Expedition Altstadt: Das steckt hinter Aachens historischen Fassaden
- Eine neue Kampagne der Denkmalpflege lädt dazu ein, die verborgenen Geschichten der historischen Fassaden von Aachens Altstadt zu entdecken.
- Im Fokus steht der Wiederaufbau nach 1945 und das „Aachener Modell“.
- Ein digitaler Denkmalfinder macht rund 40 Fassaden und ihre Geschichten vor Ort erlebbar.
Aktuell sieht man an vielen Stellen im Stadtgebiet Plakate und Bewegtbilder mit Häusern der Altstadt. Dazu prangt schwarz auf gelb der Schriftzug „Expedition Altstadt“. Doch was verbirgt sich hinter der Kampagne? Um diese Frage zu lüften, trafen sich Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, Stadtkonservatorin Monika Krücken und ihr Kollege Dr. Andreas Priesters aus der städtischen Denkmalpflege am Mittwoch, 15. April, an vor einigen der bekanntesten Häuserfassaden der Aachener Altstadt zu einem gemeinsamen Pressetermin.
„Aachen ist eine Stadt der Geschichten, die viel zu erzählen hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Stadtgesellschaft gemeinsam in vielen kleinen Schritten entschieden, wie die Altstadt wiederaufgebaut werden soll. Die ‚Expedition Altstadt‘ zeigt diesen eigenen Weg von Aachen auf und verdeutlicht, was daraus entstanden ist: eine gute Stadt“, erläuterte Frauke Burgdorff.
Eine architektonische und baugeschichtliche Entdeckungstour
Die „Expedition Altstadt“ versteht sich als architektonische und baugeschichtliche Entdeckungstour durch die Innenstadt und die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Projekt wurde von der städtischen Abteilung Denkmalpflege und Archäologie zusammen mit dem Stadtmarketing und der Onlineredaktion der Stadt Aachen, der RWTH Aachen, Lehrgebiet Denkmalpflege und historische Bauforschung, sowie der Agentur yellapark entwickelt. Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung NRW unterstützt das Projekt im Rahmen des Förderprogramms „Starke Heimat“.
Nicht nur Touristinnen und Touristen sind eingeladen, über die „Expedition Altstadt“ das ein oder andere zur jüngeren Geschichte der Stadt zu erfahren. Es geht insbesondere um die Zeit nach 1945: um Wiederaufbau, um Erneuerung, um Heimat, städtebauliche Konzepte und das „Aachener Modell“.
Das „Aachener Modell“
Statt auf eine konsequente Neuordnung und Anpassung an moderne Verkehrsmittel zu setzen, versuchte man in Aachen, den Charakter der historischen Altstadt weitgehend zu bewahren. Die liebgewordene überschaubare Ordnung sollte gerettet und die vom Strom der Zeit teilweise verwaschenen Straßenzüge saniert werden. Dazu setzten die damaligen Protagonistinnen und Protagonisten vor allem auf das Versetzen von historischen Fassaden und Bauteilen (sogenannte Translozierungen), auf Rekonstruktionen oder sie griffen tief in die Trickkiste, um stadtplanerische Modernisierung mit dem Erhalt des Stadtbildes zusammenzubringen. Aus ökonomischer Not heraus recycelten sie alte Fassadenteile und Materialien aus zerstörten Häusern. Dabei entstanden vielfach moderne Häuser im historischen Gewand, die heute wie selbstverständlich Teil unserer Altstadt sind. Stadtkonservatorin Monika Krücken erklärte beim Pressetermin dazu: „Auf der einen Seite wollte man damals an alter Architektur und dem ursprünglichen Stadtgrundriss festhalten, auf der anderen Seite aber auch neue, moderne Bauweisen einbringen.“
Ein Neubau mit alten Wurzeln
Ein eindrucksvolles Beispiel für diese Form des Wiederaufbaus ist das Haus am Hof 9. Der spätere Stadtkonservator Dr. Leo Hugot wählte in den 1960er Jahren die hier bestehende Baulücke als Standort für sein zukünftiges Wohnhaus und Architekturbüro und verwendete für die Fassade Elemente wie Blausteine und Simse aus einem ehemaligen Haus an der Eilfschornsteinstraße. Mit Rücksicht auf die übrige Bebauung am Hof verzichtete Hugot auf ein ganzes Geschoss. Und wer heute in den Keller hinabsteigt, stößt dort noch immer auf die Bruchsteinmauern des mittelalterlichen Blasiusspitals. Ein Haus also, in dem Geschichte nicht nur erzählt wird, sondern bis heute in den Mauern weiterlebt.
Ein Onlineportal für Aachens Altstadtfassaden
Teil der Kampagne ist auch der „Denkmalfinder“, in dem online knapp 40 Häuser und Fassaden vorgestellt, ihre Geschichten erzählt und auf bauliche Details und Spuren hingewiesen werden, die vielleicht dem ersten Blick entgehen. Abrufbar sind die Gebäudesteckbriefe per Smartphone über QR-Codes an den jeweiligen Fassaden oder direkt per Karte und Webseite auf www.aachen.de/denkmalfinder. Dazu gibt es Hintergrundinfos zu den damaligen Planungen, zu handelnden Akteurinnen und Akteuren und auch zu zeitgenössischen Diskursen und Bürgerprotesten. Die Abteilung Denkmalpflege hofft, damit zur Entdeckung eines weniger präsenten, aber unsere Stadt prägenden Themas einzuladen. Besonders vor dem Hintergrund, dass – Achtung, Superlativ! – Aachen die höchste Dichte translozierter Bauwerke in ganz Deutschland besitzt.
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