Eine alternative zu Fassadenbegrünungen sind Fassadenbäume. Sie stellen eine ganz neuartige und unkonventionelle Form der Gebäudebegrünung dar. Fassadenbäume sind halbseitig beschnitte Bäume (halber Wurzelraum, halbe Krone), die bis auf 1.50m nah an ein Gebäude gepflanzt werden.

Beide Gebäudebegrünungsvarianten – Fassadenbegrünungen und Fassadenbäume – werden zur Verschattung von dahinterliegenden Gebäudehüllflächen und der lokalen Kühlung eingesetzt. Dabei gibt es keine grundsätzlich Bessere oder schlechtere Variante; beide Begrünungstypologien haben Vor- und Nachteile, weshalb es eine Frage der Abwägung ist (s. u.), welche Begrünungsart zur Anwendung kommt.
An der Grundschule Walheim konnte 2024 ein erstes Pilotprojekt fertigstellt werden, welches in diesem Artikel vorgestellt wird. Künftig wird das Konzept der Fassadebäume an weiteren Projekten erprobt und variiert.
Fassadenbegrünung vs. Fassadenbäume
Im Unterschied zur Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen stehen Fassadenbäume völlig unabhängig vor der Fassade. Fassadenbäume bieten den Vorteil, dass sie im ausgewachsenen Zustand die komplette Fassade, gegebenenfalls auch Dachflächenanteile beschatten.
Kletterpflanzen werden hingegen nur direkt vor geschlossenen Wänden angeordnet oder mit einer aufwendigeren Klettergerüstkonstruktion von der eigentlichen Fassade abgerückt. Zwar können damit auch Verschattungslösungen für Fensterflächen realisiert werden, jedoch nicht so kostengünstig wie mit der Pflanzung von Fassadenbäumen.
Bei der Abwägung, ob eine Fassadenbegrünung sinnvoller ist, oder Fassadenbäume spielt der verfügbare Platz vor der Fassade eine entscheidende Rolle. Während ein Fassadenbaum vier Meter Platzreserve vor der Fassade benötigt, sind es bei der Fassadenbegrünung lediglich 1,70 Meter. Werden Spalierbäume als Fassadenbäume gewählt ist der Platzbedarf geringer, dafür die Wuchshöhe der Bäume begrenzt.
Pilotprojekt an der Grundschule Walheim
An der Grundschule Walheim wurden Fassadenbäume 2023 als Pilotprojekt gepflanzt. Der erfolgreiche Anwuchs der Bäume wurde 2024 festgestellt. Das Projekt soll Aufschluss bringen, ob das Konzept Fassadenbäume erfolgreich bestehen kann. Bereits nach einem Jahr Standzeit ist man mit der Entwicklung so zufrieden, dass Fassadenbäume bereits bei anderen Projekten in Erwägung gezogen werden.

Bestandssituation
Die Klassenräume der Grundschule Walheim sind Richtung Süden und haben dort sehr hohe Glasflächenanteile in der Gebäudehülle. Es findet eine extreme Aufheizung der Innenräume durch den sog. Treibhauseffekt statt. Andere Klassen, die durch den hiesigen Altbaumbestand beschattet sind, weisen diese Problematik nicht auf und bleiben merklich kühler als die besonnten Klassenräume. Daraufhin entstand die Idee, den vorhanden Baumbestand mit Neupflanzungen zu erweitern.

Beispielprojekt Bamberg
Die Untersuchung eines interdisziplinären Forschungsteam, über die Umsetzung eines Pilotprojektes in Bamberg mit Baumfassaden, wurde bei der Planung zur Umsetzung der hier vorgesehenen fassadennahen Bäume herangezogen. In der Untersuchung hat man analysiert wie nah und unter welchen Voraussetzungen ein Baum an eine Fassade gepflanzt werden kann.

Planung
Die wichtigsten Kriterien zur Untersuchung der Machbarkeit von Fassadenbäumen beziehen sich auf das Verständnis von Baumwachstum und Baumstatik, insbesondere bei Wind. Für das hiesige Projekt entschied man sich für eine von der Fassade entkoppelte freistehende Baum-Positionierung in einem Abstand von 1,5m, sodass eine Stützung des Baumes mit Fassadenschwertern o.ä. nicht erforderlich ist. Außerdem wurde sich nach sorgfältiger Abwägung für die Baumart Hainbuche entschieden.

Umsetzung
Die Bäume werden in Abhängigkeit der Baumart in einem geeigneten und regelmäßigen Abstand zueinander vor der Fassade positioniert. Zur Verschattung einer Fassadenlänge von ca. 30m sind hier ca. 10 Bäume notwendig.
Zu Beginn sind die Bäume noch zu klein, um die dahinter liegenden Klassenräume zu beschatten. Sobald die Bäume die Fassadenhöhe erreicht haben und die Lücken untereinander schließen, soll im Sommer das Blätterdach dafür Sorge tragen, dass die heißen Sonnenstrahlen nicht auf das Gebäude treffen und so das Gebäude vor Überhitzung schützen.
Gleichzeitig soll der Ausblick aus den Klassen "auf Höhe der Baumkrone" auf die Ast- und Blätterlandschaft und deren Bewohnern ein attraktives Naturerlebnis für die Schülerinnen und Schüler darstellen.