125 Jahre Statistik für Aachen: Leben und Wirken des ersten Direktors des Statistischen Amtes
Am 1. August 1901 übernahm Dr. Max Mendelson als erster Direktor das neu gegründete Statistische Amt der Stadt Aachen. In knapp vierzehn Jahren baute er die Behörde von Grund auf neu auf – bis er im Ersten Weltkrieg fiel.
Geboren 1875 in Wetzendorf im heutigen Sachsen-Anhalt, studierte Mendelson in Halle Volkswirtschaft und Rechtswissenschaft und promovierte zum Dr. phil.
1898 kam er als Assistent an die Aachener Handelskammer, ehe ihn die Stadt 1901 zum Direktor ihres neuen Statistischen Amtes berief. Dem Aufbau des Amtes widmete er sich mit viel Engagement. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehörte es, die gesamte städtische Statistik zu sammeln, den jährlichen Verwaltungsbericht zu erstellen sowie die Wahllisten und sämtliche Arbeiten für die Reichstags-, Landtags- und Stadtverordnetenwahlen zu erledigen.
Den Kern bildete die Erhebung von Daten: die Berufs- und Gewerbezählungen sowie die Volks- und Wohnungszählungen. Erstmals gab es 1901 auch in Aachen eine Befragung zur Berufswahl von Schülerinnen und Schülern nach der Volksschule. Für diese Aufgaben bemühte sich Mendelson früh um Hilfskräfte, die Zahl der Mitarbeiter schwankte zwischen fünf und zwölf.
Über Aachen hinaus engagierte er sich im Verband Deutscher Städtestatistiker und war u. a. Mitautor des Statistischen Jahrbuchs Deutscher Städte von 1910. Zeitgenossen heben seine unermüdliche Schaffensfreude hervor, so wurde mancher Bericht bis tief in die Nacht erstellt. Viele Veröffentlichungen seiner Amtszeit gingen jedoch verloren, als das Amt im Zweiten Weltkrieg zweimal zerstört wurde.
Neben seiner unmittelbaren Tätigkeit im Amt unterrichtete er an der höheren Handelsschule und hielt zahlreiche Vorträge, etwa über den Zusammenhang von Sterblichkeit und Witterung (1903), über die Wohnungsfrage (1905) oder über die Bedeutung der Statistik für die soziale Wissenschaft, Gesetzgebung und Verwaltung (1905). Sein Interesse ging auch über die Statistik hinaus wie ein Vortrag von 1912 zeigt, indem er im Aachener Geschichtsverein über „David Hansemann und seine Bedeutung für Aachen“ referierte.
Bei Kriegsausbruch einberufen, diente Mendelson zuletzt als Hauptmann, erhielt das Eiserne Kreuz und starb am 18. Mai 1915 nach schwerer Verwundung in einem Feldlazarett in Russland. Nach seiner Überführung nach Aachen wurde er auf dem Waldfriedhof bestattet, wo sein Ehrengrab heute noch unweit des Bismarckturms zu entdecken ist. Seine Aufgaben übernahm Gustav Elfert, der bereits seit 1910 als wissenschaftliche Hilfskraft im Amt tätig war.
Quellen: Statistisches Jahrbuch und Aachener Stadtarchiv
125 Jahre – eine Reise durch die Statistik
Das Jubiläumsjahr feiert das Team der Statistikstelle – ganz im Sinne seiner Aufgabe – mit einer Reise durch viele interessante und kuriose Zahlen, Daten und Fakten der Kaiserstadt. Von der Bevölkerungsentwicklung über Flächenveränderungen bis hin zu den Zuschauerzahlen bei Alemannia-Heimspielen. Bis zum August 2027 veröffentlicht die Stadt Aachen in regelmäßigen Abständen weitere Teile dieser Reihe auf aachen.de/statistik.
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