Fassadensanierung Inda-Gymnasium 2025
Energetische Hüllsanierung



Das Gebäude wies altersbedingte Schäden auf und entsprach nicht mehr den heutigen energetischen Anforderungen. Es erfolgte eine energetische Sanierung unter Wahrung der bestehenden architektonischen Qualität.








Grundsatz
Bei der Entwicklung des Sanierungskonzeptes wurden gleichermaßen die Belange der energetischen Verbesserung als auch die gestalterischen Elemente der vorgefundenen Architektursprache berücksichtigt.

Nachhaltigkeit
Gemäß den Leitlinien der „Aachener Planungsbausteine“ wurden neben den ökonomischen auch ökologische Punkte in Hinsicht auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung in Bezug auf den Materialeinsatz betrachtet.
Dämmung, Lüftung, Fenster
Ziel der energetischen Hüllsanierung ist es, ein möglichst lückenloses Dämmgefüge über alle Bauteile zu erzeugen. Dazu gehört neben der Dämmung der Außenbauteile (Fassade und Dach) und der Erneuerung aller Fenster und Türen auch ein nutzerfreundliches Lüftungskonzept, um Wärmeverluste durch unkontrollierte Fensterlüftung zu minimieren und gleichzeitig schlechte Luftqualität zu vermeiden.
Bestandsbezug
Darüber hinaus werden die beschriebenen Maßnahmen unter Berücksichtigung der bestehenden Gebäudestruktur und Formensprache bewertet. Gestaltung und Materialwahl orientieren sich an der alten Fassadenstruktur und der vorgefundenen Architektursprache.
Die Sanierung der Innenräume ist nicht Bestandteil der Maßnahme.


Bestand
Die Dachflächen sind als massive Stahlbetondecken ausgebildet. Darauf befand sich ein sogenanntes Kaltdach aus im Gefälle liegenden Betonplatten mit Kies. Die Dachdichtung war in einem dem Alter entsprechenden Zustand, die Wärmedämmung der Dachflächen war unzureichend. Die Regenentwässerung erfolgte über innen liegende Fallrohre aus dem Ursprungsbaujahr im Gebäude, die ebenfalls sanierungsbedürftig waren.

Konzept
Das Kaltdach einschliesslich der Kiesauflage und aller Lüfterhauben wurde zurückgebaut. Die Betondecken erhielten einen neuen Aufbau mit Wärmedämmung nach „Aachener Standard“ und eine neue Abdichtung. Das Entwässerungskonzept sah eine neue Gefälleplanung und damit verbunden eine Verlegung der Entwässerungspunkte nach aussen vor. Die innen liegende Entwässerung wurde stillgelegt. Alle Lichtkuppel- und Dachausstiege wurden erneuert.
Bestand
Die Sichtbetonfassade wies an allen Seiten starke Witterungsschäden auf. Der Beton war in weiten Bereichen schadhaft, vielerorts traten bereits größere Abplatzungen mit freiliegenden Bewehrungseisen auf. Die größten Schäden befanden sich, bedingt durch die geringe Betonüberdeckung an den horizontalen Balken vor den Fenstern. In den letzten Jahren waren hierzu im Rahmen regelmäßiger Untersuchungen bereits vereinzelt Sicherungsmaßnahmen vorgenommen worden.

Konzept
Auf Grundlage eines gutachtlichen Gesamtkonzeptes wurden Maßnahmen zur Betoninstandsetzung an den Fassaden durchgeführt. Dabei wurden alle konstruktiv erforderlichen Betonschäden saniert. Die stark geschädigten Balken vor den Fensterbändern wurden demontiert, da der technische und finanzielle Aufwand bei Erhalt unverhältnismäßig war. Die dahinter liegenden geschlossenen Paneele entfallen zugunsten einer Vergrößerung der Glasflächen in den Fenstern.
Bestand
Die Fensteranlagen aus Holz stammten noch aus dem Ursprungsbaujahr 1973. Alle Fenster- und Türanlagen waren erneuerungsbedürftig, nicht zuletzt aufgrund der gestiegenen energetischen Anforderungen. Viele Räume litten zudem unter mangelnder Behaglichkeit durch Zugerscheinungen infolge von Luftundichtigkeiten.

Konzept
Die neuen Fenster und Türen wurden in Aluminium ausgeführt und bauphysikalisch nach den Vorgaben des „Aachener Standards“ bemessen, der höhere Anforderungen an den Wärmeschutz stellt, als baurechtlich gefordert. Hoch frequentierte Türen wurden in Stahl ausgeführt. Die Aufteilung der Fensteranlagen orientiert sich am Bestand. Durch den Entfall der geschlossenen Paneele vergrößert sich der Glasanteil der Fenster. Dadurch wurde die natürliche Belichtung der Klassenräume verbessert. Die Oberlichter vor den Lüftungsgeräten wurden geschlossen und erhielten ein Wetterschutzgitter aus Aluminium. Jeder Klassenraum verfügt nun zusätzlich zur Lüftungsanlage über öffenbare Fenster.
Bestand
Die vorhandenen Sonnenschutzanlagen waren in großen Teilen nicht mehr funktionstüchtig und daher nicht erhaltenswert. Darüber hinaus führte ihre Positionierung in den Betonbalken dazu, dass die Oberlichter nicht verschattet wurden und die Klassenräume folglich nicht vollständig verdunkelt werden konnten.

Konzept
Alle Klassen- und Verwaltungsräume erhielten einen neuen außenliegenden Sonnenschutz in Form von Aluminium-Raffstoreanlagen. Der Sonnenschutz verschattet die Fenster in vollständiger Höhe. Die Steuerung erfolgt außerhalb der Nutzerzeiten automatisch, sodass die Räume im Sommer vor zu großer Aufheizung geschützt werden, beispielsweise morgens vor Unterrichtsbeginn. Während der Unterrichtszeit kann der Sonnenschutz zusätzlich manuell bedient werden. Durch individuell einstellbare Lamellenwinkel lässt sich der Lichteinfall in jedem Raum nach Bedarf steuern. Bei heruntergefahrenen Lamellen wird der Klassenraum für die Nutzung von Beamern oder Smartboards ausreichend verdunkelt.
Bestand
Die Fassade bestand aus einer 25 cm starken Stahlbetonschale und einer raumseitigen Sichtmauerwerkswand. Im Zwischenraum waren Wellfaserzementplatten als Abstandhalter sowie eine Dämmung angeordnet. Die Fassade war teilweise mit Selbstklimmern bewachsen und aufgrund fehlender Fensterbankabdeckungen stark vermoost.

Konzept
Die Außenwand erhielt nach fertiggestellter Betonsanierung eine Wärmedämmung und eine neue Bekleidung in Form von großformatigen Fassadenplatten. Der Charakter der Sichtbetonoberfläche und das äußere Erscheinungsbild mit dem Wechsel von Fensterbändern und großen, zusammenhängenden geschlossenen Flächen wurden dabei nach Möglichkeit erhalten. Vor dem Hintergrund ökonomischer und ökologischer Aspekte entschied man sich für eine vorgehängte, hinterlüftete Fassade mit einer Bekleidung aus Faserzementplatten.
Bestand
Alle Bauteile und Materialien, die Teil der Maßnahme waren, wurden auf eine mögliche Schadstoffbelastung untersucht. Es konnten keine Belastungen nachgewiesen werden – mit Ausnahme der baujahrestypisch zu erwartenden Schadstoffe wie asbesthaltige Wellplatten, künstliche Mineralfaserdämmstoffe und PCB-haltigen Fugenmassen (Polychlorierte Biphenyle).
Konzept
Alle schadstoffbelasteten Materialien wurden unter Beachtung der Vorgaben der Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) und unter gutachterlicher Begleitung fachgerecht ausgebaut und entsorgt. Eine Ausnahme bildeten die asbesthaltigen Wellplatten im Außenwandzwischenraum, die sich nicht zerstörungsfrei demontieren ließen. Die im Zuge der Sanierungsarbeiten freigelegten Stellen wurden ordnungsgemäß verschlossen und gekennzeichnet.

Brutalistische Architektur
Das Inda-Gymnasium wurde 1973 im Stile des Brutalismus gebaut. Der Begriff kommt ursprünglich aus dem Französischen (béton brut) und bedeutet „roher Beton“. Die Architektur ist gekennzeichnet durch die Verwendung von Sichtbeton, einfachen geometrischen Formen und Betonung der Konstruktion. Bei dem Gebäude handelt es sich um eine für die Bauzeit typische Stahlbeton-Skelettbauweise.
Kubatur
Die Gebäudekubatur gliedert sich in drei nahezu baugleiche, zweigeschossige Klassentrakte, einen dreigeschossigen Sonderbau, der ehemals für die naturwissenschaftlichen Räume vorgesehen war und einen eingeschossigen Verwaltungstrakt, der auch eine Hausmeisterwohnung beinhaltet.
Fassade
Vorherrschendes gestalterisches Element in der Fassade ist der Wechsel von durchgehenden Fensterbändern und großen geschlossenen Sichtbetonflächen. Die Fensterbänder werden zum einen durch die vertikalen Elemente der Tragkonstruktion (Stahlbetonstützen) zum anderen durch nicht tragende horizontale Betonbalken in L-Form unterteilt. Darin befindet sich zur Zeit der Sonnenschutz.
Zustand
Das nun fast 50 Jahre alte Gebäude weist in der Hüllfläche die typischen baujahresbedingten Schäden auf und entspricht zudem nicht mehr den aktuellen energetischen Anforderungen.

Die Umsetzung der beschriebenen Massnahmen erfolgte im laufenden Schulbetrieb.
Sektionaler Leerzug
Für verschiedene Arbeiten, z.B. Fensteraustausch oder besonders lärm- und schmutzintensive Arbeiten, wurden die Klassenräume des jeweiligen Bauabschnittes leergezogen. Die Schüler erhielten in diesem Zeitraum temporäre Unterrichtsräume in einem zusätzlich errichteten Modulbau.
Wege und Flächen
Während aller Bauphasen standen den Schülern die Schulhöfe zur Nutzung in der unterrichtsfreien Zeit zur Verfügung. Der Bauablauf wurde so organisiert, dass die Verkehrswege von Schul- und Baubetrieb zeitlich bzw. räumlich getrennt werden.
Die Massnahme wird u. a. gemäß des Kommunalinvestitionsgesetzes gefördert.
