Aachen in Zahlen 2026

Aachen in Zahlen im Mai 2026: Die Aachener Wanderungsdynamik im NRW-Vergleich

  • Die Wanderungsdynamik ist hier – im Vergleich mit den anderen Städten in Nordrhein-Westfalen – ungewöhnlich hoch.
  • Die meisten Zuzüge erfolgen in der Altersklasse von 18 bis 25 Jahren.
  • Vor allem die innerstädtischen Bezirke weisen eine höhere „Wanderungsintensität“ auf.
  • Bevölkerungsdaten

    Aachen ist eine stetig wachsende Stadt. Grund dafür ist der rege Zuzug aus dem In- und Ausland, der nicht nur die Wegzüge übertrifft, sondern auch den negativen Saldo aus Geburten und Sterbefällen kompensiert. Insgesamt wurden in den vergangenen zehn Jahren, genauer gesagt zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 31. Dezember 2025 203.719 Zuzüge und 194.212 Wegzüge in der Wanderungsstatistik des Melderegisters registriert. In diesem Zeitraum beträgt der kumulierte Wanderungssaldo demnach plus 9.507 Personen, der natürliche Saldo aus Geburten und Sterbefällen summiert sich im selben Zeitraum auf minus 3.142 Personen. Die Gesamtbevölkerung der Stadt Aachen wuchs derweil von 254.782 Personen (2016) auf 262.765 (2025), was ein Plus von 7.983 Einwohnerinnen und Einwohnern bedeutet. Die folgende Grafik zeigt diese beiden Komponenten der Bevölkerungsentwicklung im Jahresverlauf.

    Während der natürliche Saldo durchgängig negativ ist und von minus 42 im Jahr 2016 auf minus 565 im Jahr 2025 gesunken ist, schwankt der Wanderungssaldo stark. Auf einen außergewöhnlich hohen Wert im Jahr 2022 mit plus 3.635 Personen folgte 2024 ein starker Einbruch auf minus 1.205, bevor 2025 wieder ein Plus von 1.481 verzeichnet wurde.

    Angesichts der hohen Zahlen an Zuzügen und Wegzügen stellt sich die Frage, ob Aachen hier im Landesvergleich heraussticht. Daher wurden die Aachener Wanderungszahlen mit den Zahlen der anderen kreisfreien Städte in Nordrhein-Westfalen verglichen.

  • Wanderungsdaten im NRW-Vergleich

    Die folgenden drei Grafiken zeigen die Wanderungsbewegungen der 22 kreisfreien Städte in Nordrhein-Westfalen zwischen 2016 und 2024, jeweils bezogen auf 1.000 Einwohner. Aachen ist in jeder Darstellung gelb hervorgehoben, alle übrigen kreisfreien Städte erscheinen als hellgraue Linien im Hintergrund.

    Beim Wanderungssaldo, fällt auf, dass sich Aachen nicht systematisch von den anderen kreisfreien Städten abhebt. Über den gesamten Beobachtungszeitraum bewegen sich die Werte für Aachen meist im Mittelfeld. Der Median der übrigen Städte lag in den meisten Jahren zwischen plus 1 und plus 7 je 1.000 Einwohner.

    Der Wanderungssaldo der Stadt Aachen schwankte zwischen minus 4,6 (2024) und plus 13,9 (2022). Das Jahr 2022 hebt sich für alle Städte deutlich vom übrigen Verlauf ab. Auch 2024 ist ein Ausreißer, allerdings in die andere Richtung: Aachen verzeichnete als eine der wenigen Städte einen klar negativen Saldo, während der Median der übrigen Städte mit plus 4,3 weiter im Plus blieb.

    Ein ganz anderes Bild ergibt sich bei den Zuzügen: Hier zeigt sich eine deutliche Spreizung zwischen Aachen und den übrigen kreisfreien Städten. Aachen lag im gesamten Zeitraum konstant an der Spitze oder knapp dahinter. Mit durchschnittlich rund 78 Zuzügen je 1.000 Einwohner liegt die Stadt deutlich über dem Median der anderen kreisfreien Städte (rund 52 je 1.000 EW). Die mit Abstand höchste Quote erreichte Aachen im Jahr 2022 mit 87,9, der niedrigste Wert wurde 2024 mit 67,6 erreicht.

    Die Seite der Wegzüge spiegelt dieses Muster nahezu symmetrisch wider. Auch hier liegt Aachen mit durchschnittlich rund 75 Wegzügen je 1.000 Einwohner deutlich über dem Median der übrigen kreisfreien Städte (etwa 47). Allerdings waren die Wegzüge im betrachteten Zeitraum deutlich weniger Schwankungen unterworfen. Insgesamt zeigt sich, dass die Schwankungen im Saldo durch die Veränderungen bei den Zuzügen bestimmt werden.

  • Altersstruktur

    Die folgenden drei Grafiken schlüsseln die Wanderungsbewegungen nach Altersklassen auf. Die Wanderungszahlen sind jeweils gemittelt über die Jahre 2015 bis 2024 und bezogen auf 1.000 Einwohner. Dargestellt sind die Grafiken für Aachen, für den Durchschnitt der übrigen Universitätsstädte in NRW (ohne Aachen) und für den Durchschnitt der Nicht-Universitätsstädte. Die farbigen Balken zeigen jeweils Zuzüge (gelb, rechts) und Wegzüge (dunkelgrau, links); der graue Spiegel im Hintergrund stellt den jeweiligen Gegenwert dar, sodass auf einen Blick erkennbar wird, in welchen Altersklassen Zu- und Wegzüge auseinanderlaufen.

    Das Profil Aachens ist klar von einer Altersgruppe geprägt: In der Klasse 18 bis 25 verzeichnet die Stadt im Schnitt 34,7 Zuzüge je 1.000 Einwohner, während im selben Zeitraum nur 17,8 Wegzüge erfolgen. Das ergibt einen Zuzugsüberschuss von rund 17 je 1.000 EW. In den höheren Altersklassen kehrt sich das Muster um. Bei den 25- bis 30-Jährigen überwiegen die Wegzüge mit 20,9 gegenüber 14,9 Zuzügen, bei den 30- bis 50-Jährigen mit 22,1 gegenüber 15,9.

    Die übrigen Universitätsstädte zeigen im Durchschnitt ein ähnliches Grundmuster, allerdings in deutlich abgemilderter Form. Auch hier ist die Altersklasse 18 bis 25 diejenige mit den meisten Zuzügen (16,1 je 1.000 EW gegenüber 10,7 Wegzügen), und auch hier folgt in der Gruppe der 25- bis 30-Jährigen ein leichter Überschuss an Wegzügen. Der durchschnittliche Zuzugsüberschuss bei den 18- bis 25-Jährigen in den Universitätsstädten beträgt rund 5 je 1.000 Einwohner. In Aachen sind es 17, also mehr als das Dreifache. 

    Die Nicht-Universitätsstädte weisen ein grundlegend anderes Profil auf: Hier verteilen sich Zu- und Wegzüge gleichmäßiger über alle Altersklassen, ohne eine einzelne dominierende Spitze. Die stärksten Zuzüge entfallen mit 17,0 je 1.000 EW auf die 30- bis 50-Jährigen, gefolgt von den unter 18-Jährigen mit rund 9,4. Auch der Saldo verteilt sich gleichmäßiger. Diese Städte gewinnen vor allem in den Familienjahren (U18 und 30-50) leicht hinzu, während die anderen Altersklassen nahezu ausgeglichen sind. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Altersklassen in Aachen ein für Universitätsstädte übliches Wanderungsmuster aufweisen, welches jedoch durch dessen starke Ausprägung hervorsticht.

  • Wanderungsintensität und Altersklassen in Aachen

    Die folgenden drei Darstellungen zeigen die räumliche Verteilung der Wanderungsbewegungen innerhalb Aachens, aggregiert auf die 34 statistischen Bezirke. Betrachtet wird der Zeitraum 2016 bis 2025.

    Die erste Karte zeigt den durchschnittlichen Anteil der 18- bis 25-Jährigen an der Bevölkerung je statistischem Bezirk im Zeitraum 2016 bis 2025. Die Spannweite ist beträchtlich. Während in den Außenbezirken wie Kornelimünster (5,9 %), Walheim (6,0 %), Oberforstbach (6,6 %), Brand (7,0 %) oder Richterich (7,0 %) der Anteil junger Erwachsener gering ist, weisen die Innenstadtbezirke deutlich höhere Werte auf. Ponttor erreicht 32,8 %, Markt 27,7 %, Lindenplatz 27,2 %, St. Jakob 26,4 % und Theater 25,6 %. Der Median über alle Bezirke liegt bei 12,9 %.

    Die zweite Karte bildet die durchschnittliche Wanderungsintensität ab; also die Summe aus Zu- und Wegzügen je 1.000 Einwohner. Auch hier stechen die Innenstadtbezirke hervor. Im Bezirk Markt wurden im betrachteten Zeitraum durchschnittlich rund 281 Wanderungsbewegungen je 1.000 Einwohner verzeichnet, in Ponttor 273, in Theater 264 und am Kaiserplatz 246. Am Stadtrand liegt die Intensität dagegen deutlich niedriger: In Walheim, Brand und Oberforstbach unter 80. Der Median über alle Bezirke liegt bei rund 161 Wanderungsbewegungen je 1.000 Einwohner.

    Das Streudiagramm verdeutlicht den Zusammenhang zwischen beiden Größen: Der Anteil der 18- bis 25-Jährigen an der Gesamtbevölkerung und die Wanderungsintensität hängen eng zusammen. Je mehr junge Erwachsene in einem Bezirk leben, desto höher ist auch die Wanderungsdynamik. Die Größe der Punkte zeigt zusätzlich den absoluten Wanderungssaldo, die Farbe das Vorzeichen (gelb: positiv, dunkelgrau: negativ). Auffällig sind die Bezirke mit hoher Intensität und positivem Saldo: Ponttor verbucht mit plus 1.402 den größten Wanderungsgewinn unter den innenstadtnahen Bezirken, gefolgt von Kaiserplatz (plus 991) und Theater (plus 852). Den absolut höchsten Saldo verzeichnet allerdings Vaalserquartier mit plus 1.654, einem Bezirk mit eher mittlerem Anteil junger Erwachsener. Die stärksten Verluste verbuchen Eilendorf (minus 805), Brand (minus 802) und Hanbruch (minus 353). Insgesamt weisen 21 der 34 statistischen Bezirke einen positiven Wanderungssaldo auf.

    Man kann also sagen, dass Aachen eine Stadt mit ungewöhnlich hoher Wanderungsdynamik bei nur moderatem Wanderungssaldo ist. In den Wanderungsdaten korrelieren Schwankungen im Wanderungssaldo vor allem mit Schwankungen in den Zuzügen. Der maßgebliche Faktor ist hier die Altersklasse 18 bis 25, da nur in dieser ein deutlicher Überschuss an Zuzügen vorliegt. Aachener Bezirke mit einem hohen Anteil an 18 bis 25-Jährigen weisen in der Regel eine hohe Wanderungsintensität und einen positiven Wanderungssaldo auf.

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