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Der Straßenmusiker



 

Arkadij Bogatyrev alias Arkan Burini

Arkan BuriniDie Lebensgeschichte von Arkadij Bogatyrev ist aufgrund seiner gesellschaftlich-politischen Herkunft eine mit besonderer Prägung. Arkadij Bogatyrev, 35 Jahre alt, ist vor elf Jahren zusammen mit seiner Ehefrau aus dem fernen Omsk in den Preuswald gezogen. Der fünfjährige Sohn, Alexander, der sich gern „Alexander der Große“ nennt, besucht in Preuswald die Kindertagesstätte. Über die Winterzeit in Deutschland kann Bogatyrev nur schmunzeln. Eigentlich bedeutet Winter für ihn, Temperaturen  zwischen  Minus 20 und Minus 40 Grad auszuhalten. Auch noch kältere Tage hat er schon in seiner Geburtsstadt Omsk in Sibirien erlebt. Die Eltern und die Schwester sind in Omsk geblieben. „Wegen der Entfernung kommt die Familie nur selten zusammen“, sagt Bogatyrev wehmütig.

Bogatyrev ist von Beruf Diplom Musikpädagoge. Sein Musikstudium im Hauptfach Akkordeon hat er in Omsk absolviert. Er spielt aber auch Klavier und Kontrabass. In der ehemaligen Sowjetunion musste jedes Grundschulkind entweder ein Musikinstrument lernen oder sich im künstlerischen Bereich betätigen. Da Bogatyrev sehr musikalisch war, wurde er von seiner Oma an die Hand genommen und besuchte die Musikschule für Kinder. Der erste Tag in der Musikschule war für ihn eine Enttäuschung - die Schule hatte kein Klavier!

In der Not wählte Bogatyrev das Akkordeon. Seine Entscheidung hat er bis heute nicht bereut. Das Akkordeon ist seine Leidenschaft geworden. Und er hat bis heute nicht den Tag vergessen, an dem ihm seine Eltern ein eigenes Instrument gekauft haben – für 200 Rubel. In der damaligen Zeit war das der Lohn von zwei Monaten.

Seinen Lebensunterhalt verdient Bogatyrev auf der Straße. „Ich habe kein Problem damit, das zuzugeben. Auf der Straße habe ich viele Musiker kennengelernt, professionelle Künstler Die Straße ist unsere Bühne, die Passanten  unser Publikum - ein sehr dankbares Publikum. Die Menschen lassen sich begeistern, sie lassen sich mitreißen. Sie zeigen sich dankbar für den Moment des Glücks, den wir, die Straßenmusiker, ihnen schenken. In solchen Momenten bin ich selbst glücklich. Wenn ich spiele, vergesse ich alle meine Sorgen, alle Probleme, da ist der Alltag wie ausgeblendet."

Bogatyrev fühlt sich in allen Musikrichtungen sicher. Klassik, vor allem Mozart, liege ihm genauso gut wie Jazz, Schlager, Klezmer, Gipsy und Latino.

Bogatyrev zweite Leidenschaft  ist das Komponieren. Früher habe er vorwiegend klassische Werke komponiert wie beispielsweise Walzer. Heute schreibt er zusammen mit seinem Freund, der ein Aufnahmestudio besitzt, Musik für DJs: Rap, House oder Underground. Bogatyrev hat drei Band gegründet: „Transit 55“(Jazz),  „Lavita“ (Klezmer) und „Russka“(Bass, Akkordeon, Gitarre, Schlagzeug, Trompete und Gesang).

Eine Kostprobe seines Talents konnten die Bewohnerinnen und Bewohner des Preuswalds im Jahr 2012 während der Adventsfeier im Stadtteilbüro erleben. Bogatyrev entführte die Zuhörer damals in seine Musikwelt.