

„Aktionstage zur historischen Hüttenstraße“ begannen mit einer hoch interessanten Foto-Ausstellung. Die gezeigten Bilder sind ein Zufallsfund aus dem Jahr 1903. Großer Besucherandrang und ein Hauch von Melancholie
Aachen. Nur noch der Name zeugt von der Vergangenheit. Die „Aktionstage zur historischen Hüttenstraße“ versuchten jetzt, den Schleier der Geschichte ein vom Herzstück des Stadtteils Rothe Erde zu ziehen. „Aachen war mit seinem Hüttenwerk einer der Vorreiter der Industrialisierung in Deutschland“, so der Historiker Michael Käding bei der Eröffnung der Foto-Ausstellung. Er sprach im ehemaligen Umspannwerk der Stawag in der Hüttenstraße.
Auf die Beine gestellt wurde die bemerkenswerte Präsentation von den Machern des Stadtteilbüros Ost. „Wir suchen immer wieder Projekte, dass macht das Ostviertel greifbarer“, so Ina Kunz. Erst kürzlich hat man einen Film im alten Gefängnis gezeigt
Der Besucherandrang bei der Ausstellungseröffnung sprach erneut Bände. OB Jürgen Linden: „Wir haben mittlerweile durch die vielen Fördermaßnahmen eine echte Ostviertel-Identität schaffen können“
„Das sind hochgradige Fotoschätze, die wir hier zeigen“, freute sich Ina Kunz. „Sie sind ein Zufallsfund aus dem Stadtarchiv und zeigen die Fabrik im Jahr 1903.“ Von einer stolzen Hüttenleitung in Auftrag gegeben, zeigen die Bilder heute eine Industriewelt, wie sie nicht mehr existiert. Im Mittelpunkt stehen die gewaltigen Maschinen und Hochöfen, mit dabei immer die Menschen von Rothe Erde, die die Technik bedienten.
Die Fotografien sind vor allem Zeugnis der wechselvollen Geschichte des Aachener Hütten-Aktien-Vereins Rothe Erde. Von 1847 bis zur Schließung 1926 war das Werk Aachens größter Arbeitgeber, zeitweise arbeiteten dort bis zu 5000 Menschen. Daraus entstanden ist ein einmaliges Zeugnis deutscher Industriekultur um die vorvergangene Jahrhundertwende. Hatte Deutschland gegenüber England den Trend zur Industrialisierung verschlafen, waren es die Aachener, die mit Hilfe aus dem belgischen Raum und mit englischen Ingenieuren zu den ersten gehörten, die ein leistungsfähiges Hüttenwerk zur Eisen- und Stahlerzeugung aufbauten.
Eng mit der Geschichte des Hüttenwerks verbunden ist die Entstehung des Stadtteils. Ein Hauch von Melancholie weht über der Ausstellung, die auch den Untergang der Aachener Stahlproduktion nachzeichnet. Linden: „Im Grunde wiederholt sich die Geschichte hier. Vor kurzem erst hat Philips in Aachen ein großes Werk zugemacht, auch jetzt stehen wieder viele Familien ohne Arbeit da, Rothe Erde und das Ostviertel sind schon immer auf Gedeih und Verderb mit Erfolg oder Misserfolg der ansässigen Industrie verknüpft.“
Bildunterschrift:
Foto-Ausstellung im alten Umspannwerk zur Geschichte von Rothe Erde: Einst saß in der Hüttenstraße Aachens größter Arbeitgeber. Die Hütte mit ihren zeitweise 500 Beschäftigten ist Geschichte, das Umspannwerk, das den Strom lieferte, ist abgestellt.
Artikel von AN-Mitarbeiter Felix Lennertz
Aus den Aachener Nachrichten von Montag, 28.Juni 2004







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