und Elke Lorenz, beide vom Büro Röthig aus Haan.

Entwicklungskonzept, Maßnahmen, Nutzung und Pflege

Das Gutachten stellt fest, dass der Park eine starke, heute noch gut nachvollziehbare Grundstruktur besitzt. So entspricht die Wegeführung im Wesentlichen der seit 1810 historisch gewachsenen Situation. Kurz gesagt: es gibt keine Brüche sondern Erweiterungen in Kontinuität. Die Grundform der Anlage von Körfgens Sommerresidenz wird durch die Jahrhunderte respektiert. Dennoch musste sich das Parkpflegewerk mit ernst zu nehmenden Verlusten im Park auseinandersetzen: "Oberhalb des Teiches am Waldrand befand sich einer der Pavillonstandorte, von dem heute noch eine Bodenplatte aus Beton erhalten ist. Der Sichtbezug von hier aus in Richtung unteren Teich gehört mit Sicherheit zu den wesentlichen Gestaltungsprinzipien der Anlage, ist jedoch heute durch Gehölzaufwuchs und herabhängende Äste erheblich gestört."

Gartendenkmalpflege und Naturschutz

Eine der auffälligsten Veränderungen konnte durch die Maßnahmen "Wiederherstellung der historischen Raumstruktur als Feuchtwiese – Entnahme der Ahornpflanzung und des Stangenholzes südlich des Teichs am Purweider Wegs" erreicht werden. Dieser Teil ist einer der historischen "Kernbereiche" des Parks. Erst weit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde hier, dicht an dicht Ahornstangenholz gesetzt. Das Motiv dazu bleibt unklar. Diese Pflanzung erstickte alle anderen Pflanzen- und Gestaltungsstrukturen und war sowohl landschaftsarchitektonisch als auch biologisch ein Fremdkörper.

Deshalb kommt auch die "Naturschutzfachliche Stellungnahme zum Parkpflegewerk" (Büro raskin) zu folgender Bewertung: "Die Entnahme junger Pioniergehölze, insbesondere des Bergahorns, zum Teil auch etwas älterer Exemplare maximal bis zum mittleren Baumholz korrespondiert grundsätzlich mit den naturschutzfachlichen Zielen für die Waldbereiche. Insbesondere der Bergahorn hat die natürlichen Waldgesellschaften recht stark verändert und sollte daher zurückgedrängt werden. Dieser positive Synergieeffekt betrifft darüber hinaus die damit geförderte typische frühjahrsgeophytenreiche Krautschicht." Dort werden sich dann zum Beispiel auch die halbwilden Narzissen und die Buschwindröschen wieder entwickeln können.

Weitere positive Effekte sieht die raskin-Stellungnahme in der Wiederanpflanzung von Obstwiesen. Sie gibt Empfehlungen für die Art und Weise der kontinuierlichen Pflege und den Erhalt von alten Baumtorsi als Höhlen- und Brutorte, die in die kontinuierlichen Pflegepläne für die nächsten Jahre Eingang finden werden.

Umsetzung der Maßnahmen der ersten Prioritätsstufe

Dank der EuRegionale 2008 hat sich der glückliche Umstand ergeben, dass unmittelbar nach Aufstellung des Parkpflegewerks die kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen der ersten Priorität mit einer Förderung durch Bund und Land in Höhe von 80 Prozent realisiert werden konnten. Der Weiße Weg im Pferdelandpark führt durch den Müschpark; für die Station "Platz am Wasser", ursprünglich am Wildbach vorgesehen und dort wegen der Renaturierung nicht realisiert, finden wir einen adäquaten Ort an den Teichen des Müschparks. Damit können wesentliche Elemente, die den Reiz und den kulturgeschichtlichen Wert des Parks ausmachen, instandgesetzt, in zeitgenössischer Form wieder gewonnen und für eine attraktive Naherholung genutzt werden.

(Stand: 01. Oktober 2014)