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KiTa Bergstraße hat jetzt einen Quappenkindergarten

  • In der KiTa werden Titicacariesenfrösche gezüchtet.
  • In der freien Wildbahn sind die Tiere vom Aussterben bedroht.
  • Die KiTa ist die erste in Deutschland, die bei dem Zuchtprogramm mitmacht.

Rüdiger geht es prächtig! Und das ist nicht selbstverständlich, denn Rüdiger ist ein Frosch, genauer ein Telmatobius – oder auch Titicacariesenfrosch. Und so gut es Rüdiger in der städtischen Tageseinrichtung für Kinder Bergstraße geht, so schlecht geht es manchen seiner Artgenossen in freier Wildbahn, denn Titicacariesenfrösche sind vom Aussterben bedroht.

© Stadt Aachen/ Maya Clermont
Essenszeit: Die KiTa-Kinder füttern Rüdiger und seine Familie. Foto: Stadt Aachen/Maya Clermont

Im Oktober 2022 erhielt die KiTa Bergstraße fünf Titicacariesenfrösche aus einem Erhaltungszuchtprojekt des Löbekke Museum und Aquazoos in Düsseldorf. Initiator war Citizen Conservation. Die Organisation arbeitet am Aufbau von Erhaltungszuchtprogrammen für bedrohte Tierarten, wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert und koordiniert entsprechende Zuchtprogramme. Bislang nehmen, neben institutionellen und privaten Tierhaltern, bundesweit vor allem Schulen am Programm teil. Die KiTa Bergstraße ist die erste Kindertagesstätte in Deutschland, die teilnimmt. Und mit gespendeter Technik der Fachfirma für Aquarien, Gartenteiche und Terrarien Sera aus Heinsberg stand der Froschzucht nichts mehr im Weg.

© Stadt Aachen/ Maya Clermont
Da sind Rüdiger und sein Verwandter: Ihnen geht es in der KiTa Bergstraße prächtig. Foto: Stadt Aachen/Maya Clermont

Die liebevoll „Titis“ getauften Frösche gewöhnten sich rasch in der KiTa ein und wuchsen heran. Im Sommer 2023 entdeckten die Kinder vollkommen überraschend schon eine erste Kaulquappe: Rüdiger war da! Er entwickelte sich vorbildlich und wuchs unter großer Anteilnahme aller innerhalb von vier Monaten zum Frosch heran. Ende 2023 konnten Kinder und Mitarbeiter*innen der KiTa einen weiteren Amplexus beobachten – so nennt man den Zustand der Umklammerung der Weibchen von Froschlurchen durch die Männchen während der Paarungszeit. Noch mehr Nachwuchs war also zu erwarten. Zeit, einen Quappenkindergarten einzurichten.

„Nur was man kennt, kann man später auch wertschätzen“
Bei dem Projekt geht es der KiTa nicht nur darum, kleine Frösche zu züchten. „Es geht auch um Themen wie Biodiversität oder Artenschutz. Nicht sagen, es gibt Insektenstreben, sondern erklären, wie man es aufhalten kann. Ein erster Ansatz zu den Naturwissenschaften“, ist Jürgen Starkes, Leiter der KiTa Bergstraße, überzeugt. Im Oktober 2020 organisierte der Fachbereich Kinder, Jugend und Schule der Stadt Aachen einen Fachtag zum Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ für alle städtischen pädagogischen Mitarbeitenden. Ein Ziel dieser Veranstaltung war es, Bildung für nachhaltige Entwicklung als Querschnittsthema in alle Bildungsbereiche der pädagogischen Arbeit der Kindertagesstätten zu implementieren. Einer dieser Bildungsbereiche ist der ökologische, der viele Aspekte abdeckt, die Kinder für Natur und Umwelt sensibilisieren, emotionales Lernen mit allen Sinnen ermöglicht und die Chance bietet, erste Schritte für ein ökologisches Bewusstsein zu entwickeln. Die städtischen KiTas arbeiten nach den Bildungsgrundsätzen für „Frühkindliche Bildung NRW“. „Diese Art der Wissensvermittlung ist für die Pädagogik essentiell, die praktische Erfahrung, Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen“, lobt Jessica Muckel, pädagogische Teamleiterin im Fachbereich Kinder, Jugend und Schule der Stadt, den Ansatz der KiTa, in der – neben der Froschzucht – auch ein Terrarium mit Gespensterschrecken und ein Aquarium mit Fischen eine Heimat haben.

© Stadt Aachen/ Maya Clermont
Freuen sich über das gelungene Projekt: Michaela Ravnak-Bürschgens, Geschäftsführerin Sera, Dominik Capser, Sera, Jennifer Muckel, Fachbereich Kinder, Jugend und Schule und Jürgen Starkes, Leiter Kita Bergstraße (v.l.). Foto: Stadt Aachen/Maya Clermont

Verantwortung heißt hier: Die Kinder füttern alle Tiere regelmäßig, wechseln das Wasser oder halten die Aquarien und Terrarien sauber. Das ist für die Firma Sera auch ganz wichtig: „Wir freuen uns immer, wenn wir so engagierte Menschen wie hier haben. Dann unterstützen wir solche Projekte, die solche wichtigen Werte vermitteln, auch gerne“, so Dominik Casper von Sera. Und wenn man sieht, wie begeistert und neugierig Henry, Tarek und Ella gerade die Frösche füttern, braucht sich Casper keine Sorgen zu machen. Es steht und fällt mit der Pflege der Tiere: „Die Tiere müssen ja auch in den Ferien versorgt werden.“ Der Titicacariesenfrosch war für Sera auch kein Unbekannter, denn auch im Aquazoo Düsseldorf ist Sera engagiert.

Waldtage, Gärtnern oder Exkursionen bieten den pädagogischen Mitarbeitenden vielseitige Möglichkeiten frühkindliche Bildungsprozesse zu fördern. Das Durchschauen von Zusammenhängen in der Natur sorgt für erste Erkenntnisse, die später in der Schule in naturwissenschaftlichen Fächern vertieft werden. Der Forschergeist wird angeregt. „Aber in der Corona-Zeit war das weg“, erinnert sich Starkes. Und auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels kann eine kontinuierliche Auseinandersetzung außerhalb der KiTa nicht immer gewährleistet werden. Andere Ansätze in der KiTa mussten her. Und so kam man auf den Frosch.

Themen aus dem Alltag der Kinder
Die KiTa Bergstraße, als erster Bildungsort für Kinder außerhalb der Familie, bietet innerhalb der Einrichtung mit einem großen Aquarium und einem Insektarium die Möglichkeit, Tiere zu beobachten und diese zu pflegen. Diese Lernorte bieten zudem einen Raum für philosophische Betrachtung und Gespräche zu Themen wie Klimawandel, Insektenschwund und Artensterben, aber auch zum Thema Tod, wenn eines der Tiere stirbt oder zur Fortpflanzung. „Wir wollten diese Themen, die allgegenwärtig die Lebenswelten der Kinder berühren, im Kitaalltag positiv besetzten“, so Jürgen Starkes: „Nur was man kennt, kann man später auch wertschätzen!“

Wichtiger Hinweis
Die Entnahme von einheimischem Froschlaich ist streng verboten!

Weitere Infos
www.duesseldorf.de/aquazoo
www.citizen-conservation.org/

Herausgegeben am 15.05.2024

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