Markt 39–41
Denkmal #1
Einleitung
Das als Haus Löwenstein bekannte Gebäude Markt 39–41 gehört zu den prägendsten Häusern der Aachener Altstadt. Die Steinfassade mit Ecktürmchen und Zinnen bildet ein passendes Gegenüber zum Rathaus. Sein mittelalterliches Aussehen erhielt das Gebäude aber erst 1969–1973, und in der Gestaltung der Fassade steckt eine gute Portion Kreativität.
Bewegte Geschichte
Das Gebäude wurde im 14. Jahrhundert anstelle eines Vorgängerbaus errichtet. Der Name geht vermutlich auf die adelige Familie Lewe zurück. Der Namensteil „stein“ bezeichnete im Mittelalter ein massiv aus Naturstein errichtetes Gebäude, im Gegensatz zu den damals üblichen Fachwerkhäusern. Das Gebäude diente über die Jahrhunderte als Wohnhaus, Gaststätte und Herberge, zeitweise versammelte sich hier die „Zunft zum Löwenstein“. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden das Haus Löwenstein und das benachbarte, schmalere Haus zum Wolf miteinander verbunden und erhielten 1905 sogar eine einheitliche Fassade im neugotischen Stil, große Schaufenster und einen Balkon. 1969–1973 ließ Leo Hugot den linken Hausteil vollständig neu in Beton und Backstein errichten. Der rechte Hausteil wurde dagegen in einen mittelalterlichen Zustand zurückversetzt und die historische Fassade massiv überarbeitet. Zinnenkranz und Ecktürmchen sind tatsächlich auf historischen Abbildungen überliefert, die exakten Detailformen sind aber kreativ erneuert. Bei der Gestaltung der Marktfassade orientierte sich Hugot an vorgefundenen Resten mittelalterlicher Bausubstanz und an gotischen Bauwerken anderer Städte wie Nürnberg oder Trier
Spurensuche
Beim Blick auf die Mauern kann man die vielen, meist helleren Ergänzungen gut von den alten, grob behauenen Werksteinen des mittelalterlichen Baus unterscheiden. Oben in der Fassade sind die Wappen der 1972 eingegliederten Gemeinden in die Fassadengestalt des Hauses integriert. An der Hausecke befindet sich die goldene Hausfigur des Brückenheiligen Johann von Nepomuk von 1747. Moment, Brücke? Ja, die hier endende Pontstraße – in der das lateinische Wort „pons“ für „Brücke“ steckt – führte unterhalb des Markthügels über den Johannisbach.
© Olaf RohlGotische Bauwerke anderer Städte dienten Architekt Leo Hugot als Vorbilder für die Rekonstruktion der Fassade.
Besonderheiten
Haus Löwenstein ist ein Sonderfall des Aachener Wiederaufbaus, da hier ein bestehender Bau auf Grundlage weniger Reste und Analogieschlüsse rekonstruiert wurde. Als Paradebeispiel einer schöpferischen Denkmalpflege kann die Regotisierung des Hauses Löwenstein aus heutiger Sicht durchaus kritisch gesehen werden.
Bildergalerie
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Translozierung
Die Methode der Translozierung war bereits in der Stadtplanung des 19. Jahrhunderts bekannt und beliebt. Durch sie konnte alter Baubestand gerettet und wiederverwendet werden. In Aachen wurde diese Methode auf besondere und umfangreiche Weise angewendet.










