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Nach Haftentlassung: Maria Kalesnikava hat Karlspreis 2022 persönlich in Aachen erhalten

In einem besonderen Festakt wurde der Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava der ihr in Abwesenheit 2022 verliehene Internationale Karlspreis zu Aachen heute persönlich von ihrer Schwester Tatsiana Khomich überreicht. Die belarussische Oppositionelle und Musikerin war im Dezember 2025 aus der politischen Haft in Belarus freigekommen. Im Aachener Krönungssaal würdigten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft und Kultur ihren Einsatz für Demokratie, Menschenrechte und ein freies Belarus.

Aachens Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons eröffnete den Festakt mit einer Begrüßung und der Laudatio auf Maria Kalesnikava. Er hob dabei ihren außergewöhnlichen Mut und ihre unbeirrbare Haltung im Kampf für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit hervor: „Maria Kalesnikava hat einen hohen Preis für ihren Einsatz für Freiheit und Demokratie bezahlt: mehr als 600 Tage Haft ohne Kontakt zu Familie oder Rechtsbeistand, Isolationshaft, verweigerte medizinische Versorgung und wiederholte Verlegungen in Strafzellen. Und dennoch zeigte sie im Gerichtssaal im September 2021, als sie das Urteil entgegennahm und hinter Gittern wie in einem Käfig stand, eine Geste, die weit über diesen Moment hinausging: Mit gefesselten Händen formte sie ein Herz. Dieses Herz ist zu einem Symbol geworden – für Belarus, für Europa und für die Kraft eines menschlichen Willens, der sich dem Unrecht nicht beugt. Frau Kalesnikava, es war Ihr Herz. Aber es schlägt für uns alle.“

Überreichung des Internationalen Karlspreises zu Aachen
Im Zentrum der feierlichen Veranstaltung stand die symbolische Überreichung des Karlspreises. Die Schwester von Maria Kalesnikava, Tatsiana Khomich, hatte die Auszeichnung 2022 stellvertretend für ihre Schwester entgegengenommen und übergab sie nun feierlich an die Karlspreisträgerin von 2022. Im Anschluss trug sich Kalesnikava in das Goldene Buch der Stadt Aachen ein.

In ihrer Rede dankte Kalesnikava ihrer Schwester Tatsiana Khomich für ihr Engagement und ihren unermüdlichen Einsatz und würdigte die Unterstützung aus Deutschland wie aus ganz Europa als ermutigendes Signal für alle, die in Belarus und anderswo für Freiheit und Menschenwürde eintreten: „Dieser Preis steht für eine Idee: für europäische Einheit, Solidarität und Freiheit. Für mich – als Belarussin und ehemalige politische Gefangene – haben diese Worte eine sehr persönliche Bedeutung. Dieser Preis gehört nicht nur mir. Er gehört allen, die geglaubt, gekämpft und nicht aufgegeben haben. […] Ich danke Deutschland – der Regierung und dem deutschen Volk – für die Möglichkeit, hier in Sicherheit zu leben und zu arbeiten. Für jemanden, der gerade aus dem Gefängnis kommt, bedeutet das mehr, als Worte ausdrücken können. […] Demokratie lebt davon, dass Menschen sprechen. Dass sie Verantwortung übernehmen. Dass sie füreinander einstehen. Manchmal scheint die Stimme der Aggression am lautesten – die Stimme des Hasses, die Stimme der Angst. Das ist eine Täuschung. […] Unsere Stimmen müssen stärker sein. Die Stimme der Freiheit. Die Stimme der Würde. Die Stimme der Solidarität.“

Armin Laschet, der neue Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums und Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, überreichte eine extra zu diesem Anlass entworfene Karlspreis-Plakette an Tatsiana Khomich. Damit wurde ihr persönliches Engagement als Stimme ihrer inhaftierten Schwester und als Vertreterin der belarussischen Zivilgesellschaft hervorgehoben. „Wir dürfen bei all den Krisen dieser Tage Belarus nicht vergessen. Dafür engagiert sich Tatsiana Khomich seit vielen Jahren. Belarus liegt vor unserer Haustür, nicht vor der amerikanischen. Europa muss endlich eine starke diplomatische Rolle in der Welt einnehmen. Dazu gehört auch, selbstbewusst und entschlossen eigene diplomatische Wege nach Belarus für Menschenrechte und Freiheit zu öffnen“, so Laschet.

Politischer wie musikalischer Rahmen und kulturelle Perspektive aus Belarus
Die Zeremonie wurde eingerahmt von einer Gesprächsrunde mit Kalesnikava, der ehemaligen Staatsministerin für Kultur und Medien, Claudia Roth, und dem ehemaligen Staatssekretär Thomas Rachel, moderiert von dem ehemaligen ZDF-Moderator Claus Kleber. Die Diskussion beleuchtete die Situation in Belarus, die persönliche Geschichte Kalesnikavas sowie die Rolle europäischer Öffentlichkeit und politischer Patenschaften im Rahmen des Programms „Parlamentarier schützen Parlamentarier“ des Deutschen Bundestages. Seit 2003 unterstützt dieses Programm bedrohte ausländische Abgeordnete sowie Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger durch internationale Solidarität, öffentliche Aufmerksamkeit und persönliche Patenschaften. Roth und Rachel hatten während ihrer Haft die Patenschaft für Kalesnikava übernommen.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch drei Werke der prominenten belarussischen Komponistin und Organistin Olga Podgaiskaya, die sie am Flügel und zusammen mit dem von ihr geleiteten Five-Storey Ensemble aufführte. Ihre Kompositionen und die Beiträge des Ensembles eröffneten eine eindrucksvolle künstlerische Perspektive auf die kulturelle Vielfalt und das kreative Potenzial der belarussischen Gesellschaft.

Maria Kalesnikava
Maria Kalesnikava, 1982 in Minsk geboren, absolvierte ein Solistenstudium für Querflöte in ihrer Heimatstadt und studierte anschließend Alte sowie Zeitgenössische Musik in Stuttgart. Vor ihrer Verhaftung war sie zuletzt Künstlerische Leiterin des Kulturzentrums „OK-16“ in Minsk.

Im Jahr 2020 wurde Kalesnikava zu einer der wichtigsten Stimmen der demokratischen Bewegung in Belarus. Gemeinsam mit Swetlana Tichanowskaja und Veronika Tsepkalo bildete sie ein international beachtetes Frauen-Trio im Widerstand gegen den langjährigen Machthaber Alexander Lukaschenko. Für ihr Engagement wurden die drei 2022 gemeinsam mit dem Karlspreis ausgezeichnet.

Nachdem Kalesnikava ein Exil im Ausland abgelehnt hatte, wurde sie im Zuge der Protestbewegung im September 2020 verhaftet und später zu elf Jahren Haft verurteilt. International galt sie als politische Gefangene und musste unter schwierigen Haftbedingungen leiden. Im Dezember 2025 wurde Kalesnikava nach Verhandlungen zwischen dem belarussischen Regime und einem US-Gesandten gemeinsam mit weiteren Oppositionellen begnadigt. Kurz darauf reiste sie auf Einladung deutscher Behörden nach Deutschland aus.

Über den Internationalen Karlspreis zu Aachen
Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als der bedeutendste europäische Preis für die Einheit Europas. Er wird seit 1950 an Personen und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Im letzten Jahr erhielt die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, den Karlspreis. Karlspreisträger in diesem Jahr ist der ehemalige italienische Ministerpräsident Mario Draghi. Ihm wird am 14. Mai 2026 im Aachener Krönungssaal der Karlspreis übergeben in Würdigung seiner aktuellen Impulse und seines herausragenden Lebenswerkes im Dienste der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Draghi ist in der 76-jährigen Geschichte des Karlspreises der sechste italienische Preisträger.

Seit 2025 vergibt der Internationale Karlspreis zu Aachen jährlich ein Projektpreisgeld von einer Million Euro an gemeinnützige pro-europäische Initiativen. Die Förderung – ermöglicht durch die gemeinnützige Stiftung der Aachener Bürger und Unternehmer Dr. Ing. Eckhard Schulz und Dr. rer. nat. Stefanie Schäfer-Schulz – erfolgt auf Vorschlag der jeweiligen Karlspreisträgerinnen und -träger. Ziel ist es, proeuropäisches Engagement zu stärken, gemeinsame Werte zu betonen und die europäische Idee über Aachen hinaus sichtbar zu machen, indem neue wie bereits laufende Projekte europaweit wirksam unterstützt werden.

Ein Zeichen für Freiheit und Solidarität: Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons, die Schwester der Karlspreisträgerin Tatsiana Khomich, Karlspreisträgerin 2022 Maria Kalesnikava und Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums Armin Laschet (v. l.).


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