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Grundlagen zum Thema Lärm

Wann wird ein Geräusch zu Lärm? [Text im pdf-Format]

Oft sind Geräuschbelästigungen Grund für eine Beschwerde bei den Umweltbehörden. Zunächst handelt es sich bei dieser Beschwerde um eine subjektive Wahrnehmung – und es steht außer Frage, dass die Menschen sich belästigt und gestört fühlen. Es geht zunächst um ein Geräusch, das es zu beurteilen gilt.

Die Aufgabe der Ordnungsbehörde besteht darin festzustellen, ob tatsächlich eine „erhebliche“ Belästigung im Sinne der entsprechenden Rechtsnormen vorliegt. Bei einer nachgewiesenen Richtwertüberschreitung spricht man dann auch von Lärm.

Wie beurteilt/bewertet man nun ein Geräusch?

Zur Beurteilung sind folgende Parameter notwendig:

  • Die Quelle des Geräusche (wichtig für die Beurteilungsgrundlage)
  • Der Gebietscharakter (evtl. B-Plan)
  • Die Tageszeit (Tag, Nacht oder Ruhezeiten)
  • Der Wochentag
  • Die Einwirkdauer (wie lange „wirkt“ das Geräusch ein)
  • Die Frequenzverteilung (sind tieffrequente Geräuschanteile vorhanden?)
  • Die Tonhaltigkeit (sind Einzelgeräusche hörbar?)
  • Die Impulshaltigkeit (schnelle Pegeländerungen, z.B. Knallen)
  • Etwaige Fremdgeräusche und die
  • Vorbelastung (in der Umgebung z.B.)

 

Ein paar akustische Grundlagen:

Was ist ein dB und vor allen Dingen was hat es mit dem (A) beim dB(A) auf sich?
Die dB-Angabe ist ein Maß für die Lautstärke eines Geräusches.

Das dB (Dezibel) ist ein Verhältnismaß, das den ermittelten Schalldruck im Verhältnis zum Bezugsschalldruck als logarithmisches Pegelmaß angibt.

Der Schalldruck gibt an, wie hoch die Amplitude der Schwingung ist. Das bedeutet: um diesen Betrag wird der Luftdruck verändert: moduliert.

grafik1aa

Das Ohr ist ein Sensor für Schwankungen des Schalldruckes.
Die untere „Hörschwelle“ ist der Schalldruck p0 von ca. 2 x 10-5 Pa (0,00002 Pa oder 0,0000000002 Bar) : das ist die Untergrenze der menschlichen Wahrnehmung. Sie ist per Definition auf den Wert (0,00002 Pa) festgesetzt.

grafik2

Das menschliche Ohr nimmt eine 1.000.000 fache Änderung des Schalldruckes wahr, erreicht dann bei etwas über 100 dB eine „Unbehaglichkeitsschwelle“ und dann die  „Schmerzschwelle“ bei einem Schalldruck pS von ca. 20 Pa (20,00000 Pa oder 0,0002 Bar)

grafik3

Gemessen wird bei den Dezibel-Werten also zunächst der Schalldruck bzw. Schallpegel. Um ein Geräusch zu bewerten, ist der Pegel allein aber nicht ausreichend, weil mehrere Faktoren mitwirken.
Die Tonhöhe spielt eine Rolle, weil das menschliche Gehör nicht linear auf Frequenzen reagiert: hohe und tiefe Töne werden abgeschwächt wahrgenommen. Der empfindlichste Bereich des Gehörs liegt im mittleren Frequenzbereich – dort findet auch Sprachübertragung statt. Diese Charakteristik wurde in der „A“- Frequenzbewertung nachgebildet. Das Frequenzspektrum, das durch ein gesundes Gehör wahrgenommen werden kann, liegt zwischen ca. 20 Hz und 20 kHz; im Alter schränkt sich das Wahrnehmungsvermögen auf beiden ‚Seiten’ des Frequenzbereiches ein, d.h. sehr hohe und sehr tiefe Töne werden nicht mehr so gut wahrgenommen.

Zur Bewertung eines Geräusches werden also Schalldruck und Frequenzbereiche gemessen; die Messwerte werden dann bewertet. Dieses Schema gibt das Vorgehen wider:

grafik4a

 

Und die Feinheiten der Bewertung….

Der Schalldruck hat den Vorteil, dass er sich hervorragend messtechnisch erfassen lässt. Aber da Messen nur die halbe Wahrheit ist, hat man sich ein paar Parameter überlegt, um die subjektive Störwirkung eines Geräusches abzubilden:

Als Grundlage jeder Beurteilung kann der LAeq angesehen werden, der Mittelungspegel. Darüber hinaus sind für die Beurteilung eines Geräusches noch folgende Parameter wichtig:

LAFmax (Kurzzeitige Geräuschspitzen)

LAFTeq (Taktmaximal-Mittelungspegel)

LAeq - LCeq (Prüfung auf tieffrequente Geräuschanteile)

 

Wo wird gemessen?

Die Messvorschrift der TA-Lärm besagt das 0,5 m vor dem geöffneten Fenster beim Beschwerdeführer zu messen ist. Warum beim Beschwerdeführer? Der Immissionsrichtwert ist als Geräuschkontingent zu sehen und ist ein Maß für alle Geräusche die beim Beschwerdeführer „ankommen“ dürfen (dies ist der so genannte Akzeptor-bezogenene Ansatz). Der Immissionsrichtwert gilt „vor der Fassade“, um von der Bausubstanz unabhängig zu sein

Erst messen und dann rechnen

Nachdem man nun die einzelnen Parameter bei einem Ortstermin messtechnisch erfasst hat, wird der Beurteilungspegel nach folgender Formel errechnet:

grafik5

Von dem Ergebnis werden noch 3 Dezibel Überwachungsabschlag abgezogen. So erhält man den Vergleichswert, der mit dem Immissionsrichtwert aus der entsprechenden Rechtsgrundlage verglichen wird.

 

Jetzt ist klar ob es sich um Lärm im Sinne der einschlägigen Rechtsnormen oder nur um ein Geräusch handelt…

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