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Das Archivale des Monats März 2026… 

  • … zeigt die Titelseite des ersten Dozierenden- und Vorlesungsverzeichnisses der Volkshochschule (VHS) Aachen aus dem Jahr 1946.
  • Organisiert wurde der Unterricht in den ersten Jahren unter dem wachsamen Auge der englischen Besatzungsadministration und unter den Eindrücken des untergegangenen Regimes.
  • Die VHS sollte ein Ort sein, an dem Erwachsene aller Weltanschauungen sich treffen und verstehen lernen können.

 

Das Aachener Stadtarchiv stellt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archivale des Monats vor. Das Stück mit einem kurzen Begleittext wird in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert. Im März 2026 ist es die Titelseite des ersten Dozierenden- und Vorlesungsverzeichnisses der VHS Aachen aus dem Jahr 1946.

Die Gründung der VHS Aachen
Die Volkshochschule (VHS) Aachen wurde vor 80 Jahren, am 18. März 1946, in der Talbothalle feierlich eröffnet. Das städtische Orchester unter der Leitung von Thomas B. Rehmann sorgte für die musikalische Begleitung des Festaktes, der mit dem gemeinsamen Singen der Aachener Hymne „Urbs Aquensis“ seinen krönenden Abschluss fand.

Etwa eineinhalb Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Aachen hatte sich die städtische Verwaltung dazu entschlossen, auch den Aachenerinnen und Aachenern, die bereits einen Schulabschluss hatten, ein Angebot zu machen, sich geistig weiterzuentwickeln und fortzubilden. Angesichts der gerade erst vergangenen zwölfjährigen Diktatur in Deutschland und der vehementen Indoktrination der Bevölkerung war es sicherlich eine gute Idee, ein Bildungsinstitut zu gründen, das auch den interessierten Erwachsenen das Rüstzeug bereitstellte, um sich in einem demokratischen Staat zurechtzufinden.

„Die geistige Freiheit dem Deutschen zurückgeben“
Die Reden zur Eröffnung der VHS zeugten von dem Geist, der die neue Einrichtung prägen sollte. Schulleiter Josef Lang charakterisierte die VHS als „eine Bildungsstätte, die es jedem ermöglicht, an sich weiter zu arbeiten, nachdem er die Schule verlassen hat, in das Berufsleben eintrat und so den Kampf mit dem Leben aufgenommen hat.“ Organisiert wurde der Unterricht unter dem wachsamen Auge der englischen Besatzungsadministration und unter den Eindrücken des untergegangenen Regimes, weshalb Lang hervorhob: „Alle Dozenten und ihre Vorlesungen sind von der Militärbehörde genehmigt, sodass also die mit jeder Vorlesung verbundene Aussprache rückhaltlos sein kann. Es soll hiermit das Hauptziel der Volkshochschule erreicht werden, die geistige Freiheit dem Deutschen zurückzugeben.“

Ein Neuanfang inmitten von Trümmern
Der damalige Bürgermeister für Schule, Bildung und Kultur, Karl Breuer, ordnete die Neugründung als Neuanfang inmitten von Trümmern ein, der aus den neuen Lerngemeinschaften nun Lebensgemeinschaften formen sollte, in denen Erwachsene aller Weltanschauungen sich treffen und verstehen lernen können. Breuer wünschte sich, dass die VHS Menschen aus allen Schichten anspricht, zur Sinnhaftigkeit des Lebens beiträgt und vor Zerstreuungen und politischem Radikalismus schützt: „So rufen wir zur Volkshochschule jeden Erwachsenen, der sich verantwortlich fühlt für seinen Lebenskreis und seine Gemeinschaft. Es geht um eine neue Geisteshaltung. (…) Glaubt an Genesung, glaubt an die bessere, schönere, an eine gesunde Zukunft unseres deutschen Vaterlandes.“ Die VHS wurde damit als ein Element der Bildungskette etabliert, dass den Zugang zu Bildung für alle erweitern und damit einen wichtigen Grundstein für die im Aufbau befindliche deutsche Demokratie bilden sollte.

Expertise, Kurse, Vorlesungen
Die Liste der Dozierenden war bereits im ersten Semester lang. Die 38 Personen waren Expertinnen und Experten auf ihren Gebieten wie der Komponist Josef Eidens, der Leiter der städtischen Museen Sepp Schüller, der Architekt Wilhelm Fischer oder der Leiter des Stadttheaters Kurt Sieder. Dass die erste Generation des Lehrkörpers durchaus auch aus Personen bestand, die während der Zeit des Nationalsozialismus erfolgreich waren, zeigt das Beispiel Professor Peter Mennicken, der Vorlesungen zu der Einführung in das philosophische Denken und zu den großen Denkergestalten des Abendlandes anbot. Zugleich nutzte die VHS die Gelegenheit, eine Vielzahl an englischen Native Speakers in der Stadt zu haben. Die englischen Konversationskurse wurden von englischen Offizieren angeboten.

Die Kurse begannen am 25. März 1946 und fanden zwischen 18 und 21 Uhr, am Wochenende bis 22 Uhr statt. Die Vorlesungen wurden entweder im Reiff-Museum, im Suermondt-Museum oder in der Stadtbücherei an ihrem damaligen Standort in der Peterstraße gehalten. Pro Kurs war eine Gebühr von 5 Reichsmark zu zahlen, eine Generalkarte, die den Besuch aller 48 Vorlesungen erlaubte, kostete 45 Reichsmark.

Quelle: Stadtarchiv Aachen, NRW 15-17

Das Archivale des Monats März 2026 zeigt die Titelseite des ersten Dozierenden- und Vorlesungsverzeichnisses der Volkshochschule (VHS) Aachen aus dem Jahr 1946.


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