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Das Archivale des Monats Juli 2026… 

  • …zeigt einen zur Hälfte verbrannten Notgeldschein über 500 Mark aus dem Jahr 1922 und einen Brief an den damaligen Oberbürgermeister Wilhelm Farwick.
  • Darin schreibt der Eisenbahner Michael Winand ein Gesuch an den Oberbürgermeister, die Stadtnote zu ersetzen.
  • Wie viele andere Aachenerinnen und Aachener befanden sich Winand und seine siebenköpfige Familie in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg in einer sozialen Notlage.

 

Am 18. November 1922 wandte sich der Eisenbahner Michael Winand wegen eines Missgeschicks an den Aachener Oberbürgermeister Wilhelm Farwick. „Durch unglückliches Versehen“, so schrieb er, „habe ich dieser Tage eine 500 Mark Stadtnote ins Feuer geworfen“. Mit „Stadtnote“ meinte er das damals von Stadt- und Landkreis Aachen gemeinsam herausgegebene Notgeld, und in der Tat ist seinem Brief ein zur Hälfte verbrannter Notgeldschein beigefügt.

Herr Winand klagte in seinem Brief über seine soziale Notlage, in der sich während der wirtschaftlichen und politischen Krisen nach dem Ersten Weltkrieg zahlreiche Aachenerinnen und Aachener befanden, und begründete damit einen ungewöhnlichen Wunsch: „Da ich mich in einer sehr bedrängten Lage befinde, meine Familie besteht aus Frau und fünf unmündigen Kindern, bitte ich von Herrn Oberbürgermeister höflichst um gefällige Einlösung der beiliegenden beschädigten Note.“ Mit anderen Worten: Die Stadt Aachen solle den Verlust der 500 Mark ausgleichen.

Gutscheine gegen die Krise
Knapp zwei Wochen später, am 30. November, kam die Stadt diesem Wunsch nach: Herr Winands erhielt ein Schreiben, dass er sich den Wert des beschädigten Scheins bei der Stadtkasse auszahlen lassen könne.

Bereits am Ende des Ersten Weltkriegs und in den ersten Nachkriegsjahren hatte die Stadt Aachen Notgeld in Form von Gutscheinen herausgegeben, um dem Mangel an Zahlungsmitteln zu begegnen. Mit der beginnenden Hyperinflation ab 1922 stieg der Bedarf nach Zahlungsmitteln erneut.

Der beschädigte 500-Mark-Gutschein trug ursprünglich das Datum 5. Oktober 1922, dazu Siegel und Unterschriften des Oberbürgermeisters der Stadt Aachen und des Vorsitzenden des Kreisausschusses des Landkreises Aachen. Aufgedruckt sind außerdem Hinweise zur Nutzung des Notgelds: „Dieser Gutschein wird von allen öffentlichen Kassen des Stadt- und Landkreises Aachen in Zahlung genommen. Er verliert seine Gültigkeit vier Wochen nach Aufruf durch die öffentlichen Blätter des Stadt- und Landkreises Aachen“. Wie staatliche Geldscheine, war auch dieser Schein nummeriert und das Papier mit Wasserzeichen versehen.

Ausmaß und Ursache der Hyperinflation
Bereits im Februar 1923 sahen sich Stadt- und Landkreis gezwungen, Notgeldscheine im Wert von 5.000 Mark in Umlauf zu bringen. Fünf Monate später folgte eine 50.000 Mark-Note, bereits sechs Monate später eine 500.000 Mark-Note. Am 12. Oktober 1923, auf dem Höherpunkt der Hyperinflation, folgte eine Serie von Notgeldscheinen mit Nennwerten von einer Milliarde bis 25 Billionen Mark.

Die Hyperinflation war die Folge einer massiven Ausweitung der Geldmenge, mit der das Deutsche Reich die durch den verlorenen Ersten Weltkrieg entstandenen Staatsschulden beglich. So war es dem Reich beispielsweise möglich, die während des Kriegs bei der Bevölkerung aufgenommenen Kriegsanleihen mit den versprochenen Gewinnen vertragsgemäß zurückzuzahlen – allerdings in immer wertloser werdendem Geld. Als französische und belgische Truppen Anfang 1923 das Ruhrgebiet besetzten, um rückständige Reparationsforderungen abzusichern, finanzierte das Reich auf dieselbe Weise den sogenannten passiven Widerstand, was die Inflation eskalieren ließ und einen Nährboden für politische Unruhen, Kriminalität und Gewalt schuf. Schließlich beendete eine Währungsreform die akute Krise im November 1923. In Aachen, das stark von der Krise betroffen war, fürchtete man zu diesem Zeitpunkt sogar einen Zusammenbruch der Lebensmittelversorgung und damit eine Hungerkrise. Obschon die Inflation für zahllose Menschen katastrophale Folgen hatte, stabilisierte sich die Situation im Folgejahr 1924.

Bereits in den frühen 1920er-Jahren war rund um Notgeldmünzen und -scheine ein neues Hobby entstanden. So finden sich in den Akten des Oberbürgermeisters neben Michael Winands‘ Brief, den Entwürfen der Notgeldscheine, den Aufträgen an die Druckereien und Übersichten über die ausgegebenen Geldmengen auch mehrere Zeitschriften für Notgeldsammler.

Das Archivale des Monats Juli 2026 zeigt einen zur Hälfte verbrannten Notgeldschein über 500 Mark aus dem Jahr 1922.


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