Broschüre "Von Klein bis Groß"
„Unternehmen sind durchweg bereit, Geld für Kinderbetreuung in die Hand zu nehmen“, weiß Aachens Oberbürgermeister Marcel Phillip aus vielen Gesprächen mit Vertretern der Aachener Wirtschaft und aus den Diskussionen im „Innovationskreis Wirtschaft“, den Philipp im vergangenen Jahr ins Leben gerufen hat. Doch bislang sei die Umsetzung oft ein „Frusterlebnis“ für die Firmen gewesen. Das soll sich nun ändern: Mit der neuen Broschüre „Von Klein bis Groß – Individuelle Lösungen für betrieblich unterstützte Kinderbetreuung“ gibt es jetzt einen kompakten, anschaulichen Leitfaden für Unternehmen, wie sie die Kinderbetreuung individuell für ihre Mitarbeiter richtig anpacken können, was sie zu beachten haben und von wem sie Hilfe und Unterstützung bekommen können. „Wir müssen schauen, was wir mit den jetzt bereits vorhandenen Mitteln schaffen können“, so Oberbürgermeister Philipp.
„Die Broschüre ist eine Arbeitshilfe für die Unternehmen. Sie zeigt verschiedene Lösungen auf“, umschreibt Elke Münich, Fachbereichsleiterin für Kinder, Jugend und Schule bei der Stadt, kurz den Inhalt. Es sei eine Art „Baukastensystem“ – von der kleinsten Lösung, einem Kinderbetreuungszuschuss als Alternative zur Gehaltserhöhung mit finanziellen Vorteilen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, über den Zusammenschluss mehrere Firmen in einem Trägerverein für firmeneigene Betreuung bis hin zur komplett neugebauten Kita. „Wir präsentieren hier keine Problem, sondern Lösungen“, so der stellvertretende Fachbereichsleiter Manfred Ernst. Ansprechpartner, die konkrete Hilfen im „Dschungel der Vorschriften“ geben können, sind ebenso enthalten wie Lösungen für betriebliche Ferienbetreuungen oder die richtige räumliche Ausstattung. „Und es ist ein bundesweites Thema – für jetzt und die nahe Zukunft“, betont Münich, die auf das Grußwort der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Kristina Schröder, hinweist, in dem die betrieblich unterstützte Kinderbetreuung als „zentraler Baustein“ genannt wird.
Familienfreundlichkeit als Standortfaktor
Der Bedarf ist da, auch das wurde dem Oberbürgermeister in signalisiert: „Wir brauchen deshalb einen Wandel in der Herangehensweise.“ Das zeigt auch die Kooperation zwischen den Fachbereichen Wirtschaftsförderung/Europäische Angelegenheiten und Kinder, Jugend und Schule bei dieser Broschüre. Familienfreundlichkeit und individuelle Angebote für Beschäftigte in der Nähe des Arbeitsplatzes werden bei jungen Familien immer wichtiger bei der Entscheidung für einen Arbeitsplatz, sind ein Standortfaktor im Rennen um die Fachkräfte: Für 90 Prozent der Beschäftigten zwischen 25 und 39 Jahren mit Kindern und für 70 Prozent der Beschäftigten in dieser Altersgruppe ohne Kinder ist die Familienfreundlichkeit wichtiger oder gleich wichtig wie das Gehalt, sagt eine Personalmarketingstudie des Bundesministeriums aus dem vergangenen Jahr.
„Aktuell haben wir deutschlandweit einen Bedarf von 123.000 Ingenieurinnen und Ingenieuren. 2020 könnte dieser Bedarf auf 560.000 steigen“, rechnet Dieter M. Begaß, Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung/Europäische Angelegenheiten vor. Allein wenn man die geplanten 10.000 Arbeitsplätze auf dem neu entstehenden Campus füllen wolle, müsse man Strukturen schaffen. „Aber: Die Tür zu den Führungskräften für das Thema Kinderbetreuung ist in den vergangenen Jahren stark geöffnet worden“, sagt Begaß. Dabei sei es auch wichtig, nicht nur die großen Unternehmen ins Boot zu holen: „Wir müssen auch die kleinen und mittleren Betriebe ansprechen.“
Die Broschüre wird vielen Aachener Unternehmen jetzt zugeschickt. Wer keine Post bekommt, kann sie beim Fachbereich Kinder, Jugend und Schule oder beim Fachbereich Wirtschaftsförderung/Europäische Angelegenheiten anfordern. Außerdem wird sie in den Verwaltungsgebäuden der Stadt ausgelegt und hier als PDF (ca 9,4 MB) zu finden.
