WERK.STADT ROTHE ERDE: 180 Gäste diskutieren über Aachens industrielle Zukunft
- Neben Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons, NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und dem städtischen Wirtschaftsdezernenten Thomas Hissel kommen zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zusammen.
- Areal in Aachens Osten bietet mehr als 60 Hektar Entwicklungspotenzial.
- Seit 2025 sind bereits 250 neue Arbeitsplätze entstanden, viele weitere sollen folgen.
Aachen setzt ein starkes Zeichen für die Industrie von morgen: Ein etablierter Industriestandort und mehr als 60 Hektar Entwicklungspotenzial bieten Raum für die nächste Generation der Produktion. Rund 180 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung sind am Dienstag (2. September) zur WERK.STADT ROTHE ERDE in der Stranghalle zusammengekommen, um über die Zukunft des Areals und damit auch über die industrielle Zukunft Aachens zu diskutieren. Mit dabei waren unter anderem Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons, der städtische Beigeordnete für Wohnen, Soziales und Wirtschaft Thomas Hissel und als prominenter Gast aus Düsseldorf NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur.
Dabei wurde deutlich: Rothe Erde hat seine industrielle Zukunft nicht hinter sich. Rothe Erde steht am Beginn eines neuen industriellen Kapitels. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich der Standort immer wieder neu erfunden – von der Stahlerzeugung und -verarbeitung über die Gummiindustrie bis zur Elektronikproduktion. Heute stehen erneut Innovation und industrielle Transformation im Mittelpunkt. Unternehmen aus Bereichen wie Batterierecycling, Faserbeschichtung, LED- und OLED-Produktion sowie Medizinprodukte sind bereits vor Ort aktiv. Seit 2025 sind bereits mehr als 250 neue Arbeitsplätze entstanden.
Aachen braucht Raum für Wachstum
Der Handlungsdruck ist groß: Zwischen 2016 und 2025 gingen bei der Stadt Aachen 1.412 Gewerbeflächenanfragen ein – durchschnittlich mehr als 140 pro Jahr. Im ersten Halbjahr 2026 kamen bereits rund 70 weitere Anfragen hinzu. Gleichzeitig konnten zwischen 2020 und 2025 im Schnitt nur rund 20 Anfragen pro Jahr erfolgreich vermittelt werden. „Wir reden heute nicht über Zahlen oder Flächen – wir planen die Zukunft unserer Stadt. Rothe Erde ist kein Relikt vergangener Industrie, sondern der Anfang eines neuen Kapitels: ein Ort, an dem Produktion, Innovation und Lebensqualität Hand in Hand gehen. Wir gestalten Flächen zu Begegnungsräumen, Pilotfeldern und Produktionsorten, damit Menschen hier leben, arbeiten und Unternehmen wachsen können, sagte “, sagte Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons zur Eröffnung. Betrachtet man das C-WERK, das Hutchinson-Areal, den TRIWO-Park und städtische Flächen zusammen, geht es insgesamt sogar um rund 350.000 Quadratmeter entwickelbares Potenzial.
„Eine der größten Chance unserer Region ist die Innovationskraft unserer Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Damit aus Innovationen aber auch Produkte, Wertschöpfung und Arbeitsplätze werden, brauchen Unternehmen passende Flächen. Rothe Erde bietet diese und ist ein zentraler Standort, an dem Entwicklung, Pilotfertigung und Produktion zusammenkommen und die industrielle Zukunft Aachens Gestalt annimmt“, ergänzte Thomas Hissel, Beigeordneter für Wohnen, Soziales und Wirtschaft der Stadt Aachen.
Wie konkret der Bedarf ist, wurde in den beiden Gesprächsrunden des Abends deutlich. Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Unternehmensverbänden diskutierten über den wachsenden Flächenbedarf und die Frage, wie Aachen Unternehmen trotz knapper Gewerbeflächen Entwicklungsperspektiven bieten kann. Gisela Kohl-Vogel (IHK Aachen), Norbert Hermanns (Landmarken AG), Dr. Raymund Heiliger (VUV) und Thomas Hissel machten dabei die Perspektive der Wirtschaft zwischen Flächenmangel und Zukunftschancen sichtbar.
Dass es dabei nicht nur um Flächen, sondern um die industrielle Zukunft Aachens geht, zeigte die zweite Talkrunde. Dr. Robert Brüll von FibreCoat, Prof. Dr.-Ing. Michael Riesener von der RWTH Aachen, Sebastian Schall von Black Semiconductor und Dieter M. Begaß diskutierten über Technologien der urbanen Produktion von morgen und darüber, wie Innovation am Standort wachsen und in industrielle Wertschöpfung übersetzt werden kann.
Aus dem Industriegebiet wird eine WERK.STADT.
All dies soll die WERK.STADT ROTHE ERDE ermöglichen. Das Ziel: Produktion, Innovation und Stadt miteinander verbinden. Dieter M. Begaß, Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen, stellte das Nutzungs- und Strukturkonzept vor, das den räumlichen und strategischen Rahmen hierfür bietet. Vier Leitlinien stechen dabei heraus: das „produktive Band“, die Vennbahn-Achse, quartiersinterne „Work-Loops“ und ein „grüner Rahmen“. Produktion soll sichtbar werden, neue Begegnungsorte sollen entstehen und das bislang vielfach abgeschlossene Industrieareal stärker mit seiner Umgebung verbunden werden.
Es geht um eine pragmatische Umsetzung. „Mit der WERK.STADT ROTHE ERDE wollen wir einen Industriestandort neu denken. Hier soll kein abgeschottetes Gewerbegebiet entstehen, sondern ein lebendiger Ort, an dem Produktion sichtbar wird, neue Begegnungen möglich sind und Wissen und Technologie auf industrielle Anwendung treffen. Genau diese Verbindung aus Wissenschaft, Machen und Urbanität macht Rothe Erde zu einem besonderen Zukunftsort für Aachen“, so Begaß. Das Konzept umfasst zwölf konkrete Handlungsfelder – von der Aktivierung brachliegender und untergenutzter Flächen über Energie und Mobilität bis zu Freiraum, Quartiersöffnung und Standortprofilierung.
Die erste Phase des Projekts „Vision 2025+ – Modellstandort für urbane Produktion Aachen Rothe Erde“ wurde im Rahmen des Programms REVIER GESTALTEN mit rund 2,5 Millionen Euro gefördert. Für eine zweite Phase sind weitere zehn Millionen Euro vorgesehen. In September beginnen die politischen Beratungen zum Nutzungs- und Strukturkonzept. Danach geht es darum, erste Maßnahmen sichtbar auf den Weg zu bringen.
Projektleiterin Judith Abels von der Wirtschaftsförderung Aachen fasste den Abend so zusammen: „Je länger ich mich mit Rothe Erde befasse, desto mehr stelle ich fest: Der Weg ist das Ziel – wie bei einem Marathon. Das funktioniert, wenn alle an einem Strang ziehen – und darauf freue ich mich“.
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