Betreten auf eigene Gefahr: Erhöhtes Risiko im Naturschutzgebiet Frankenwald
- Alter, Klima und Pilze setzen den Bäumen in Aachens ältestem Naturschutzgebiet zu.
- Ab sofort weisen Schilder auf ein erhöhtes Risiko im Frankenwald hin.
- Im Naturschutzgebiet sorgen alte Bäume und Totholz für biologische Vielfalt und stabilisieren das Waldinnenklima.
Ein Waldspaziergang ist für die meisten Menschen pure Entspannung: Genüsslich durch die frische, kühle Waldluft wandern ist für Viele mit Erholung und Entschleunigung verbunden. Aber ein Waldbesuch ist natürlich nie gänzlich frei von natürlichen Gefahren, auch wenn das Forstamt der Stadt Aachen solche Gefahren stets versucht zu reduzieren. Ein Waldstück steht deshalb derzeit unter genauerer Beobachtung der Fachleute aus dem Fachbereich Klima und Umwelt: Der städtische Frankenwald in Aachen-Kornelimünster hat eine erhöhte Gefahrenlage im Vergleich zu anderen Waldgebieten der Stadt.
Naturschutzgebiet seit 1928
„Dieser Bereich ist das älteste Naturschutzgebiet der Stadt Aachen. Bereits seit 1928 steht das Gebiet unter Schutz“, erläutert Klaus Meiners, Leiter des städtischen Fachbereichs Klima und Umwelt. Die Untere Naturschutzbehörde und das Gemeindeforstamt der Stadt Aachen weisen nun für dieses Naturschutzgebiet auf eine besondere Gefahrensituation hin. Meiners weiter: „Seit 23 Jahren wird der Frankenwald gemäß der FSC-Zertifizierung des Waldes sich selbst überlassen, um eine natürliche Entwicklung dieses Waldbiotops zu ermöglichen. Folglich finden keine Pflegemaßnahmen mehr statt, so dass alle kranken, beschädigten oder nicht mehr standfesten Bäume im Wald verbleiben. Lediglich für die schadhaften Bäume entlang der Schule und der Straße besteht eine Pflicht zur Gefahrenbeseitigung.“
Alter, Klima und Pilzbefall
Helmut Rink, Baumkontrolleur im Forstamt: „Der Vitalitätszustand der Bäume im Naturschutzgebiet hat sich in den letzten Jahren aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Bäume, aufgrund von Pilzbefall und klimabedingt erheblich verschlechtert. Altbuchen sind beispielsweise von Sonnenbrand gekennzeichnet, trocknen von der Krone beginnend zurück und brechen unkontrolliert auseinander. Eschen leiden unter dem artspezifischen Eschentriebsterben, einem Pilzbefall, und können unvermittelt umstürzen.“ Deshalb: „Der Fachbereich Umwelt der Stadt Aachen, wir vom Forstamt, machen die Waldbesucherinnen und Waldbesucher auf diese besondere Situation mit einem Hinweisschild aufmerksam“, so Klaus Meiners. „Eine Waldbesucherin oder ein Waldbesucher muss jederzeit mit natur- und waldtypischen Gefahren rechnen, beispielsweise mit herabfallenden Ästen, umstürzenden Bäumen oder unebenen Wegen. Dies gilt auch für ausgewiesene Wanderwege. Natur- und waldtypische Gefahren gehören somit zum allgemeinen Lebensrisiko. Dies gilt auch nicht nur für Naturschutzgebiete wie den Frankenwald, sondern für alle Waldgebiete“, bezieht sich Dr. Gerd Krämer, Leiter des städtischen Gemeindeforstamts, auf rechtliche Regelungen.
„Das freie Waldbetretungsrecht in Deutschland ist eine besondere Errungenschaft, die ihre Grundlage in der Sozialpflichtigkeit des Eigentums findet. Nicht überall ist die Mitbenutzung des Waldes zum Zwecke der Erholung so großzügig geregelt wie in Deutschland“, weiß Meiners. Es gibt in Deutschland nur wenige Einschränkungen, die Erholungsnutzung ist kostenfrei und vom Waldeigentümer, meist Land, Kommune oder Privatperson, zu dulden. Im Gegenzug wurden der Waldeigentümerin oder dem Waldeigentümer keine besonderen Pflichten zur Gefahrenabwehr auferlegt. Das heißt, das Betreten des Waldes geschieht auf eigene Gefahr. Den Wald einfach sperren ist nicht so einfach möglich. In einem Naturschutzgebiet wie dem Frankenwald gilt übrigens, dass man sich nur auf den Wegen aufhalten darf. Dies schränkt die Gefahren zusätzlich ein. Also gilt: Nicht abseits der Wander- und Spazierpfade im Baumbestand laufen.
Alte Bäume zum Erhalt der biologischen Vielfalt
Eine Entnahme aller Bäume, die Gefahrenpotential bergen, ist aber auch nicht sinnvoll. Im Gegenteil: Die Untere Naturschutzbehörde weist auf den hohen ökologischen Wert der alten und teils absterbenden Bäume hin. Diese sollten aus naturschutzfachlicher Sicht möglichst erhalten werden. „Der Erhalt dieser alten Bäume trägt wesentlich zur Förderung der biologischen Vielfalt sowie zur Stabilisierung des kühlen und feuchten Waldinnenklimas bei. Davon profitieren insbesondere Frühjahrsgeophyten wie Buschwindröschen und Bärlauch, die auf diese Standortbedingungen angewiesen sind. Alte und absterbende Buchen dienen vielen Tieren, Pilzen und anderen Organismen als Lebensraum durch Höhlen, Rindenspalten und morsches Holz“, fasst Henning Nießen, für den Artenschutz in der Untere Naturschutzbehörde der Stadt Aachen zuständig, die wichtige Rolle zusammen.
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