Inhalt



Der Stadtteil

     

Der Stadtteil Aachen-Ost liegt östlich der Aachener Innenstadt und gliedert sich in die Quartiere Ostviertel und Rothe Erde. Er wird räumlich durch die Trierer Straße, den Adalbertsteinweg sowie den Madrider bzw. Berliner Ring begrenzt. Innerhalb des Stadtteils Aachen-Ost wirkt die Bahnlinie Aachen-Köln wie eine Zäsur zwischen den Quartieren. Als traditionelles Arbeiterviertel ist das Erscheinungsbild des Stadtteils hauptsächlich durch gründerzeitliche Gebäude sowie Geschosswohnungsbau der Nachkriegszeit geprägt.

Vor Beginn der Förderprogramms bewirkten insbesondere folgende Aspekte einen Abwärtstrend im Viertel im Vergleich zur Gesamtstadt: altindustriell geprägte Wohn- und Mischgebiete, überalterter Wohnungsbestand, Konzentration von Sozialwohnungen, vernachlässigtes Wohnumfeld, Konfliktpotentiale durch kritische Nutzmischungen, wenig Freiflächen, hohe verkehrliche Belastung, schlechtes Quartiersimage und wenig Identifikation der BürgerInnen mit dem Viertel.   

Die Stadtteilerneuerung hatte im Lauf der Jahre somit viele Facetten:

Auf der einen Seite setzte sie darauf, für die AnwohnerInnen ein möglichst ungestörtes Wohnen zu ermöglichen und zugleich den Gewerbetreibenden gesicherte Perspektiven zu eröffnen. Aufgrund dieser Zielsetzung richteten sich die umfangreichen Maßnahmen sowohl auf den öffentlichen als auch auf den privaten Raum. Mit Hilfe einer geänderten Verkehrsführung konnte die Lärm- und Schadstoffbelastung an vielen Stellen nachhaltig gesenkt werden. Obwohl der Mangel an Freiflächen im Fördergebiet nur wenige Möglichkeiten zu einer freien Gestaltung bot, wurde der öffentliche Raum durch eine effizientere Nutzung und durchdachte Modifikation bereits vorhandener Flächen so umgestaltet, dass die BewohnerInnen der Quartiere jetzt über ausreichende Freizeitmöglichkeiten im Grünen verfügen. Auch der Wohnraum kam bei der Stadtteilerneuerung nicht zu kurz: Dieser konnte zum Beispiel durch das Fassadensanierungs- und Begrünungsprogramm attraktiver gestaltet werden. Sowohl die Öffnung der Schulhöfe, die den Kindern und Jugendlichen neue Aufenthaltsräume erschloss, als auch die Neugestaltung der Parkflächen wurden von allen Bevölkerungsgruppen positiv angenommen.

Entsprechend der Bewohnerschaft wurden zahlreiche Qualifikations- und Eingliederungsmaßnahmen initiiert, die darauf zielten, die Chancen der oder des Einzelnen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Dies war notwendig, da ein großer Anteil der BürgerInnen aus sozial und finanziell benachteiligten Gruppen und mit Migrationshintergrund stammte. Ergänzend wurde eine allgemeine Standortverbesserung durch Industrieansiedlungen angestrebt. Dieser Schwerpunkt wird auch nach der Stadtteilförderung eine Aufgabe der Kommune sein, muss aber im Zusammenhang mit den nationalen oder sogar globalen wirtschaftlichen Entwicklungen betrachtet werden.

Den sozialen Zusammenhalt der Bewohnerschaft verstärkten soziale und kulturelle Projekte. Da viele Kinder in Aachen-Ost bereits im jungen Alter einen erhöhten Unterstützungsbedarf aufweisen, waren und sind Präventionsmaßnahmen – aber auch eine frühe Förderung – immens wichtig. Die Projekte förderten nicht nur die intellektuellen und sprachlichen Kompetenzen, sondern verbesserten auch die häufig unzureichenden motorischen Fähigkeiten der Kinder. Kinder und Jugendliche wurden darin gestärkt, ihre individuellen Fähig- und Fertigkeiten zu erkennen und zu entwickeln. So ermöglichten es niedrigschwellige Angebote und enge Kooperationen der sozialen Einrichtungen, dass Maßnahmen vielerorts fest installiert wurden. Auch die Förderung der Familie als erster und langfristig wichtigster Ort der Sozialisation wurde frühzeitig und ganzheitlich in den Fokus gestellt. So erhielten beispielsweise Familien erhöhte Alltagstags- und Erziehungshilfen, während Frauen beim Aufbau von Netzwerken unterstützt wurden. Eine gutes Bildungsangebot, eine lebendige Kultur und abwechslungsreiche Freizeitangebote sorgten außerdem für eine bessere Identifikation der BewohnerInnen mit ihrem Viertel und förderten deren Gemeinschaftsgefühl. Diese kulturellen Aktionen zogen das Interesse der Gesamtstadt auf Aachen-Ost.

Ein ganz wichtiger Effekt dieser weitreichenden Kulturprojekte liegt in der Lösung der Stadtteile Ostviertel und Rothe Erde aus einer defizitorientierten Betrachtungsweise; Aachen-Ost wurde hierdurch nicht mehr als unterstützungsbedürftiges Quartier in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen, sondern als gleichberechtigter Anbieter von Kultur- und Freizeitangeboten.

Das Ziel, das Image aufzuwerten, konnte so erreicht werden. Während dies im Hinblick auf die Selbstwahrnehmung der BewohnerInnen sicher gelungen ist, ist die Außenwahrnehmung häufig immer noch von Vorurteilen und einer negativen Sichtweise geprägt. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass über Jahrzehnte gewachsene Klischeevorstellungen von einem Quartier nur langsam einer modifizierten Einstellung weichen können. So war es vielmehr entscheidend, dass öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen einen regen Besucherstrom in das Fördergebiet lockten. Viele dieser BesucherInnen gaben sich positiv überrascht von der Vielseitigkeit des Viertels, das leider manche Aachener bestenfalls vom „Hörensagen“ kannten.

Stadtplan Aachen-Ost
Karte zum Vergrößern anklicken (PDF)

Aachen-Ost in Kürze

 

Logo

Fläche: Insgesamt ist das Viertel mit 240 Hektar annähernd so groß wie die Aachener Innenstadt und macht etwa 1,5 Prozent der Gesamtfläche Aachens aus.

Einwohnerzahl: Rund 10.500 Menschen sind hier Ende 2007 gemeldet – knapp 7.900 im Ostviertel und fast 2.700 Menschen in Rothe Erde.

Geschichte: Beide Stadtviertel sind typische altindustriell geprägte Wohn- und Mischgebiete; sie entstanden im Wesentlichen während der Gründerzeit. Das Ostviertel ist eine natürlich gewachsene Erweiterung der Aachener Innenstadt. Es entwickelte sich parallel zum wirtschaftlichen Aufschwung des Aachener Ostens Ende des 19. Jahrhunderts. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war das Ostviertel Hauptwohnort für die meisten der in Rothe Erde angestellten ArbeiterInnen. Mittlerweile wohnen hier vermehrt StudentInnen, MigrantInnen und junge Familien.

Die Geschichte von Rothe Erde reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Ursprünglich gehörte das Gebiet zu Schönforst und wurde erst 1906 in die Stadt Aachen eingemeindet. Die Arbeiterhäuser in der Hüttenstraße und repräsentative Verwaltungsbauten der hier angesiedelten Großunternehmen wie das ehemalige Uniroyal-Gebäude erinnern an die Zeit, als in Rothe Erde noch Stahl gekocht wurde.

Logo