125 Jahre Statistik für Aachen: Wo wir arbeiten – Aachens Beschäftigte im Wandel der Jahrzehnte
Aachen war und ist ein wichtiger Wirtschaftsstandort. Die Entwicklung dieses Standortes lässt sich aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beschreiben. Die kommunale Statistik richtet ihren Blick seit 125 Jahren vor allem auf die Beschäftigten: Wer arbeitet in welchen Wirtschaftsbereichen und wie hat sich das Bild im Laufe der Zeit verändert? Stets mit dabei ist der Seitenblick auf die Arbeitslosenzahlen.
Aachen als Industriestadt im Jahre 1911
Schon kurz nach Gründung der Kommunalstatistikstelle gehörte die Erhebung der Beschäftigten zu den ersten großen Aufgaben. Das Ergebnis, festgehalten in einem Kreisdiagramm für das Jahr 1911 (Abbildung 1), zeichnet das Bild einer Industriestadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Gut ein Viertel aller Beschäftigten (26 Prozent) arbeitete in der Textilindustrie, weitere elf Prozent in der Nadelindustrie und zehn Prozent im Handelsgewerbe. Dahinter folgten der Maschinenbau (9 Prozent), die Hüttenindustrie (7 Prozent) und das Baugewerbe (6 Prozent).
Heute: Gesundheits- und Sozialwesen als Spitzenreiter
Mehr als ein Jahrhundert später ergibt sich für die Aachener Wirtschaft ein völlig anderes Bild (Abbildung 2). Der beschäftigungsstärkste Wirtschaftsbereich ist heute das Gesundheits- und Sozialwesen, in dem fast jeder fünfte Beschäftigte (19 Prozent) tätig ist. Es folgen die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen mit zwölf Prozent, der Handel einschließlich der Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (11 Prozent), das verarbeitende Gewerbe (11 Prozent), der Bereich Erziehung und Unterricht (10 Prozent) sowie Information und Kommunikation (8 Prozent).
Dieser Wandel folgt dem bundesweiten Trend: Der Dienstleistungssektor hat kräftig zugelegt, während die Produktion deutlich an Gewicht verloren hat. Ein Vergleich mit etwa gleich großen Städten zeigt eine ganz ähnliche Verteilung (Abbildung 3).
Verändert hat sich auch, wer arbeitet. Die Erhebung von 1911, die sich auf die versicherungspflichtigen Mitglieder der Orts- und Betriebskrankenkassen stützte, zählte in der Stadt Aachen 51.857 Beschäftigte – zu fast zwei Dritteln Männer (63 Prozent). Dieses Verhältnis hatte auch bei der Volkszählung 1970 noch Bestand. 1987 lag der Anteil der männlichen Beschäftigten dann bei knapp 60 Prozent und ist seitdem stetig gesunken: 2025 beträgt er 53 Prozent.
Mehr Pendelverkehr und weitere Arbeitswege
Zugleich hat sich die Arbeit immer stärker in die Städte verlagert. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch deutlich mehr Menschen auf dem Land beschäftigt waren, kamen 1911 in Aachen auf 100 Einwohner*innen 33 Beschäftigte – heute sind es 53. Eine bessere Infrastruktur und die zunehmende motorisierte Mobilität haben darüber hinaus die Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsort wachsen lassen; Homeoffice-Möglichkeiten verstärken diese Entwicklung noch. Mehr als die Hälfte der Einpendelnden nach Aachen legt heute mindestens 17 Kilometer zurück, bei der Hälfte von ihnen sind es sogar 27 Kilometer und mehr.
Bleibt die Frage, wo die Aachenerinnen und Aachener künftig arbeiten werden. In den vergangenen fünf Jahren verzeichneten die Bereiche Information und Kommunikation (+1,2 Prozentpunkte), die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (+1,2 Prozentpunkte) sowie das Gesundheits- und Sozialwesen (+0,9 Prozentpunkte) die größten Zuwächse. Eine schlichte Fortschreibung dieser Linien wäre jedoch voreilig: Globale Entwicklungen ebenso wie lokale Initiativen und Start-ups dürften für so manche Überraschung sorgen.
125 Jahre – eine Reise durch die Statistik
Das Jubiläumsjahr feiert das Team der Statistikstelle – ganz im Sinne seiner Aufgabe – mit einer Reise durch viele interessante und kuriose Zahlen, Daten und Fakten der Kaiserstadt. Von der Bevölkerungsentwicklung über Flächenveränderungen bis hin zu den Zuschauerzahlen bei Alemannia-Heimspielen. Bis zum August 2027 veröffentlicht die Stadt Aachen in regelmäßigen Abständen weitere Teile dieser Reihe auf aachen.de/statistik.
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