Inhalt



Fahrradstraßen in Aachen

Richtlinien und Empfehlungen zu Fahrradstraßen

Zur Einrichtung von Fahrradstraßen liegen deutschlandweit gültige Richtlinien und Hinweise vor.

In den Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 2006) werden für den Einsatzbereich von Fahrradstraßen Erschließungsstraßen mit Belastungen bis etwa 400 Kfz/h, die im Kontext des Radverkehrsnetzes Hauptverbindungen für den Radverkehr darstellen, benannt. Sie sollen der Bündelung des vorhandenen oder zu erwartenden Radverkehrs abseits von Kfz-Hauptverkehrsstraßen dienen. Anderer Fahrzeugverkehr als Radverkehr (z. B. Anliegerverkehr) ist dort zulässig soweit dies durch Zusatzzeichen angezeigt wird.

Darauf aufbauende Hinweise zur Gestaltung von Fahrradstraßen werden in den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA 2010) gegeben. So wird an Einmündungen und Kreuzungen zusätzlich zur Beschilderung die Markierung von Fahrradpiktogrammen auf der Fahrbahn empfohlen.

In einem 2016 von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) veröffentlichten Forschungsbericht zur Verkehrssicherheit von Fahrradstraßen wurde u.a. empfohlen

  • Fahrradstraßen über den gesamten Streckenzug einheitlich zu gestalten
  • ausreichend Raum für das Begegnen von jeweils zwei nebeneinanderfahrenden Fahrrädern beziehungsweise das Begegnen von einem Kraftfahrzeug und einem Fahrrad vorzusehen
  • einen Sicherheitsabstand zu parkenden Fahrzeugen zu markieren
  • Piktogrammmarkierungen zum Beispiel mit dem Sinnbild „Fahrrad“ oder dem Verkehrszeichen „Fahrradstraße“ auf der Fahrbahn aufzubringen
  • Die Erkennbarkeit von Vorfahrtsberechtigungen eindeutig erkennbar zu gestalten

In der Straßenverkehrsordnung ist zu Fahrradstraßen u.a. geregelt:

  • In Fahrradstraßen soll der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart sein
  • Anderer Fahrzeugverkehr darf nur ausnahmsweise durch die Anordnung entsprechender Zusatzzeichen zugelassen werden
  • Für den Fahrverkehr gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Der Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Wenn nötig, muss der Kraftfahrzeugverkehr die Geschwindigkeit weiter verringern.
  • Das Nebeneinanderfahren mit Fahrrädern ist erlaubt.

Fahrradstraßen werden in Deutschland mittlerweile in vielen Städten eingesetzt. Es gibt allerdings keine einheitlichen Gestaltungsstandards von Fahrradstraßen. Daher wurde für ein Aachen 2018 ein Gestaltungsstandard entwickelt und beschlossen.

Gestaltung von Fahrradstraßen in Aachen

Fahrradstraßen in Aachen sollen durch die Art der Gestaltung eine eindeutige einheitliche Erkennbarkeit aufweisen und eine möglichst hohe Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer gewährleisten.

  • Im Regelfall soll in Fahrradstraßen der Kfz-Verkehr auch weiterhin möglich sein. Zur Ermöglichung einer möglichst konfliktfreien Interaktion der Verkehrsteilnehmer auf einer Fahrradstraße werden Mindestbreiten vorgesehen.
  • Die Fahrradstraßen erhalten einen rechts und links eine unterbrochene Breitstrichlinie (25 cm). Dieser grenzt zugleich den Sicherheitsraum zu parkenden Kraftfahrzeugen ab (in der Regel 0,75 m entsprechend der ERA 2010). Sie darf überfahren werden.
  • Zusätzlich machen punktuelle Markierungselemente die Verkehrsteilnehmer darauf aufmerksam, dass sie sich auf einer Fahrradstraße befinden und der Radfahrer dort bevorrechtigt ist. Hierzu kommen zum  Einsatz:
  • Piktogrammmarkierung mit Sinnbild „VZ 244.1 Fahrradstraße“ am Beginn einer Fahrradstraße zur Verdeutlichung der Verkehrsform.
  • Piktogrammmarkierung mit Sinnbild Radfahrer und Richtungspfeilen zur Verdeutlichung der Bevorrechtigung des Radverkehrs an Einmündungen und Kreuzungen sowie wiederkehrend in regelmäßigen Abständen.
  • Fahrradstraßen sollen gegenüber anderen Erschließungsstraßen Vorfahrt erhalten. Dies wird im Einzelfall entschieden. In diesen Fällen wird der unterbrochene Breitstrich im Kreuzungs- bzw. Einmündungsbereich flächig rot eingefärbt und mit einer Piktogrammmarkierung versehen. In besonderen Fällen können Aufpflasterungen hinzukommen.
  • Es bedarf stets einer Prüfung von Maßnahmen zur Geschwindigkeitsdämpfung.

Beschlüsse

Zu den Fahrradstraßen wurde vom Mobilitätsausschuss am 13.09.2018 ein Gestaltungsstandard beschlossen (http://ratsinfo.aachen.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=18110).

Im November 2018 wurde beschlossen, die folgenden Straßen als erste Fahrradstraßen neuen Typs im Rahmen des Fördervorhabens "Rad-Vorrang-Route Aachen 1" mit Freigabe für den Kfz-Verkehr umzusetzen:

Aachen Mitte:

  • Beverstraße
  • Schlossstraße
  • Geschwister-Scholl-Straße
  • Ahornstraße (zwischen Halifaxstraße und Melatener Straße)
  • Siemensstraße (zwischen Ahornstraße und Auf der Hörn)

Eilendorf:

  • Hansmannstraße (zwischen Josefstraße und Severinstraße)
  • Moritz-Braun-Straße
  • Marienstraße
  • Kleebachstraße

Vorlaufende Aktivitäten

In Aachen gab es seit den 90er Jahren mit der Annastraße zwischen Löhergraben und Hermann-Heusch-Platz und der Karl-Kuck-Straße in Brand zwischen Brander Bahnhof und Trierer Straße zwei Fahrradstraßen mit einer Gesamtlänge von circa 180 m. Beide Straßen sind mit dem Verkehrszeichen „Fahrradstraße“ und dem Zusatz „Kfz frei“ ohne weitere Gestaltungmerkmale beschildert.

2017 fand eine Beteiligung der Verbände und der Politik statt, um diesen Gestaltungstandard vorzubereiten. Dabei wurden Beispiele aus anderen Städten vorgestellt und das Beispiel Bonn ausführlich erläutert. Die Unterlagen dazu sind rechts abrufbar.