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Inhalt



Alt-Haarener-Straße Unfallschwerpunkt

Anlass und Ziel | Heutige Situation | Planung | Kosten |Weiteres Vorgehen

Projektphase: Vor- und Ausführungsplanung

Aktuell: Der Planungsbeschluss wurde am 18.02.2021 durch den Mobilitätsausschuss gefasst. Derzeit wird die Ausführungsplanung erstellt.

Anlass und Ziel

Die Alt-Haarener Straße wird im Abschnitt zwischen Friedenstraße und Haarener Gracht als Unfallschwerpunkt eingeordnet. Im Jahr 2017 haben sich sechs Unfälle ereignet, in drei Fällen waren Radfahrende beteiligt. Die Unfälle ereigneten sich stadteinwärts aufgrund aufschlagender Türen (Unfallursache „Dooring“).

Die Unfallkommission hat am 15.02.2018 aufgrund mehrerer gleichartiger Unfälle mit Radfahrenden beschlossen, dass zum Schutz der Radfahrer*innen eine Veränderung der Straßenaufteilung erfolgen soll. 

Heutige Situation

Die Alt-Haarener Straße liegt im Zentrum des Stadtteils Aachen-Haaren. Sie ist im Trennprinzip ausgebaut. Es gilt die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, in Teilbereichen ist Tempo-30 ausgeschildert.  

Die Alt-Haarener Straße ist eine angebaute Hauptverkehrsstraße. Sie erfüllt damit eine wichtige Funktion für den motorisierten Verkehr, sowohl für den Pkw- als auch für den Bus- und Schwerlastverkehr.

Die Alt-Haarener Straße wird in diesem Abschnitt von den Linien 11, 21, 30 und N6 befahren. Die Linien 11 und 21 fahren jeweils im 30-Minuten-Takt. 

Die Breite der Fahrbahn variiert zwischen 6,28 m und 8,12 m. Die Gehwegbreiten von 2,00 m bis 4,16 m auf der östlichen Straßenseite und von überwiegend ca. 2,00 m auf der westlichen Straßenseite erfüllen nicht durchgehend den in der RASt 06 (Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen) definierten Standard für den Begegnungsfall zweier Fußgänger*innen (2,50 m inkl. Sicherheitsabstand zu Gebäuden und Fahrbahn).

Auf beiden Seiten der Alt-Haarener Straße ist das Parken am Fahrbahnrand zwischen Baumfeldern möglich. Zwischen Haarener Gracht und Friedenstraße stehen 27 Parkplätze zur Verfügung, 18 auf der westlichen und 9 auf der östlichen Fahrbahnseite. Des Weiteren stehen zwischen Friedenstraße und Kochstraße 17 Parkplätze zur Verfügung, fünf auf der westlichen und 12 auf der östlichen Fahrbahnseite.

Zurzeit wird der Radverkehr im Mischverkehr auf der Fahrbahn ohne Schutzstreifenmarkierung geführt. Dementsprechend sind auch keine Sicherheitstrennstreifen vorhanden.

Planung

Erarbeitet wurden zwei unterschiedliche Varianten, die einmal einen ausschließlich dem Radverkehr vorbehaltenen Radfahrstreifen bergauf und einmal durch den Kfz-Verkehr mitbenutzbaren beidseitigen Schutzstreifen für den Radverkehr aufweisen. Beiden Varianten ist gemein, dass auf der westlichen Straßenseite alle 18 Längsparkstände entfallen. 

Variante 1 - Radfahrstreifen stadtauswärts

Variante 1 berücksichtigt den Beschluss der Unfallkommission und entschärft den Unfallschwerpunkt zwischen Friedenstraße und Haarener Gracht durch die Aufgabe der stadteinwärtigen Parkstände.

Es wird lediglich die westliche Straßenseite umgebaut. Der östliche Gehweg bleibt unberührt.

Stadtauswärts wird ein 2,00 m breiter Radfahrstreifen (1,50 m zzgl. 0,50 m Sicherheitsabstand zum fließenden Verkehr) zzgl. 0,50 m Sicherheitstrennstreifen neben dem Parken markiert, der ab Haus 155 in einen 1,75 m breiten Schutzstreifen übergeht. Damit wird auf dieser Seite ein sicheres bergauffahren ermöglicht.

Die Fahrbahnbreite wird neben der Radverkehrsanlage mind. 6,00 m (Vorgaben der RASt zum Begegnungsfall Bus/Bus bei eingeschränkten Bewegungsspielräumen) betragen.

Zu Gunsten der Radverkehrsanlage wird der westliche Gehweg auf ca. 2,50 m, punktuell (wie an der Kirchentreppe) auf 2,13 m, verschmälert.

Auf der westlichen Fahrbahnseite entfallen zwischen Haarener Gracht und Friedenstraße alle 18 Parkplätze zu Gunsten einer breiteren Fahrbahn inklusive Radverkehrsanlagen. Dadurch wird der Unfallschwerpunkt für Radfahrer*innen entschärft. Außerdem entfallen drei Bäume zwischen den Parkständen. Auf der östlichen Straßenseite sind weiterhin neun 2,00 m breite Längsparkstände vorgesehen.

Die stadteinwärtig, bergab fahrenden Radfahrer*innen fahren weiter im Mischverkehr mit dem fließenden Verkehr und erhalten am Knoten zur Haarener Gracht einen vorgezogenen Aufstellbereich. Ein zusätzliches Signal für den Radverkehr, inkl. Vorlaufzeit, wird im Rahmen der Ausführungsplanung geprüft. 

Variante 2 - Schutzstreifen beidseitig bis Friedenstraße

Variante 2 sieht eine beidseitige Schutzstreifenlösung zwischen Haarener Gracht und Friedenstraße vor. Stadtauswärts wird der Schutzstreifen bis zur Kochstraße geführt. Dort wird er an den bestehenden Schutzstreifen angeschlossen.

Wie bei Variante 1 wird lediglich die westliche Straßenseite umgebaut. Der östliche Gehweg bleibt unberührt. Beidseitig wird zwischen Haarener Gracht und Friedenstraße ein 1,50 m breiter Schutzstreifen zzgl. 0,50 m Sicherheitstrennstreifen neben dem Parken markiert. Die Restfahrbahn für den MIV wird zwischen Haarener Gracht und Friedenstraße zwischen den Schutzstreifen 5,00 m bis 5,75 m messen.

Für diese Variante wird der westliche Gehweg bis auf eine Breite von 1,87 m verschmälert.

Radfahrer*innen erhalten am Knoten zur Haarener Gracht einen vorgezogenen Aufstellbereich.

Auf der westlichen Fahrbahnseite entfallen zwischen Haarener Gracht und Friedenstraße alle 18 Parkplätze, wie in Variante 1. Somit wird der Unfallschwerpunkt (Unfallursache „Dooring“) für Radfahrer*innen entschärft. Außerdem entfallen - wie bei Variante 1 - drei Bäume zwischen den Parkständen auf der westlichen Seite. Auf der östlichen Straßenseite sind weiterhin neun 2,00 m breite Längsparkstände vorgesehen.

Im Abschnitt Friedenstraße bis Kochstraße entfallen weitere 12 Parkplätze. Insgesamt entfallen damit 30 der 44 Parkplätze zwischen Haarener Gracht und Kochstraße. 

Erweiterungsmöglichkeit für Variante 2:

Variante 2 kann um einen 1,50 m breiten Schutzstreifen auf der stadteinwärtigen Straßenseite zwischen Friedenstraße und Kochstraße erweitert werden. Hierzu müssen zusätzlich die fünf baulich angelegten Parkplätz auf der nördlichen Fahrbahnseite entfallen.  

Sowohl bei Variante 2 als auch bei der Erweiterungsoption ist zu erwarten, dass Fahrzeuge wegen der geringen Restfahrbahnbreite den Schutzstreifen häufig überfahren. 

Parkraumbilanz 

 

westliche Fahrbahnseite

östliche

Fahrbahnseite

Summe

Bestand

23

21

44

Variante 1

5

9

14

Variante 2

5

9

14

Variante 2 erweitert

0

9

9

Tab. 1:   Parkraumbilanz zwischen Haarener Gracht und Kochstraße

 

Im Kontext der Neugestaltung des Kirchenumfeldes St. Germanus befindet sich aktuell die Realisierung einer Parkpalette in der Prüfung. Hierdurch sollen die im Rahmen des Umbaus entfallenen Parkplätze weitestgehend kompensiert werden.
 

Baumbilanz 

Bestand

10

Variante 1

7

Variante 2

7

Variante 2 erweitert

7

Tab. 2: Baumbilanz - Anzahl der Straßenbäume zwischen Haarener Gracht und Kochstraße

 

Für die Alt-Haarener Straße soll unabhängig von der Variante ein durchgängiges taktiles Leitsystem auf der westlichen Straßenseite für Blinde und Sehbehinderte sowie Querungsstellen mit geteilten Bordsteinabsenkungen eingerichtet werden. 

Radentscheid 

Der Radentscheid Aachen hat als 3. Ziel Folgendes formuliert: “Jährlich werden an Hauptverkehrsstraßen 5 km Radwege gebaut, die als Einrichtungsradwege mit 2,30 m Breite zwei Knotenpunkte lückenlos verbinden. Sie werden baulich vor Befahren, Halten und Parken durch Kfz geschützt. Die Radwege entstehen ohne Flächenminderung für Fußverkehr und ÖPNV und sind auch von diesen baulich getrennt.” (vgl. https://radentscheid-aachen.de/ziele/) 

Die Querschnitte zeigen, dass der Umbau der Alt-Haarener Straße nach den Vorgaben des Radentscheides aufgrund des engen Straßenraumes nicht möglich ist. Beide Straßenseiten müssten baulich verändert werden.  Alle Parkplätze und 10 Bäume würden in dem betroffenen Abschnitt entfallen. Außerdem würden die Flächen des Fußverkehrs deutlich unter ein Mindestmaß gemäß Richtlinien reduziert, stellenweise würde der Gehweg keine 0,50 cm breit sein. Daher wird kein Umbau gemäß den Forderungen des Radentscheids vorgeschlagen. 

Rückmeldungen aus dem Team des Radentscheids sowie der Radinitiative „Fahrradfreundliches Haaren“ ergaben eine Präferenz für eine Variante mit beidseitigen möglichst breiten Schutzstreifen.

Kosten

Die Kosten für den Umbau und die Markierungsarbeiten belaufen sich für die Planung der Variante 1 inkl. Roteinfärbung der Radverkehrsanlage überschlägig auf ca. 230.000 €.

Für die Variante 2 sowie die Erweiterungsoption werden inkl. Roteinfärbung ca. 300.000 € bzw. 310.000 € kalkuliert. Die Einplanung der notwendigen Mittel zur Umsetzung der Maßnahme erfolgt haushaltsneutral mit der zukünftigen Haushaltsplanung.Entscheidungen zur Umsetzung der Maßnahme mit Kosten und Finanzierung bleiben dem Ausführungsbeschluss vorbehalten.

Weiteres Vorgehen

Zurzeit wird die Ausführungsplanung erstellt. Die Baumaßnahme ist für 2021/22 vorgesehen.

Politische Beratung

03.02.2021: Beratung in der Bezirksvertretung Aachen-Haaren (Planungsbeschluss für Variante 1)
18.02.2021: Beratung im Mobilitätsausschuss (Planungsbeschluss für Variante 1)