Inhalt



Das Archival des Monats Juli 2019…

  •  … zeigt den Eintrag in ein kleines Stammbuch, in dem sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Gäste des Lokals „Im Eulenspiegel“ (Postwagen) verewigen konnten.
  • Der „Postwagen“ war Anziehungspunkt für Akademiker, Studenten und Besucher aus aller Welt. So wie sich heute die Studierenden in der Pontstraße einfinden, so trafen die Studenten sich früher bis in die frühen Morgenstunden im Postwagen.
  • Im Stammbuch finden sich neben einigen außergewöhnlichen Zeichnungen vielerlei humorige und feinsinnige Einträge von einfachen Dankeszeilen, Zitaten und kleinen Gedichten bis hin zu umgedichteten Liedzeilen.

Das Aachener Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archival des Monats. Das Archival mit einem kurzen Begleittext wird entsprechend in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert. Das Archival des Monats Juli 2019 zeigt so den Eintrag in ein kleines Stammbuch, in dem sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Gäste des Lokals „Im Eulenspiegel“ (Postwagen) verewigen konnten.

Seit 360 Jahren Bestandteil des Aachener Lebens
Der „Postwagen“ am Aachener Rathaus ist eines der touristischen Wahrzeichen Aachens und ist seit 360 Jahren ein fester Bestandteil des Lebens in unserer Stadt. Es ist als altes Holzhaus aus dem 17. Jahrhundert das einzige aus dieser Zeit in weiten Teilen erhalten gebliebene Gebäude dieser Bauweise in Aachen.

Direkt nach dem großen Stadtbrand von 1656, dem über 4.200 Gebäude in der Stadt zum Opfer fielen, begann der Wiederaufbau in vorwiegend massiver Steinbauweise. Zuerst entstand am Fuße des Granusturms auch ein dreigeschossiges Haus aus Ziegeln und Blaustein, das bereits im Jahr 1657 fertiggestellt wurde. Daneben wurde an der Rathausmauer ein zweigeschossiges Holzhaus errichtet, das 1659 vollendet wurde. Beide Häuser wurden durch die Jahrhunderte als Wohn- oder Geschäftshäuser genutzt. Im Holzhaus war unter anderem eine Buchhandlung untergebracht, deren Inhaber, im Lesen wohl selbst nicht so erfahren, seinen Kunden gern die Geschichte vom Eulenspiegel erzählte, weshalb das Gebäude auch im Volksmund bald „Zum Eulenspiegel“ genannt wurde.

Ein zusammenhängendes Gebäude als Restaurationsbetrieb
1875 fielen beide Häuser an die Stadt, welche sie 1902 umbauen und zusammenlegen ließ, so dass ein zusammenhängendes Gebäude als Restaurationsbetrieb vermietet werden konnte, das „Zum Eulenspiegel“ heißen sollte, dann aber als „Postwagen“ bekannt wurde. Hier wurde bürgerliche Küche mit Bier- und Weinausschank verbunden.

Beliebter Treffpunkt der Studierenden
Der „Postwagen“ war Anziehungspunkt für Akademiker, Studenten und Besucher aus aller Welt. Besonders unter der Studentenschaft war er sehr beliebt und wurde eine feste Adresse im akademischen Nachtleben. So wie sich heute die Studierenden in der Pontstraße einfinden, so trafen sie sich früher bis in die frühen Morgenstunden im Postwagen. Dies führte sogar soweit, dass sich ein Professor der Hochschule 1912 persönlich dafür einsetzte, die Konzession für den Postwagen von 2 Uhr auf 4 Uhr morgens zu verlängern, damit die Studentenschaft vom nächtlichen Besuch „nicht zu empfehlender Cafés“ abgehalten wurde. Bis zum Zweiten Weltkrieg blieb der Postwagen beliebter Treffpunkt der Studierenden.

Nach dem Krieg und der erfolgten Instandsetzung suchten immer mehr Touristen das gemütliche Ambiente im Postwagen auf, das sich somit nach und nach zu einem beliebten Ausflugsziel und Anlaufpunkt für die Besucher unserer Stadt entwickelte, während die Studierenden zunehmend andere Lokale für das Nachtleben entdeckten.

In den Jahren 1905 bis 1910 waren die Eheleute Wegner Pächter des Postwagens. Sie legten in ihrem Lokal „Im Eulenspiegel (Postwagen)“ ein kleines Stammbuch bereit, in dem sich ihre Gäste mit ein paar Worten oder aber auch mit einer kleinen Zeichnung verewigen konnten. Das Buch wurde der Stadt Aachen im August 1969 durch die Tochter des Ehepaars Wegner geschenkt und daraufhin zur dauerhaften Aufbewahrung an das Stadtarchiv übergeben.

Neben einigen außergewöhnlichen Zeichnungen finden sich vielerlei humorige und feinsinnige Einträge von einfachen Dankeszeilen, Zitaten, kleinen Gedichten bis hin zu umgedichteten Liedzeilen, die ein illustres Bild des Aachener Studentenlebens und der Gastlichkeit unserer Stadt um die Jahrhundertwende vermitteln.

Das Archival des Monats Juli zeigt einen dieser Einträge, der den Text der bekannten Trauerweise des „guten Kameraden“ sehr anschaulich zu einer Trinkerweise umdichtet und dies durch entsprechende Zeichnungen ergänzt:
„Ich hat einen Kameraden, Einen bessern findst du nit. Des Morgens um halb viere, Da kamen wir vom Biere, Im gleichen Schritt und Tritt. Ein Rinnstein lag im Wege. Gilt`s Dir oder gilt es mir? Er hat Ihn weggerissen, Er liegt zu meinen Füßen, Als wär`s ein Stück von mir. Wollt‘ Ihm die Hand noch reichen, Derweil er eben lag. Konnt Ihm die Hand nicht geben. Ich legte mich daneben - Als guter Kamerad.“

Quellen:
Stadtarchiv Aachen – Handschrift 1176
Stadtarchiv Aachen – Buchmeier, Georg: Zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen des Postwagen; Aachen, 1927. Signatur C 623
Stadtarchiv Aachen – Quadflieg, Eberhard: Der Postwagen zu Aachen. Signatur C 623a

Herausgegeben am 01.07.2019 von:

Stadt Aachen
Fachbereich Presse und Marketing
Bernd Büttgens
Markt 39
52062 Aachen
fon: 0241/432-1309
fax: 0241/28-121
mail: presse.marketing@mail.aachen.de

Pressekontakt

Stadt Aachen
Fachbereich Presse und Marketing
Bernd Büttgens
Markt 39
52062 Aachen
Tel.: 0241/432-1309
Fax: 0241/28-121
Mail

Twitter Logo

Facebook Logo instagram