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Das Archivale des Monats Februar 2026… 

  • … zeigt eine bunte Eintrittskarte für den Kostüm- und Maskenball der Aachener Turn-Gemeinde (ATG), der am 17. Februar 1912 abends um halb neun im Hotel Kaiserhof stattfand.
  • Verschiedene gesellschaftliche Schichten, Konfessionen und Religionen organisierten sich in eigenen Vereinen.
  • Im Jahr 1862 gegründet, war und ist die ATG der zweitälteste Turnverein der Stadt. Wie viele andere Sportvereine veranstaltete die ATG eine eigene Karnevalsfeier in Form eines Kostüm- und Maskenballs.

 

Das Aachener Stadtarchiv stellt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archivale des Monats vor. Das Stück mit einem kurzen Begleittext wird in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert. Im Februar 2026 eine bunte Eintrittskarte für den Kostüm- und Maskenball der Aachener Turn-Gemeinde (ATG).

Auf der Eintrittskarte ist zu sehen, wie aus dem geöffneten Verschlag einer Pferdekutsche vor einem größeren Gebäude eine Frau mit rotem Mantel steigt, die darunter erkennbar ein gelbes, reichhaltig mit Rüschen ausgestattetes Karnevalskleid trägt. Aus dem Wagen hilft ihr ein als Pierrot verkleideter Begleiter; auch zwei weitere Damen mit roten Hüten sind zu sehen.

Kostüm- und Maskenbälle als Karnevalsfeiern
Die jecke Jahreszeit wird in Aachen schon lange gefeiert. Der Karneval kommt in sehr verschiedenen Formen daher: als Straßen- und Kneipenkarneval, als närrische Sitzung, bei den vielfältigen Veranstaltungen der Karnevalsvereine. Er präsentiert sich in seinen Umzügen, für Kinder und Erwachsene und eigentlich überall dort, wo Öcher Jecke denken, es wäre doch eine gute Sache, Karneval zu feiern. Auch Aachener Unternehmen und Organisationen feiern Karneval, ebenso viele Aachener Vereine – und das schon lange Zeit.

Eine besondere frühere Veranstaltungsform waren die Kostüm- und Maskenbälle, die Vereine für ihre Mitglieder und Freunde anboten. Für diese Feste wurden große Säle benötigt, die vor allem in den Aachener Hotels und Restaurants zu finden waren. Das mondäne, heute nicht mehr existierende Hotel Kaiserhof, früher an der Ecke Theaterstraße(damals: Hochstraße)/Wallstraße gelegen, war eines der Aachener Hotels, das für solche Veranstaltungen gemietet wurde. Wie viele andere Aachener Hotelbetriebe bot es auch ein eigenes Karnevalsprogramm an, um die Aachener Jecken in seine Räume zu locken. Fast alle Aachener Sportvereine, die etwas auf sich hielten, veranstalteten eigene Karnevalsfeiern, wobei es sich in aller Regel um Kostüm- und Maskenbälle handelte – so auch die Aachener Turn-Gemeinde (ATG).

Die Geschichte der Turnvereine in Aachen
Im Jahr 1862 gegründet, war und ist die ATG der zweitälteste Turnverein der Stadt. Die auf den Berliner Pädagogen, Autor und Politiker Friedrich Ludwig Jahn zurückgehende Turnerbewegung war in Aachen erstmals 1815/16 aufgegriffen worden. Jahn vertrat eine extremistische Ideologie, die als Vorläufer des völkischen Nationalismus gilt und junge Männer für den Krieg gegen das napoleonische Frankreich mobilisieren sollte. Da die preußischen Behörden die Entstehung einer politischen Opposition fürchteten, unterbanden sie zunächst die Etablierung des Turnens und ließen es erst ab den 1830er-Jahren in einem streng kontrollierten Rahmen zu. In Aachen begann dies 1839 mit der Einführung des Schulturnens, das zunächst auf männliche Schüler einer höheren Schule beschränkt war. In den 1840er-Jahren wurde ein schulübergreifender Turnplatz geschaffen. Aus diesen Bemühungen ging 1847 der Aachener Turn-Verein hervor, der jedoch nur wenige Jahre bestand und 1860 wiedergegründet wurde. Mit der Gründung der ATG zwei Jahre später, in der sich vor allem kleinere Kaufleute zusammenfanden, begann eine Ausweitung und Ausdifferenzierung der Turnvereine.

Ein breites Angebot an Turnvereinen und Sportarten
Als die ATG 1912 zum Karnevalsball lud, existierten nicht nur in Aachen, sondern auch in den umliegenden Gemeinden Turnvereine. Verschiedene gesellschaftliche Schichten, Konfessionen und Religionen organisierten sich in eigenen Vereinen. Seit wenigen Jahren gab es Turnvereine von Frauen, während sommerliche Jugendspiele Jahr für Jahr tausende Kinder und Jugendliche anzogen. Neben Turnhallen und Turnplätzen wurden rund um die Stadt „Spielplätze“ angelegt, aus denen später Sportplätze entstanden. Auch die zunächst ideologisch motivierte Abgrenzung der Turnvereine von modernen Sportarten war längst durchlässig geworden: Die meisten Vereine waren zu einem breiten Angebot körperlicher Aktivitäten und Wettbewerbe übergegangen, die durch kulturelle und gesellige Angebote ergänzt wurden.

Quelle: Stadtarchiv Aachen, SLG 119-28

Das Archivale des Monats Februar 2026 zeigt eine bunte Eintrittskarte für den Kostüm- und Maskenball der Aachener Turn-Gemeinde (ATG), der am 17. Februar 1912 abends um halb neun im Hotel Kaiserhof stattfand.


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