Jüdischer Friedhof Der seit 1822 bestehende Friedhof an der Lütticher Straße ist das wichtigste bauliche Zeugnis der Jüdischen Gemeinde Aachen.

Zu den Hauptaufgaben der Inventarisierung an der Denkmalbehörde der Stadt Aachen gehört es, die vielfach unzureichenden älteren Denkmaleintragungen zu überarbeiten.
Kürzlich wurde die Eintragung des seit 2001 als Baudenkmal geführten Jüdischen Friedhofs konkretisiert. 1822 angelegt, befand sich er anfangs weit vor der Stadt. Da die Synagoge 1938 zerstört wurde, ist er das wichtigste bauliche Zeugnis der bis zur Shoa der NS-Zeit sehr wichtigen Jüdischen Gemeinde Aachen.
Der zunächst sehr kleine Friedhof ist vielfach erweitert worden. Auf ihm liegen zahlreiche für Aachen bedeutende Persönlichkeiten, darunter einige der wichtigsten Fabrikanten. In den 1400 durch Steine gekennzeichneten Gräbern spiegeln sich jüdische Begräbnisvorschriften, aber auch die zunehmende gesellschaftliche Integration der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger und nicht zuletzt das individuelle Selbstbewusstsein der Verstorbenen. Viele der Grabsteine, deren Spektrum vom Klassizismus bis zur Moderne reicht, haben eine künstlerische Bedeutung. Die letzten Gräber von 1942 konnten nur durch Blechschilder bezeichnet werden, bevor die verbliebenen Aachener Juden deportiert und ermordet wurden.
Glücklicherweise hat sich die Jüdische Gemeinde Aachen nach dem Krieg schnell wiedergegründet, sodass der Friedhof heute auch ein Zeugnis aktiven jüdischen Lebens in unserer Stadt ist. Er ist regelmäßig geöffnet und kann daher besichtigt werden.
Dank eines 2022 abgeschlossenen Projektes der FH Aachen ist der Friedhof mit seinen Grabstätten bestens erforscht. Vor kurzem haben die dringend notwendigen größeren Instandsetzungsmaßnahmen begonnen. Dabei ist entdeckt worden, dass die expressionistische Ausmalung der Trauerhalle aus dem Jahre 1928 unter dem heutigen Putz noch vorhanden ist. Wir dürfen also gespannt sein.