„Hidden Pottgießer Suermondt-Ludwig“ von Volker Hermes dauerhaft im SLM
Mit seiner Serie „Hidden Portraits“ erlangte der Düsseldorfer Künstler Volker Hermes (*1972) in den letzten Jahren weltweite Anerkennung. Das Suermondt-Ludwig-Museum lud Volker Hermes 2024 dazu ein, sechs Porträts der hauseigenen Sammlung zu bearbeiten und ihre Gesichter entsprechend seiner Kunst zu verhüllen. Das Museum konnte Anfang des Jahres seine Arbeit „Hidden Pottgießer Suermondt-Ludwig“ ankaufen. Es verbleibt nun dauerhaft in der Sammlung des Hauses.
Unter dem Titel „Volker Hermes. Auge und Zeit“ wurden die einzigartigen Ergebnisse vor zwei Jahren im SLM ausgestellt und erfreuten sich einer sehr großen Resonanz. Insbesondere das jüngere Publikum fühlte sich durch Hermes‘ digitale Arbeiten angesprochen und nahm die Schau positiv an.
Die Zusammenarbeit mit Volker Hermes entstand vor dem Hintergrund, zeitgenössische Künstler in direkten Dialog mit der Sammlung treten und darauf reagieren zu lassen. Das Museum möchte Bekanntes mit Unbekanntem verknüpfen und den Besuchenden so substantiell neue Seh- und Kunsterfahrungen ermöglichen, die den eigenen Erwartungs- und Kenntnishorizont ausweiten und das Museum als stets aktuellen Erlebnis- und Lernort in Erinnerung rufen.
Die erfolgreiche Symbiose mit Volker Hermes und die daraus resultierenden, überaus positiven Reaktionen bestätigten diese Zielsetzung und das Vorhaben, weiterhin den Dialog zwischen der Sammlung und zeitgenössischen Positionen zu suchen.
Der Künstler
Volker Hermes taucht sowohl künstlerisch als auch inhaltlich gänzlich in die Porträts ein, die er digital verändert. Mit großem Respekt macht er sich mit den Eigenarten der Künstlerinnen und Künstler vertraut, übernimmt Formen, Farben und Pinselführung aus den originalen Werken. Er blockiert ganz bewusst den Blickkontakt, provoziert, indem er das Gesicht verhüllt und den Fokus auf die Kleidung, symbolische Gegenstände und Botschaften der Porträts lenkt, die daran erinnern, dass solches Beiwerk die Identität der Porträtierten ganz entscheidend mitbestimmen. Hermes fügt nichts hinzu, arbeitet nur mit vorhandenen Elementen und setzt diese an anderer Stelle neu ein. Das Dargestellte bleibt immer erkennbar. Die Ergebnisse dieser digitalen Interventionen sind fesselnd, humorvoll und sozialkritisch. Sie schlagen die Brücke in die heutige Zeit und konfrontieren mit aktuellen Aspekten wie Gleichberechtigung, Diversität oder dem Verständnis von sexueller Identität.
Das Objekt
Volker Hermes, Hidden Pottgießer Suermondt-Ludwig, Photocollage, 2024
Fine Art Print, aufgezogen auf 2mm Aluminium, 90% UV geschütztes Glas
Unter der Auswahl an Bildnissen, die Volker Hermes aus der Sammlung des Suermondt-Ludwig-Museums bearbeitet hat, befand sich auch das „Porträt eines Mannes“ (Inv. Nr. GK 394) des erfolgreichen Kölner Malers Johann Wilhelm Pottgießer (1637 – 1683). Das Gemälde zeigt einen aus leichter Untersicht dargestellten Mann, der in einer selbstsicheren Pose und mit in die Hüfte gestemmter Hand aus dem Bild herabschaut. In seiner Rechten hält er einen für die Kölner Mode zeitgemäßen Hut mit Handschuhen, in der Linken einen zusammengefalteten Brief, auf dem keine Inschrift zu erkennen ist.
Auf der Rückseite des Bildes befindet sich ein Zettel mit der Zahl „44“, die auf Pottgießers Funktion als Kölner Ratsherr schließen lässt. In den alten Ratsbüchern wird sein Name nämlich unter der Nr. 44 aufgelistet.
Dieses Werk, das aufgrund seiner ausdrucksstarken Darstellung zum Plakatmotiv der Ausstellung gewählt wurde, hat der Künstler in besonders humoristischer Weise digital bearbeitet: Indem Hermes dem Mann aus der gehobenen Bürgerschicht eine Maske mexikanischer Wrestler aufsetzt, demonstriert er das stark männlich geprägte Terrain der Kölner Ratsherren. Im Kontrast dazu steht die aus dem Stoff des Kragens entnommene Textur der Maske, die an weibliche Unterwäsche erinnern und der Männlichkeit des Dargestellten entgegenwirken soll.
Durch die Einbettung des Kunstwerks von Volker Hermes in die Porträtsammlung bietet sich im Bereich der pädagogischen Vermittlung ein neues und beständiges Angebot für Kinder und Erwachsene an, die sich sowohl digital als auch spielerisch mit dem Thema Ent- und Verhüllen auseinandersetzen können.
Zudem verewigte Volker Hermes das Suermondt-Ludwig-Museum im Titel seiner Werke, so dass sie fortwährend mit dem Haus in Verbindung gebracht werden. Dies ist eine Ausnahme in seinem Oeuvre.
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