Ausstellung St. Bonifatius
Kirchen als Vierte Orte
Im April öffnete die Kirche St. Bonifatius in Unterforst für die Nachbarschaft und Besucher*innen ihre Pforten. In Kooperation mit der Fachhochschule Aachen sowie der Hochschule München entstanden im Vorfeld einzigartige Ideen zu zukünftigen Nutzungen des Sakralbaus. Neben den studentischen Entwürfen zeigte die Ausstellung „Kirchen als Vierte Orte. Perspektiven des Wandels“ von Baukultur NRW bereits realisierte Projekte, ergänzt durch verschiedene Interviews mit Expert*innen.
Laufzeit: 1. bis 29. April 2026
Ausstellungsort: Kirche St. Bonifatius, Mataréstraße 12, 52078 Aachen
Öffnungszeiten: mittwochs: 16 bis 19 Uhr; freitags: 16 bis 19 Uhr.

Durch zahlreiche Veranstaltungen und Events entstand ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm, das gemeinsam mit vielen Akteur*innen vor Ort organisiert wurde. Die Kirche bot gleich mehrere Gelegenheiten für einen Besuch: Flohmarkt, Garten- und Quartiersfest, Jazz-Konzert oder Lesung mit Theateraufführung – für jeden war etwas dabei.
Die Veranstaltungen boten Raum, die Kirche zu besichtigen, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam über mögliche Zukunftsperspektiven der Kirche nachzudenken. Dank der vielen engagierten Menschen aus der Nachbarschaft entstand ein einzigartiges Angebot aus Festen, Führungen und Events, die Besucher*innen aller Altersklassen ansprachen. Sie alle vereint der Wunsch, wieder einen lebendigen Treffpunkt im Quartier zu schaffen.
Das Programm
Feierliche Ausstellungseröffnung
Am 1. April ab 18 Uhr, etwa 120 Besucher*innen
Organisation: Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung mit Unterstützung des städtischen Quartiersmanagements Forst / Driescher Hof, der LebensWeGe, der Gartengruppe Mataréstraße sowie der Kirchengemeinde St. Katharina
Was ist eigentlich ein vierter Ort? Ein Raum, der seine liturgische Funktion beibehalten kann, jedoch um neue Ideen des alltäglichen Lebens ergänzt wird, ist einer. Frau Schwarz vom Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung der Stadt Aachen ordnete die Bedeutung eines solchen Ortes in das Gesamtkonzept der Stadteilperspektive „Zukunft Forst“ für Aachen-Forst ein. Unter dem Motto „Mitten in Forst“ geht es darum, neue, öffentliche Orte der Begegnung zu schaffen, um den sozialen Zusammenhalt im Stadtteil zu fördern.
© Stadt Aachen
Dr. Manuela Klauser von der Universität Bonn bot einen spannenden Einblick in ihr Forschungsprojekt TRANSARA, welches sich mit der Transformation von Sakralräumen befasst. Zahlreiche Folgenutzungen seien möglich, was die Vielzahl an unterschiedlichen Beispielen zeigte.
In einer anschließenden Podiumsdiskussion wurden Ideen zu einem möglichen hybriden Nutzungskonzept für Kirchenräume diskutiert. Prof. Heike Matcha und Louis Kirch von der Fachhochschule Aachen, Bernhard Stenmans vom Bistum Aachen, Pfarrer Goldammer von der Kirchengemeinde St. Katharina, Sabine Mensger-Jacobs aus der Arbeitsgruppe Unterforst sowie Isabel Maier von der Denkmalpflege der Stadt tauschten unter der Moderation von Stadtbaurätin Frauke Burgdorff zahlreiche Ideen aus. Frau Mensger-Jacobs betonte, dass es für die Weiterentwicklung konkrete Unterstützung bereits angestoßener Projekte und zukünftige Entwicklungsperspektiven vom Bistum sowie der Stadt brauche. „Wir wurden aufgefordert, zu zeigen, was wir tun können – und wir haben geliefert!“
Auch eine Premiere eines Kurzfilms des Produzenten Bernd Weishaupt war Teil des Programms. Tolle Aufnahmen vom Gebäude, lebhaften Veranstaltungen und Ideen aus der Nachbarschaft brachten den Zuschauenden die Atmosphäre des Ortes näher. Sie zeigten die zahlreichen Ideen und Gedanken, die bereits hier entstanden sind. Eindrücke der Gottesdienste, der studentischen Entwurfsprozesse als auch das Engagement der Gartengruppe regten zum Nachdenken über künftige Nutzungen an.
Im Anschluss hatten die Besucher*innen die Gelegenheit, sowohl die Ausstellung von Baukultur NRW als auch die Arbeiten der Student*innen zu besichtigen. Unter dem Motto „Vom Sakralraum zum Stadtraum“ setzten sich die Student*innen der Fachhochschule Aachen intensiv mit dem Raum auseinander und entwickelten Konzepte, die sensibel mit den Belangen des Denkmalschutzes umgingen.
Die Student*innen der Hochschule München beschäftigten sich ebenfalls mit dem Bauwerk. Sie durften freier an die Entwurfsaufgabe herantreten. So entstanden völlig neue Betrachtungsweisen des Grundstücks und der Bausubstanz.
Die Präsentation der Veranstaltung kann hier abgerufen werden.Film: Wege zur neuen Mitte – St. Bonifatius
Vom 1. bis zum 29. April, mittwochs und freitags ab 16 Uhr
Produktion: Bernd WeishauptNeben den Ausstellungen konnten Besucher*innen während den Öffnungszeiten in der Sakristei den Film „Wege zur neuen Mitte – St. Bonifatius“ schauen. Der Produzent begleitet das Projekt seit 2024 und nahm an zahlreichen Events teil. Die sorgfältige Auseinandersetzung mit der architektonischen Wirkung und der kirchlichen Nutzung des Sakralraums unterstreicht die Bedeutung des Gebäudes für das Quartier.
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Zahlreiche Stimmen aus den Gemeinden, der Nachbarschaft und der Studierenden kommen zu Wort und bieten einen Einblick in aktuelle und zukünftige Nutzungsmöglichkeiten. Auch die Stadtteilperspektive mit dem durch die Politik beschlossenen Leitbild zur Entwicklung neuer Mitten im Bestand als Begegnungsorte für die Gesellschaft im Quartier wird hier kurz vorgestellt. Was bereits umgesetzt werden konnte, zeigt die Gartengruppe Mataréstraße: der zuvor verwilderte Kirchgarten wurde zur grünen Oase für interessierte Bürger*innen aus dem Stadtteil.Studentische Entwürfe der FH Aachen zu St. Bonifatius
Am 8. und 15. April ab 16 Uhr, zwischen 20 und 30 Besucher*innen
Führung: Prof. Dr.-Ing. Anke FissabreWie könnte die Kirche denkmalgerecht umgenutzt werden? Frau Prof. Dr.-Ing. Anke Fissabre erläuterte interessierten Besucher*innen die Konzept- und Entwurfsideen ihrer Student*innen. In der Veranstaltung entwickelte sich schnell eine offene, kommunikative Atmosphäre: Viele Besucher*innen kamen ins Gespräch, tauschten Meinungen und eigene Erfahrungen mit Kirchenumnutzungen aus.
© Stadt Aachen
Ein Besucher zeigte sich besonders begeistert über den offenen Prozess im Stadtteil zur Zukunft des Gebäudes. „Ich bin extra aus Bocholt gekommen, da wir auch in einer modernen Kirche aufgewachsen sind.“ Dass so viele Akteur*innen miteinbezogen würden und gemeinsam unterschiedliche Projekte rund um die Kirche anstießen, sei der richtige Weg, um über ein so bedeutsames Bauwerk nachzudenken.Jazz von Anirahtak und Jürgen Sturm
Am 10. April ab 20 Uhr, etwa 60 Besucher*innen
Musik: Anirahtak und Jürgen SturmDas seit über 30 Jahren gemeinsam musizierende Duo lud an diesem Abend zum Jazzkonzert in der Kirche. Die beeindruckende Akustik des Baus konnte durch die vielseitigen Musikstücke erlebt werden.
© Stadt AachenEine Besucherin sagte im Anschluss der Veranstaltung: „Im Vorfeld war ich sehr gespannt, ob es in Unterforst ein Publikum für ein Jazz-Konzert geben würde. Dass so viele Menschen aus der näheren Umgebung kamen, hat mich unglaublich gefreut. Da ist also ein Bedarf und das macht Mut auf mehr!"
Nach der Veranstaltung blieben einige Gäste, um den Film von Herrn Weishaupt in der Sakristei anzusehen.
Gartenfest und Flohmarkt rund um St. Bonifatius
Am 17.April ab 15 Uhr, zwischen 65 und 80 Besucher*innen
Organisation: Gartengruppe, städtisches Quartiersmanagement Forst / Driescher HofMitte April lud die Gartengruppe bei sonnigem Frühlingswetter zu einem Fest im Garten der Kirche. Die Gruppe hatte sich vorgenommen, den ehemaligen Kirchgarten wieder zu nutzen. Die inzwischen völlig verwilderte Fläche musste zunächst freigeschnitten und aufgeräumt werden. Inzwischen gibt es dort großzügige Sitzgelegenheiten, einen angelegten Kräuterbogen, blühende Stauden, Hochbeete und Beerenobst. Eine frisch angelegte Blühwiese wird im Sommer zahlreiche Insekten anlocken.
© Stadt AachenUm der Nachbarschaft das Projekt näher zu bringen, wurde leckerer Kuchen gebacken und Kaffee gekocht. Kinder (und Erwachsene) konnten an einem Basteltisch Bienen aus Wolle und einem Kiefernzapfen basteln. Eine Gärtnerin freute sich über ein spontanes Geschenk: „Ein Nachbar beschenkte die Gartengruppe mit einer ganzen Palette vorgezogener Gemüsepflanzen." Einige Besucher*innen des Gartenfests griffen zu und transportierten die Setzlinge nach Hause, um sie dort zu pflanzen.
Viele Besucher*innen schlenderten auch über den Flohmarkt. Wer selbst Dinge verkaufen wollte, konnte einfach einen eigenen Stand auf dem Vorplatz der Kirche aufbauen.
Was wächst denn da?
Am 15. und 24. April ab 16:30 Uhr, zwischen 10 und 20 Besucher*innen
Organisation: Gartengruppe MataréstraßeDie Gartengruppe führte an zwei Terminen interessierte Besucher*innen durch den neu gestalteten Kirchgarten. Dabei wurden vor allem Wildpflanzen vorgestellt, die im Alltag oft übersehen werden. Egal ob Knoblauchsrauke, Löwenzahn oder der invasive japanische Staudenknöterich: viele Wildkräuter sind relativ leicht zu erkennen und können in der Küche zu köstlichen Speisen verarbeitet werden!
© Stadt AachenEinige Besucherinnen hatten unmittelbar Rezeptempfehlungen für die anderen Teilnehmenden. So entwickelte sich ein reger Austausch zu unterschiedlichsten Verarbeitungsmöglichkeiten und Vorlieben zur Würzung der Speisen.
Großes Interesse bestand auch an den Experimenten zu neuen Anbaumethoden im Garten: die Schlüsselloch-Hochbeete seinen der Versuch, Gemüsepflanzen weniger bewässern zu müssen und besser mit Nährstoffen zu versorgen. Diese Methode stamme aus trockenen Regionen und führe zu tiefer wurzelnden Setzlingen. Ob dies auch in unserer Lage funktioniert, wird die diesjährige Gartensaison zeigen!Im Anschluss konnten verschiedene Brotaufstriche und gesammelte Kräuter aus dem Garten mit frischem Baguette probiert werden.
Leckereien auf der „Tafel der Begegnung“
Am 22.April ab 16:30 Uhr, etwa 50 Besucher*innen
Organisation: städtisches Quartiersmanagement Forst / Driescher HofGeschirr und ein teilbares Gericht – mehr braucht es nicht! Am 22. April waren Interessierte zur „Tafel der Begegnung“ eingeladen. Bei tollem Wetter konnte auf dem Vorplatz von St. Bonifatius gespeist werden. Durch die vielen Besucher*innen entstand ein abwechslungsreiches Buffet, teils sogar mit frischen Zutaten aus dem benachbarten Quartiersgarten.
© FeldhausWas passiert gerade im Stadtteil? Welche Rolle könnte einmal die Kirche als offener Ort für alle spielen? Diese und weitere Fragen wurden unter den Teilnehmenden diskutiert. Klar war schnell: St. Bonifatius bietet viel Potential für die Nachbarschaft und sollte ein lebendiger Ort der Begegnung werden!
Ausstellungsführung „Kirchen als Vierte Orte. Perspektiven des Wandels“
Am 24. April ab 17 Uhr, 18 Besucher*innen
Führung: Felix Hemmers, Baukultur NRWAls Station der Wanderausstellung „Kirchen als Vierte Orte. Perspektiven des Wandels“ bespielte diese Veranstaltung einen Monat lang den Innenraum von St. Bonifatius. Die Ausstellung zeigte zahlreiche, bereits realisierte Beispiele zu Umnutzungen sowie Video-Interviews beteiligter Akteur*innen.
© Stadt AachenHerr Hemmers von Baukultur NRW zeigte sich am Tag der Führung erfreut über das große Interesse und die zahlreichen Besuchenden, die den Weg zur Ausstellung gefunden hatten. Zunächst gewährte er persönliche Einblicke in seinen Werdegang und berichtete, dass seine Faszination für die Umnutzung von Kirchengebäuden bereits während seines Studiums entstand. Seither beschäftige ihn die Frage, wie sich diese besonderen Räume sensibel und zugleich zeitgemäß weiterdenken lassen.
Mit St. Bonifatius rückte er einen Ort in den Mittelpunkt, der durch seine eindrucksvolle Lichtwirkung und die bemerkenswerte Offenheit des Raums besticht. Anhand ausgewählter Beispiele zeigte er, wie vielfältig Umnutzungen ausfallen können: von einem Fahrradgeschäft über Wohnraum bis hin zu einer Kindertagesstätte. So wurde deutlich, dass es keine Standardlösungen für die Umnutzung von Kirchenräumen geben könne: jeder Eingriff erfordere eine individuelle, auf den jeweiligen Ort abgestimmte Herangehensweise.
Als persönliches Lieblingsbeispiel hob er die Umnutzung zum Fahrradgeschäft hervor: Die Werkstatträume wurden geschickt in die niedrigeren Seitenflügel integriert, während der zentrale Kirchenraum weitgehend erhalten blieb. Besonders wichtig war dabei der respektvolle Umgang mit dem Gebäude – nicht zuletzt, weil der Betreiber selbst früher einmal Mitglied der Gemeinde war. Auf auffällige Werbung wurde bewusst verzichtet, um die Würde des Ortes zu bewahren.
Im Anschluss an die Ausstellung suchte ein Besucher gezielt das Gespräch mit Herrn Hemmers. Er zeigte sich betroffen über den geplanten Abriss einer architektonisch bedeutsamen Kirche in Herzogenrath. Gemeinsam wurden mögliche Vorgehensweisen und Perspektiven diskutiert, wie ein solcher Verlust vielleicht noch abgewendet werden könnte.
Abschlussveranstaltung mit Lesung und Improvisationstheater
Am 29. April ab 19:30 Uhr, etwa 60 Besucher*innen
Programm: Willi Achten mit Autor*innengruppe, Johanna Schmidt (musikalische Begleitung),
Improvisationstheater „Ohne Ganz“Den Abschluss des ereignisreichen Monats gestaltete eine Gruppe von Autor*innen, die sich unter der Leitung von Willi Achten literarisch mit der Kirche St. Bonifatius auseinandersetzte. Die Geschichten über das Leben des Architekten, eigene Erfahrungen mit dem Ort, Fragen zum Umgang mit Tod und Trauer prägten den ersten Teil des Abends. Johanna Schmidt begleitete die acht Lesungen mit ihrer Geige, dessen Klang den Innenraum der Kirche gefühlvoll ausfüllte.
© Stadt AachenIm Anschluss präsentierte das Improvisationstheater „Ohne Ganz“ auf auflockernde Art und Weise ihr Können. Den Höhepunkt bildete die „Jagd nach dem Fördertopf“, die das Ensemble in Zeitlupe darstellte und das Publikum belustigt auflachen ließ.
Der Abend stiftete zahlreiche Impulse zu Wandel, Veränderung und Erinnerung. Die Zukunft der Kirche, die exemplarisch für hunderte Kirchen in der Region steht, wurde in diesem Monat facettenreich beleuchtet, diskutiert und vor allem erlebt. Die Ausstellung und das Begleitprogramm haben einen Austausch und Begegnung unterschiedlicher Menschen im Quartier ermöglicht. Dank der Unterstützung vieler Beteiligter konnten all diese Aktionen umgesetzt werden. Auch in Zukunft gilt es, im Rahmen des Wandlungsprozesses die Akteur*innen, die Nachbarschaft und interessierte Besucher*innen mitzunehmen und zu unterstützen, um Menschen weiterhin an diesem besonderen Ort zusammenzubringen