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Das Archivale des Monats Juni 2026…

  • zeigt die Titelseite der Aachener Volkszeitung (AVZ) vom 8. Juli 1974 nach dem Finalsieg der Deutschen Nationalmannschaft über die Niederlande bei der Fußball-WM.
  • Die Deutsch-Niederländische Rivalität war auf ihrem Höhepunkt angelangt. Wie erlebte die Grenzstadt Aachen dieses Finale?
  • In der Aachener Presse wurden am Tag nach dem Endspiel verschiedene Facetten des Finaltags betont.


Das Aachener Stadtarchiv stellt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archivale des Monats vor. Das Stück mit einem kurzen Begleittext wird in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert. Im Juni 2026 ist es die Titelseite der Aachener Volkszeitung (AVZ) vom 8. Juli 1974.

Am 11. Juni startet die bislang größte Fußballweltmeisterschaft: 48 Nationalmannschaften kämpfen in den USA, Mexiko und Kanada um den FIFA-WM-Pokal. Das Turnier wird sechs Wochen dauern, so lange wie kein Turnier zuvor. Das Finale findet am 19. Juli in New Jersey (USA) statt.

Im Vergleich dazu war die Fußballweltmeisterschaft von 1974 wesentlich kleiner und kürzer. Damals nahmen 16 Mannschaften am Turnier teil. Ausgetragen wurde es vom 13. Juni bis zum 7. Juli 1974, erstmals in Deutschland. Und schließlich gewann die deutsche Fußballnationalmannschaft das Turnier am 7. Juli in München durch ein 2:1 gegen die Niederlande. Damit war sie ein zweites Mal nach 1954 Fußballweltmeister geworden.

Wie erlebt Aachen als Grenzstadt das Finale von 1974?
Das Erleben solch großer Turniere ist spätestens seit 2006 geprägt von Fanmeilen und dem sogenannten Rudelgucken. Aber wie erlebte Aachen das Finale im Jahr 1974? In der Aachener Presse wurden am Tag nach dem Endspiel verschiedene Facetten des Finaltags betont.

Die Aachener Nachrichten (AN) und die Neue Rhein Zeitung / Aachener Zeitung (NRZ /AZ) zeigten Fotos von Fans mit Deutschlandflaggen im Karlsbrunnen auf dem Markt – der Kaiserfigur war auch eine Flagge angesteckt worden – und ein Cabrio mit enthusiastischen Fans. Sie berichteten von leergefegten Straßen, in denen nach dem Spiel ausgelassen und bis tief in die Nacht gefeiert wurde. Am Büchel versammelten sich 200 Personen bei Bier und Gesang („Hi, ha, ho – Holland ist k. o.“ und Ähnliches) und schwenkten Deutschland- und Alemannia-Flaggen. Niederländische Fahrzeuge wurden kräftig durchgeschüttelt und mit Triumphgesängen empfangen. Sieben Aachener Autofahrer verloren später dann noch ihren Führerschein, fünf davon nach Unfällen, bei denen aber wohl niemand zu Schaden kam.

Der Aachener Nationalspieler Herbert Wimmer, der sich im Turnierverlauf verletzt hatte, wurde in Brand vom Aachener Oberbürgermeister Kurt Malangré und 2.000 Branderinnen und Brandern, darunter zahlreiche Abordnungen der Brander und anderer Aachener Vereine, mit zahlreichen Blumensträußen und Musik jubelnd auf dem Sportplatz von Borussia Brand begrüßt.

Fernsehübertragungen in Grenzhäuschen für Zollbeamte
Die Aachener Volkszeitung (AVZ) titelte mit Schlagzeilen wie „Fußball-Krimi mit Happy-End“ und „Tränen bei den Niederländern“. Die Niederländische Nationalmannschaft war als Favorit ins Finale gegangen. Ihre Reporter beschrieben die menschenverlassenen Straßen in Aachen und Vaals. Zur Anstoßzeit um 16 Uhr waren nur vereinzelt Menschen und Autos zu sehen. Gaststätten hatten hinter ihren Stammgästen die Türen verschlossen, Feuerwehr und Polizei wurden nicht zu Einsätzen gerufen. Am deutsch-niederländischen Grenzübergang wurden in beiden Grenzhäuschen Fernseher aufgebaut, damit auch die Zollbeamten das Spiel verfolgen konnten.

Nur ein gutes Dutzend Autos fuhr während des Finales über die Grenze nach Deutschland – vornehmlich mit belgischen Kennzeichen. Eine deutsch-niederländische Familie schaute die erste Halbzeit im deutschen, die zweite im niederländischen Fernsehen.

Deutsch-Niederländische Rivalität auf dem Höhepunkt
Und Redakteur Wolfgang Trees, der selbst ein Auto mit niederländischem Nummernschild fuhr, wurde nach dem deutschen Sieg von Aachener Passanten „angepflaumt“, weil er für einen Niederländer gehalten wurde. Dies war vielleicht auch eine Retourkutsche für die siegesgewissen Schilder, die niederländische Pendler in den Tagen vor dem Finale in ihre Autos gelegt hatten und die einen niederländischen Sieg prophezeiten.

Die AVZ berichtete auch von einem Anruf, der fünf Minuten nach Abpfiff des Finales die Redaktion erreichte: Jemand wollte eine Todesanzeige aufgeben und darin fragen: „Wo ist Johann Cruyff geblieben?“. Cruyff war der niederländische Kapitän und Starspieler. Die Redaktion lehnte dankend ab.

Ob es in diesem Jahr einen Grund zum Feiern geben wird? Darauf darf man gespannt sein. 

Quellen:
Stadtarchiv Aachen, ZTG 10-187 (NRZ / AZ); ZTG 40-121 (AN); ZTG 41-120 (AVZ); jeweils die Ausgaben vom 8. und 9. Juli 1974


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