Das Pferd. Drei Museen. Ausstellungen starten in Aachen
Das Pferd. Drei Museen Gemeinsame Eröffnung: Eintritt frei – und den ganzen Tag in den Museen.
Aachen im Pferdefieber! Drei Museen, ein Thema: das Pferd. Im „Jahr des Pferdes“ und anlässlich des CHIO und der Reit-WM 2026 zeigt das Suermondt-Ludwig-Museum Meisterwerke von Dürer bis Goya, das Centre Charlemagne Fotos aus 100 Jahren CHIO-Geschichte und das Ludwig Forum zwei Kurzfilme zum Thema Mensch und Pferd. „Allen, die sich dem Thema Pferd im Jahr der Reit-WM in Aachen auf künstlerische Weise nähern wollen, werden in den Museen echte Highlights geboten“, unterstreicht Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons.
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Das Glück dieser Erde. Dürer, Rubens, Goya: Pferde in der Kunst Sonderausstellung Suermondt-Ludwig-Museum Aachen Es gibt wenige Tiere, die sich so tief in das kulturelle Gedächtnis eingeschrieben haben wie das Pferd. Es trug Kaiser und Könige, zog Pflüge und Kanonen, begleitete Heilige und Helden, wurde Projektionsfläche von Macht, Freiheit, Sehnsucht – und nicht zuletzt menschlicher Grausamkeit. Kaum ein anderes Lebewesen bewegt sich so selbstverständlich zwischen Mythos und Alltag, zwischen Repräsentation und Intimität. Mit der Ausstellung „Das Glück dieser Erde. Dürer, Rubens, Goya: Pferde in der Kunst“ widmet das Suermondt-Ludwig-Museum diesem faszinierenden Verhältnis eine rund 140 Exponate umfassende kunst- und kulturhistorische Schau. "Wir entfalten in dieser Ausstellung ein Panorama, das von der Antike bis in die Gegenwart reicht", so Kuratorin Wibke Birth. Der Anlass könnte passender kaum sein. Während Aachen mit dem CHIO im Mai und der Reit-WM 2026 im August zum internationalen Zentrum des Pferdesports wird, blickt das Museum auf die langen kulturellen Linien hinter dieser Gegenwart. Wo heute sportliche Höchstleistungen gefeiert werden, beginnt eine Erzählung, die Jahrtausende zurückreicht. Kaum ein anderes Tier hat die Beziehung zwischen Mensch, Macht, Arbeit, Krieg, Religion und Freizeit über Jahrtausende hinweg so nachhaltig geprägt wie das Pferd. Die Ausstellung zeigt das Pferd als prestigeträchtigen Begleiter von Herrschern und Adeligen, als unverzichtbare Arbeitskraft in Landwirtschaft und Transport, als Symbol von Macht und Herrschaft sowie als Partner im Sport und in der Freizeit. Gleichzeitig wird das Tier auch kritisch als Sinnbild von Leid, Gewalt und exzessiven Emotionen betrachtet. Anhand von Skulpturen, Gemälden, Grafiken und Plastiken spannt die Ausstellung im SLM einen Bogen von antiken Darstellungen über mythologische und religiöse Bildwelten bis hin zu zeitgenössischen Positionen. Werke von Künstlern wie Albrecht Dürer, Peter Paul Rubens, Philips Wouwerman, Francisco de Goya, Max Klinger, Pablo Picasso, Max Liebermann oder Berlinde De Bruyckere machen deutlich, wie facettenreich das Pferd in der Kunstgeschichte erscheint – als Held, Opfer, Herrschaftssymbol, mythologisches Wesen und Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem nachhaltigen Ausstellungskonzept. Im Zentrum stehen überwiegend Werke aus der eigenen Sammlung des Suermondt-Ludwig-Museums, deren Potenzial in diesem Zusammenhang bislang kaum erschlossen wurde. "Wir zeigen viele Werke aus unserem Depot, die noch selten ausgestellt wurden", erläutert Kuratorin Sarvenaz Ayooghi. Dadurch werde nicht nur ein neuer Aspekt der Sammlung sichtbar, sondern auch ein ressourcenschonender Umgang mit Transport- und Leihanfragen gewährleistet. Ergänzt werden diese Bestände durch ausgewählte Leihgaben aus deutschen, belgischen und niederländischen Museen sowie Privatsammlungen. Inhaltlich setzt die Präsentation zudem bewusst regionale Akzente. Die berühmte Aachener Gründungslegende um Karl den Großen und sein Pferd, das die heißen Quellen entdeckte, verbindet Stadtgeschichte unmittelbar mit dem Ausstellungsthema. Auch die Geschichte von Ackergäulen, Hofstallungen, Pferdehaltung sowie die bürgerliche Freizeitkultur des 19. Jahrhunderts zeigen die enge Verbindung zwischen Aachen und dem Pferd. Die Stadt Aachen verdankt der Familie Suermondt nicht nur eine reiche Kunstsammlung. Sie spielt auch eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Pferdesports in Aachen. Henry Suermondt war erfolgreicher Züchter und Reiter (deutscher Herren-Champion 1887/88). Sein Stiefbruder Otto war mit über 1200 Rennen und neun Titeln der erfolgreichste Herrenreiter Deutschlands. Gemeinsam setzten sie sich für Pferderennen in Aachen ein und gründeten 1870 den Aachener Rennverein, der die Rennen organisierte. Mit ihrer Vielschichtigkeit richtet sich die Ausstellung bewusst an ein breites Publikum: nicht nur an kunsthistorisch Interessierte, sondern auch an Menschen mit besonderer Affinität zum Pferd, an Familien, Kinder und Jugendliche sowie an Besucherinnen und Besucher, die dem Pferdesport eng verbunden sind. Ein umfangreiches Programm Führungen, Workshops, Aktionstagen, Lesungen sowie dialogorientierten Formaten begleitet die Ausstellung. In Kooperation mit dem Museumsdienst sowie Expert*innen aus dem Pferdesport entstehen neue Erfahrungs- und Wissensräume, die Kunst, Tierwohl, Sport und die emotionale Beziehung zwischen Mensch und Pferd miteinander verbinden. In einem Kreativraum können sich Groß und Klein künstlerisch betätigen oder in Pferdeliteratur schmökern. Man kann die Ausstellung anhand einer speziell dafür angelegten Rallye auf eigene Faust erkunden: Für jüngere Kinder gibt es ein Mitmachheft. Für Schulklassen bietet der Museumsdienst besondere museumspädagogische Angebote an. Kuratorinnen: Sarvenaz Ayooghi, Wibke Birth Bilderdownload:
Tradition – Innovation – Emotion. 100 Jahre CHIO
Zum 100-jährigen Jubiläum des CHIO Aachen zeigt das Centre Charlemagne im Rahmen des „Jahres des Pferdes“ eine umfangreiche Fotoausstellung, die die Geschichte des legendären Reitturniers in der Soers lebendig werden lässt. Rund 90 Aufnahmen dokumentieren die Entwicklung des CHIO seit 1925 – von den ersten Reit-, Spring- und Fahrprüfungen bis zum heutigen Weltfest des Pferdesports mit den fünf Disziplinen Springen, Dressur, Fahren, Voltigieren und Vielseitigkeit. "Das CHIO ist im Bewusstsein der Aachenerinnen und Aachener fest verankert. Darüber wird dennoch manchmal vergessen, dass dieses Turnier etwas ganz Besonderes ist, das es sonst nirgendwo in dieser Art gibt", erläutert Prof. Frank Pohle, Kurator der Ausstellung und Leiter der Route Charlemagne. Die Ausstellung im Foyer des Centre Charlemagne gewährt eindrucksvolle Einblicke hinter die Kulissen und zeigt neben sportlichen Höchstleistungen und emotionalen Siegerehrungen auch die enge Verbindung zwischen Reitern, Pferden und Publikum. Herausragende Momente wie das Vater-Sohn-Duell von Nelson und Rodrigo Pessoa, der letzte Große Preis von Ratina Z sowie legendäre Auftritte von Hans Günter Winkler, Isabell Werth und Ludger Beerbaum werden ebenso sichtbar wie die oft verborgenen Abläufe eines internationalen Turniers – von Stall- und Groomsarbeit über Vet-Checks bis hin zur präzisen Organisation. Darüber hinaus beleuchtet die Ausstellung die gesellschaftliche und Kuration: Dr. Doris Beaujean, Prof. Dr. Frank Pohle Download Bildmaterial:
Centaur – Mensch und Pferd. Eine Filminstallation Anlässlich der Reit-WM präsentiert das Ludwig Forum zwei Kurzfilme in der zentralen Ausstellungshalle, die auf sehr unterschiedliche Art und Weise um das Thema Mensch und Pferd kreisen. "In der Mulde der Ausstellungshalle haben wir erstmals eine Kinosituation geschaffen", so Kuratorin Esther Bohle. Titelgebend ist der gleichnamige Film Centaur (2020) der deutsch-iranischen Künstlerin und Filmemacherin Yalda Afsah (*1983), die sich eindringlich mit den komplexen Strukturen von Mensch-Tier-Beziehungen beschäftigt. Zwischen Fürsorge und Kontrolle gibt der Film intensive Einblicke in den Mikrokosmos der Pferdedressur. Auf humorvoll-poetische Weise nähert sich das Schweizer Künstlerpaar Marianne Halter (*1970) & Mario Marchisella (*1972) dem Thema in Pferde über Wiese (2013). Der Kurzfilm zeigt einen halsbrecherischen Ritt auf einem Fahrrad und spielt mit Brüchen zwischen Bild und Ton. Zitat Boehle Kuratorin: Esther Boehle
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