Umweltschutz und Nachhaltigkeit: Aachen eröffnet wegweisendes Zentrum für Kreislaufwirtschaft
- NRW-Umweltminister Oliver Krischer gibt den Startschuss für das Circular City Hub und das Urban Mining Hub.
- Es geht um ein grundsätzliches Umdenken beim Verwenden und Verwerten von Geräten, Materialien und Baustoffen.
- Rund 300 Menschen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft kommen zum Auftakt im C-Werk zusammen.
Den Toaster reparieren statt wegwerfen. Das Kleidungsstück tauschen statt aussortieren. Den Baustoff wiederverwenden statt entsorgen. Es gibt so viele Möglichkeiten, im Kleinen wie im Großen nachhaltig zu handeln. Gleich ein doppelter Meilenstein für den Klimaschutz ist am Montag (26. Oktober) in Aachen gesetzt worden: Die Eröffnung des Circular City Hubs, der sogenannten „Kreislauf-WIRK-Statt“, und des Urban Mining Hubs, der „Bau-WIRK-Statt“, bildete den Auftakt der European Circular Week 2026. Gleichzeitig wurde im „C-Werk“ in Rothe Erde der Startschuss für die lokale Circular Week Aachen gegeben.
Zeit, dass sich was dreht
Was bedeutet Kreislaufwirtschaft für Aachen und die Euregio Maas-Rhein schon heute? Wie gelangt man von einer europäischen Perspektive zur Umsetzung vor Ort? Um diese und viele weitere Fragen ging es. NRW-Umweltminister Oliver Krischer eröffnete gemeinsam mit Aachens stellvertretender Bürgermeisterin Ulla Griepentrog die beiden Hubs in Aachen. „Aachen steht mit diesem Projekt beispielhaft für die Innovationskraft unseres Bundeslandes“, lobte Krischer das Engagement vor Ort. Rund 300 Menschen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft waren ins C-Werk gekommen. Ihnen gab der Umweltminister mit auf den Weg: „Kreislaufwirtschaft ist nicht nur Umweltpolitik, sie ist vor allem auch moderne Industriepolitik, sie ist Standortpolitik und sie ist Resilienzpolitik.“ Denn, gab Krischer in seiner offiziellen Eröffnungsansprache zu bedenken, der bisherige lineare Umgang mit Materialien und Rohstoffen stoße zusehends an – auch geopolitische – Grenzen. Aachens stellvertretende Bürgermeisterin Ulla Griepentrog lenkte den Fokus auf die lokale Ebene: „Wir müssen vor Ort etwas anstoßen und tun!“ Es reiche nicht, nur auf Bund und Land zu schauen. Umso erfreuter war Griepentrog, die „Lust auf Veränderung in Aachen zu spüren.“
Mit einer Videobotschaft meldete sich zuvor bereits Schirmherr und Aachens Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons zu Wort: „Aachen ist eine Stadt, die jeden Tag beweist, dass Grenzen keine Rolle spielen. Gerade hier, wo Menschen an der Zukunft arbeiten, über die Grenzen dessen hinaus über das, was wir zu wissen glauben, gerade da lohnt es sich, das Thema Zirkularität und Urban Mining voranzutreiben. Wir sind hier in der Stadt schon auf einem guten Weg und zeigen ganz praktisch, was das bedeutet.“ Wissenschaft und Wirtschaft in Aachen denken längst neue Wege. Die Verwaltung geht mit den beiden Hubs vorneweg, bietet Raum für Ideen und wachsende Netzwerke, macht Kreislaufwirtschaft zudem damit für die Menschen immer konkreter und greifbarer. „Es gibt meines Erachtens daher wenige Städte in Deutschland, die für dieses Thema so gut geeignet sind“, sagte Heiko Thomas, Aachens Beigeordneter für Klima und Umwelt, Stadtbetrieb und Gebäude.
Nachhaltigkeit erlebbar machen
Im „C-Werk“, einer Halle auf dem ehemaligen Continental-Gelände, ist nun so ein Ort entstanden, an dem Nachhaltigkeit erlebbar gemacht wird. Dabei werden Themen wie zirkuläres Bauen und Rohstoff-Souveränität ebenso betrachtet wie wirtschaftliche Faktoren – ein physischer Ort für Zusammenarbeit, Experimente und praktische Lösungen, um wertvolle Baustoffe wiederzuverwerten und Rohstoffe im Kreislauf zu halten. In mehreren Diskussions- und Expertenrunden wurden am Montag die unterschiedlichen Aspekte der Kreislaufwirtschaft beleuchtet. Die Veranstaltung wie das gesamte Projekt wurde vom Aachener Stadtbetrieb und dem städtischen Gebäudemanagement in Kooperation mit dem Think-and-Do-Tank CSCP und der Concular GmbH realisiert.
Das Projekt „KreislaufWIRKstatt Aachen“ wird im Rahmen des Förderaufrufs „Circular Economy – CircularCities.NRW“ durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Die Eröffnungsveranstaltung war dabei der Beginn einer Woche, in der Nachhaltigkeit neu gedacht und erlebbar gemacht wird. Designerinnen und Designer zeigen im C-Werk Mode aus wiederverwerteten Materialien, der Markt der Möglichkeiten präsentiert innovative Geschäftsmodelle und liefert Inspiration, um vom Zuhören ins Mitwirken zu kommen.
Am Vorabend, 25. Oktober, hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) den Deutschen Umweltpreis in Höhe von insgesamt 500.000 Euro an die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen und Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul, Gründer und Geschäftsführer der Firma Membion verliehen. Überreicht wurde die Ehrung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einem Festakt in Aachen.
Weitere Veranstaltungen und Angebote
Die Circular Week Aachen wurde in Kooperation mit der IHK und dem Center for Circular Economy der RWTH organisiert. Von Seiten der Stadt lag die federführende Organisation beim Stadtbetrieb in Person der Circular-Impact-Managerin Anna Agtas und dem Projektmanager des städtischen Gebäudemanagements für das Urban-Mining Hub, Rémi Buscot. Die Übersicht zu allen Veranstaltungen sind auf der Homepage zusammengefasst: www.circularcityaachen.de.
Beim Spielzeugtausch des Aachener Stadtbetriebs wird Nachhaltigkeit direkt erlebbar: Die kostenfreie Aktion findet am Mittwoch, 28. Oktober, von 11 bis 15 Uhr in der Rotunde am Elisenbrunnen statt. Kinder können Spielsachen, mit denen sie nicht mehr spielen, mitbringen und gegen ein anderes Spielzeug tauschen. Eine Anmeldung zur Tauschaktion ist nicht notwendig. Wer mittauschen möchte, kann einfach mit seinen Spielsachen zum Elisenbrunnen kommen. Kuscheltiere sind aus hygienischen Gründen ausgeschlossen.
Auf dem Recyclinghof in Eilendorf gibt es zudem ganz aktuell eine neue „Wunderkiste“. Hier können Gegenstände, die nicht mehr benötigt, aber noch gut erhalten sind, abgegeben werden. Nach dem Motto „Verschenken statt wegwerfen“, bleiben die Dinge so erhalten und können weiterverwendet werden.
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