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Handlungskonzept Wohnen

Am 23.06.2020 haben sich rund 40 Entscheider*innen aus Wohnungswirtschaft, Sozialverbänden, Mieterschutz, Gewerkschaft, Politik und Verwaltung zum ersten Fachforum zur Fortschreibung des Aachener Handlungskonzepts Wohnen im Technologiezentrum Aachen getroffen, um die Bedarfssituation am Aachener Wohnungsmarkt zu besprechen und gemeinsam kluge Lösungen zu entwickeln.

Ausgangspunkt für die Runde waren die Ergebnisse der digitalen Öffentlichkeitsbeteiligung (mit 182 Teilnehmenden) und einer interkommunal vergleichenden Analyse des Lehrstuhls für Planungstheorie und Stadtentwicklung der RWTH Aachen zu den wohnraumbezogenen kommunalen Handlungsinstrumenten. Rolf Frankenberger, Fachbereichsleiter Wohnen, Soziales und Integration der Stadt Aachen, dankt den Aachener*innen für ihre umfangreiche Beteiligung: „Sie haben uns wichtige Impulse und Aufträge mit auf den Weg gegeben. Nun liegt es an uns, diesem Vertrauen gerecht zu werden und gute Konzepte zu erarbeiten.“

 

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© Stadt Aachen / Andreas Herrmann

 

Schwerpunktthema der lebhaften Diskussion war die „Soziale Wohnraumversorgung“. Das Forum, das durch Frau Prof. Dr. Förster, Leiterin des Lehrstuhls für Planungstheorie und Stadtentwicklung, moderiert wurde, beschäftigte sich dabei an zwei Thementischen mit der Schaffung bezahlbaren Wohnraums durch bedarfsgerechte Neubauaktivitäten und mit der Qualitätssicherung im Wohnungsbestand. Diskutiert wurden in diesem Zusammenhang neben Fragen des öffentlich-geförderten Wohnungsbaus und des Bedarfs an einem preisgedämpften Marktsegment auch die Schaffung von Mindeststandards in der Wohnraumversorgung, die Vermeidung von Verdrängungseffekten bei Modernisierungen und der spezifische Bedarf besonderer Zielgruppen (u. a. Senioren, Familien, Studierende).

Zum Abschluss des Abends zeigte sich Stadtbaurätin Frauke Burgdorff, die engagiert mitdiskutiert hat, begeistert vom Format. Sie appellierte an die Beteiligten „Leitplanken zu schaffen, die auch in 30 Jahren noch Erfolg sichern und einen neuen Aachener Weg zu beschreiten.

 

Detaillierte Informationen zum Handlungskonzept Wohnen

Mit Beschluss vom 02.07.2019 und 11.07.2019 wurde der Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration vom Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss und vom Planungsausschuss beauftragt, das Handlungskonzept Wohnen der Stadt Aachen im Rahmen einer Hochschulkooperation fortzuschreiben. Ein kommunales Handlungskonzept Wohnen ist ein Analyse- und Planungsinstrument, welches dazu dient, lokale Entwicklungsprozesse zu analysieren und auf dieser Basis zukunftsorientierte Strategien und Maßnahmen für den lokalen Wohnungsmarkt zu entwickeln und in einer integrierten Gesamtstrategie zu bündeln (vgl. MBWSV NRW (2016)). Dabei soll das Handlungskonzept laut Empfehlung des Ministeriums strategisch, kooperativ und umsetzungsorientiert angelegt sein und somit mit einem partizipativen Prozess verknüpft werden. Die lokalen Handlungskonzepte Wohnen verfügen in der Regel über eine Maßnahmenempfehlung und eröffnen u. a. in einigen Bereichen den Förderzugang für Landesmittel.

Aachen ist ein bedeutender Hochschul- und Forschungsstandort, der im Rahmen der Campus-Entwicklung zunehmend von Wachstum geprägt ist. Dies ist für die Stadt Aachen zum einen eine Chance, zum anderen aber auch eine besondere Herausforderung für den Aachener Wohnungsmarkt in Bezug auf das verfügbare Wohnungsangebot, Marktsegmente und Qualitäten.

 

Der Aachener Wohnungsmarkt auf einen Blick

     

 

Vor diesem Hintergrund hat der Rat der Stadt Aachen am 08.12.2010 die auf wissenschaftlicher Grundlage erstellte „Aachen-Strategie-Wohnen“ als integrierte wohnungspolitische Gesamtstrategie verabschiedet.

Seit Erarbeitung der „Aachen-Strategie-Wohnen“ hat die Wohnraumnachfrage in Aachen erheblich zugenommen, so studieren 20.000 Studierende mehr an den Aachener Hochschulen als noch im Jahr 2009, die Bevölkerung ist im selben Zeitraum um 12.500 Personen gewachsen. Eine im Jahr 2018 erfolgte Aktualisierung einer Wohnungsbedarfsprognose des Instituts Quaestio weist bis 2030 einen Neubaubedarf von insgesamt ca. 10.000 Wohneinheiten aus. In Reaktion auf diese Entwicklung wurde eine Vielzahl an wohnungspolitischen Grundsatzbeschlüsse gefasst (vgl. Wohnungsmarktbericht 2019 - Kapitel 6). Was nun notwendig erscheint, ist die Konkretisierung der wohnungspolitischen Leitziele und die darauf aufbauende systematische Verknüpfung der Themenfelder und Instrumente zu einer integrierten Gesamtstrategie. Im Jahr 2019 wurde vor diesem Hintergrund der Prozess zur Fortschreibung des Handlungskonzepts Wohnen eingeleitet, um die Aktivitäten in einer integrierten Gesamtstrategie aufzugreifen. Im Rahmen der ganzheitlichen Betrachtung sollen auch zusätzliche Aspekte und Wechselwirkungen vertieft betrachtet werden (z. B. regionale Effekte, Optimierung der Kommunikationsprozesse, Verknüpfung mit sozialen Fragen). Zudem sind einige Prüfaufträge der Politik (z. B. Ratsantrag zum Thema Dachgeschossausbau und Ratsanfrage zur Schließung von Baulücken) im Rahmen des Prozesses aufzugreifen. Bei der Strategieentwicklung sollen sowohl der Wohnungsbestand als auch der Wohnungsneubau in den Blick genommen werden. Aus der Strategie kann ein Maßnahmenplan entwickelt werden, der zu einer Bündelung und Priorisierung der Ressourcen beiträgt.

Als thematische Eckpunkte der Fortschreibung des Handlungskonzepts Wohnen wurden folgende Aktionsfelder identifiziert und politisch beschlossen (s. Sachstandsbericht Juli 2019):

  • Bezahlbarer/ öffentlich-geförderter Wohnraum und soziale Wohnraumversorgung
  • Qualitätssicherung und –verbesserung im Wohnungsbau/ Ausbau im Bestand
  • Sozialgerechte Bodennutzung
  • Quartiersbezug als Schwerpunkt des wohnungspolitischen Handelns
  • Flächenmobilisierung im Siedlungsbestand und Baulandentwicklung
  • Regionale und euregionale Wohnraumentwicklung
  • Verbesserung der Planungsgrundlagen
  • Kommunikation und Koordination
  • Bundes- und landesgesetzliche Rahmenvorgaben

Als Querschnittsthemen sollen die Aspekte Nachhaltigkeit, Mobilität, Demographie und Integration in allen Aktionsfeldern betrachtet werden. Zudem hat der Aspekt des Hochschulwachstums und des studentischen Wohnraumbedarfs eine besondere Bedeutung bei der Konzepterstellung.

Als Kooperationspartner für die Fortschreibung des Handlungskonzepts Wohnen konnte der Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung der RWTH Aachen gewonnen werden.

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