Gute Perspektive für Beverau: Bundeswehr offen für alternative Standorte
- Die Stadt Aachen und die Bundeswehr verständigen sich auf die Suche nach Alternativstandorten.
- Die Stadt hatte geplante Kasernenerweiterung auf der Beverau abgelehnt.
Die Bundeswehr hat ihre Bereitschaft signalisiert, gemeinsam mit der Stadt Aachen nach alternativen Standorten für die Erweiterung der Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne zu suchen. Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons begrüßt diese Entwicklung ausdrücklich: „Das ist eine gute Nachricht für Aachen und für die Beverau. Wir wollen, dass die Technische Schule des Heeres wachsen kann. Aber dafür müssen wir nicht unsere wertvollsten Freiflächen und eine der wichtigen Klimaanlagen unserer Stadt opfern. Dass die Bundeswehr jetzt bereit ist, gemeinsam mit uns nach Alternativen zu suchen, ist ein wichtiges Signal. Ich freue mich, dass wir die Chance haben, beides zusammenzubringen: eine starke Bundeswehr und eine lebenswerte Stadt.“
Grundlage der Gespräche ist die Stellungnahme der Stadt zur geplanten Inanspruchnahme von rund 27,8 Hektar nördlich der bestehenden Kaserne. Im Anhörungsverfahren nach dem Landbeschaffungsgesetz hatte die Stadt die Erweiterung an diesem Standort abgelehnt und auf erhebliche Konflikte mit Klima-, Umwelt- und Naturschutz, Naherholung, Verkehr und Wasserhaushalt hingewiesen.
Wertvolle Freifläche für Stadtklima und Natur
Die landwirtschaftlich genutzten Flächen haben eine hohe ökologische und stadtklimatische Bedeutung. Große Teile liegen in einer im Flächennutzungsplan Aachen*2030 ausgewiesenen Belüftungsbahn und sind Teil eines Kaltluftsystems, das angrenzende und tiefer gelegene Stadtteile entlastet. Eine Bebauung und Versiegelung würde die Kaltluftentstehung und den Luftaustausch beeinträchtigen – mit möglichen Folgen für Klima und Lebensqualität in Beverau, Forst sowie im Frankenberger und Ostviertel.
„Die Beverau ist eine von Aachens Klimaanlagen“, so Ziemons. Auch Boden- und Naturschutz sowie der Wasserhaushalt wären erheblich betroffen. Die Flächen verfügen über schutzwürdige Böden und wichtige Klimafunktionen. Zudem sieht die Stadt Risiken für Grundwasser, Hochwasser und Starkregen.
Widerspruch zu bestehenden Planungen und Verlust von Erholungsräumen
Die Erweiterung widerspricht kommunalen und regionalen Planungen: Der Regionalplan weist die Flächen als Regionalen Grünzug sowie als Bereich zum Schutz der Landschaft und der landschaftsorientierten Erholung aus. Der Flächennutzungsplan Aachen*2030 stellt sie als Landwirtschaftsflächen mit besonderer stadtklimatischer Funktion dar. Bereits bei dessen Neuaufstellung wurden die Flächen wegen erheblicher Auswirkungen auf Landschaft, Boden, Wasser, Natur und Klima nicht als Bauflächen ausgewiesen. Die Stadt sieht deshalb auch ihre kommunale Planungshoheit berührt.
Zugleich sind die Flächen wichtige wohnungsnahe Erholungsräume für Spaziergänge, Radfahren und Naturerleben. Die Erweiterung könnte den Zugang zur Landschaft erheblich einschränken. Die Stadt fordert daher, bestehende Wegebeziehungen dauerhaft zu erhalten. Dazu gehört auch der historisch nachgewiesene öffentliche Eselsweg zwischen Lintert, Driescher Hof, Burtscheid, Beverau und dem Frankenberger Viertel.
Verkehr und Entwässerung als weitere Hindernisse
Bereits heute kommt es am Knotenpunkt Kornelimünsterweg/Adenauerallee/Karl-Marx-Allee zu erheblichen Belastungen und Rückstaus. Zusätzliche Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie mögliche weitere Zufahrten würden die Situation verschärfen. Auch für eine dauerhafte Zunahme schwerer Militärtransporte ist der Kornelimünsterweg nur eingeschränkt geeignet.
Für die Ableitung des zusätzlichen Niederschlagswassers stehen nach derzeitiger Einschätzung keine ausreichenden Kapazitäten in der Kanalisation zur Verfügung. Erforderlich wären umfangreiche Rückhalte- und Behandlungsanlagen. Zudem bestehen wasserwirtschaftliche Risiken für den Beverbach und das Gewässersystem der Wurm.
Stadt und Bundeswehr wollen Alternativen prüfen
Die Stadt hatte deshalb angeregt, geeignete Flächen im öffentlichen Eigentum an anderer Stelle als Alternativstandorte zu prüfen. Ziel ist es, die Weiterentwicklung des Bundeswehrstandorts zu ermöglichen und zugleich die Beverau mit ihren wichtigen Klima- und Umweltfunktionen zu schützen.
Ziemons betont: „Ich stehe zur Bundeswehr. Die Technische Schule des Heeres gehört zu Aachen, und sie muss sich weiterentwickeln können. Entscheidend ist, dafür einen geeigneten Standort zu finden. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam eine Lösung finden können, die den Anforderungen der Bundeswehr gerecht wird und zugleich die Beverau schützt.“
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