125 Jahre Statistik für Aachen: Zur Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung der Stadt Aachen
„Die Herren werden sich erinnern, daß zwei feindliche Heerlager sich zwischen Aachen und Burtscheid schon seit langer Zeit in der Eingemeindungsfrage gebildet haben (…). Die Frage hat in Aachen und Burtscheid eine gewaltige Aufregung namentlich an den Karnevalstagen hervorgerufen. Es sind da kleine Scherze vorgekommen, die stellenweise zu ganz erregten Dingen Veranlassung gegeben haben.“
Theodor Mooren, Abgeordneter der Zentrumspartei im Preußischen Landtag, zur Abstimmung über das Aachen-Burtscheid-Gesetz am 26.03.1897.
In: Aachener Anzeiger, 28.03.1897
Die Stadt Aachen erlebte seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert einen massiven, durchaus von Kontroversen begleiteten Wandel von einer eng begrenzten Industriestadt hin zu einer weitläufigen, wissenschaftlich geprägten Großstadt. Im Jahr 1890 überschritt Aachen erstmals die historische Marke von 100.000 Einwohnern und erlangte damit offiziell den Status einer Großstadt. Das damalige Stadtgebiet war mit rund 30,5 km² im Vergleich zu heute noch sehr kompakt. (Abb. 1)
Eingemeindungen, zweiter Weltkrieg – Wachstum in Schüben
Das städtische Wachstum verlief im 20. Jahrhundert in Schüben, die maßgeblich durch rechtliche Zusammenschlüsse vorangetrieben wurden. Bereits um die Jahrhundertwende erweiterten erste nennenswerte Eingemeindungen, darunter die traditionsreiche Badestadt Burtscheid (1897, ca. 16.000 Einwohner) sowie Forst (1906, ca. 7.000 Einwohner), die Stadtfläche. Nach einem dramatischen, kriegsbedingten Einbruch auf nur noch 11.139 verbliebene Einwohner im Oktober 1944 (Schlacht um Aachen), erholte sich die Zahl durch Rückkehrer rasant und überschritt bereits im Dezember 1945 wieder die 100.000er-Grenze. Bis zum Jahr 1971 stieg die Bevölkerungszahl kontinuierlich auf über 175.000 Menschen an (Abb. 3)
„Aachen-Gesetz“: Eingliederung von sieben Umlandgebieten
Die historisch einschneidendste Veränderung markiert der 1. Januar 1972, an dem das sogenannte „Aachen-Gesetz“ zur kommunalen Neugliederung in Kraft trat. Durch die Eingliederung von sieben Umlandgemeinden (Brand, Eilendorf, Haaren, Kornelimünster, Laurensberg, Richterich und Walheim) vervielfachte sich das Aachener Stadtgebiet schlagartig auf die bis heute gültige Fläche von 160,85 km² (Abb. 2). Gleichzeitig wuchs die amtliche Bevölkerung sprunghaft um rund 63.000 Personen auf etwa 240.000 Einwohner an.
Diese Neuordnung war jedoch, wie schon bei den Diskussionen zur Eingemeindung Burtscheids, von heftigen, kontroversen Debatten und lokalem Widerstand geprägt. In den darauffolgenden Jahrzehnten stabilisierte sich das Wachstum auf hohem Niveau, stark gestützt durch den stetigen Ausbau der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) und den Zuzug von Studierenden. Heute zählt die westlichste Großstadt Deutschlands eine amtliche Bevölkerung von ca. 262.000 Einwohnern bei einer unveränderten Gesamtfläche.
Historische Herausforderungen wurden gemeistert, neue Anforderungen und Veränderungen erwarten die Stadt Aachen. Schon vor der ersten Eingemeindung 1897 hieß es: „Im vorliegenden Falle handelt es sich nicht darum, eine große Stadt zu bilden, sondern eine große Stadt zu einem harmonischen Ganzen im Interesse aller zusammenzubringen.“ (Theodor Mooren, 26.03.1897)
125 Jahre – eine Reise durch die Statistik
Das Jubiläumsjahr feiert das Team der Statistikstelle – ganz im Sinne seiner Aufgabe – mit einer Reise durch viele interessante und kuriose Zahlen, Daten und Fakten der Kaiserstadt. Von der Bevölkerungsentwicklung über Flächenveränderungen bis hin zu den Zuschauerzahlen bei Alemannia-Heimspielen. Bis zum August 2027 veröffentlicht die Stadt Aachen in regelmäßigen Abständen weitere Teile dieser Reihe auf aachen.de/statistik.
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