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Pfalzforschung: „Offensichtlich verborgen“

Neue Forschungen zu Rathaus, Pfalz und Markthügel werden informativ präsentiert

  • Beispielhafte Zusammenarbeit zwischen Archäologen, Bauforschern, Denkmalpflegern und Historikern ermöglicht es, die historischen Befunde neu aufzuarbeiten.
  • Donnerstag, 27. April: Ein Abend mit unterhaltsamen und interessanten Kurzvorträgen im Krönungssaal des Rathauses. Kostenloser Eintritt.
  • Die Erkenntnisse helfen den Experten in der Denkmalpflege bei ihrer Arbeit und erhöhen die Chance auf fachgerechte Entscheidungen.

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Während der Grabung am Marienturm, rechts im Bild die mächtige Rundung des karolingerzeitlichen Apsismauerwerkes. © Marc Wietheger

Mehr als 2000 Jahre Siedlungskontinuität und 1200 Jahre alte Bauwerke prägen den Aachener Markthügel. Dabei gibt es bisher zur Stadtgeschichte an diesem zentralen Ort mehr Fragen als Antworten. Das Projekt Pfalzenforschung hat sich seit 2010 intensiv mit diesem Siedlungsbereich auseinandergesetzt. Zum Abschluss des Projektes werden die Ergebnisse am Donnerstag, 27. April, 18.30 Uhr, im Krönungssaal des Aachener Rathauses einem breiten Publikum vorgestellt. Der Eintritt ist frei.

Bauphasen besser zuordnen, Geschichtsverständnis erhöhen
Eine beispielhafte Zusammenarbeit zwischen Archäologen, Bauforschern, Denkmalpflegern und Historikern ermöglichte es, die historischen Befunde neu aufzuarbeiten, und neue Forschungen zu Rathaus, Pfalz und Markthügel umzusetzen. Aufgrund der Arbeiten ist es nun möglich, die Geschichte dieses für die Historie und das Verständnis Aachens zentralen Bereiches genauer zu fassen und die Bauphasen den einzelnen Epochen besser zuzuordnen.

„Es ist uns sehr daran gelegen, die Erkenntnisse allen interessierten Aachenerinnen und Aachenern zu erläutern“, sagt Monika Krücken, Abteilungsleiterin Denkmalpflege und Stadtarchäologie der Stadt Aachen. „Tatsächlich sind wir durch das erfolgreiche interdisziplinäre Projekt nun auch beim Rathaus um viele Informationen reicher.“ Wer Entscheidungen in der Denkmalpflege trifft, muss Grundlagen und Wissen haben.

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Monika Krücken ist die Abteilungsleiterin Denk- malpflege und Stadtarchäologie der Stadt Aachen. © Stadt Aachen

Monika Krücken beschreibt das für die Mitstreiter in dem Forschungsprojekt, das über das Investitionsprogramm „Nationale UNESCO Welterbestätten“ finanziert wird, so: „In der Aachener Pfalzanlage manifestierte sich zur Zeit Karls des Großen die religiöse und politische Macht in einem Ensemble aus Bauwerken und umschlossenen Plätzen. In dieser räumlichen Konzentration, Proportion und Repräsentanz ist ihre Einmaligkeit auch heute noch spürbar.“

Pfalzen, also Herrscherresidenzen, königliche Machtzentren und Regierungsstätten, wurden vielfältig erforscht. So ist das auch in Aachen.

Rathaus-Forschung: Die Lücken werden geschlossen
Während der Dom als UNESCO-Weltkulturerbe in weitreichenden Untersuchungen gut dokumentiert ist, gab es diese Erkenntnisdichte für das Rathaus - die frühere Aula Regia - und die Gesamtpfalz nicht. Das Projekt Pfalzenforschung hat viele unbekannte Fakten zutage gefördert und alle wichtigen Untersuchungen neu ausgewertet. Dadurch konnten viele der bisher gemachte Annahmen relativert und neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Die nun vorliegenden Ergebnisse des aktuellen Forschungsprojektes helfen also, die Lücken zu schließen. Archäologische Untersuchungen und bauhistorische Forschungen konnten mit vielfältiger Förderung und unter Einsatz neuester Methoden Ergebnisse liefern, die manchen Perspektivwechsel herausfordern.  

Zu den neuen Erkenntnissen  in der Pfalzenforschung gehört, dass die Karolinger offenbar in größerem Umfang auf das römische Erbe zurückgreifen konnten, als  bisher angenommen wurde. „Wir haben durch die Ausgrabungen am Rathaus und am Markt Hinweise gefunden, dass die römische Wehrmauer erst im 12. Jahrhundert in größerem Umfang abgebrochen wurde“, erläuterte Stadtarchäologe Andreas Schaub. Der Katschhof sei in karolingischer Zeit kein freier Platz gewesen, sondern wurde durch eine diagonal verlaufene Straße durchtrennt, die bis ins 14. Jahrhundert existiert habe. „Die Pfalz ist nicht plötzlich erbaut worden, sondern sukzessiv entstanden“, so Schaub weiter. „Aachen trug lange Zeit einen römischen Grundriss.“

Mit Kurzvorträgen aus den verschiedenen Professionen werden bei der Präsentation am 27. April im Krönungssaal in zwei thematischen Sektionen (1. Geschichte und Archäologie; 2. Bauforschung und Denkmalpflege) die Methoden und Forschungsergebnisse vorgestellt und allgemein verständlich erläutert.

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Rekonstruktion der karolingischen Aula, im Hintergrund die Marienkirche,  Blick von Nordosten. © Narmer Architecture Studio, Budapest (Zs. Vasáros, G. Nagy), ArchaeoPlanRistow, Köln (Sebastian Ristow)

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Rathausansicht: Die Ansicht von Süden zeigt das Rathaus mit einer photogrammetrischen Messbildmontage. Insgesamt wurden am Rathaus 60.000 Steinkonturen dokumentiert. Zeichnung: Marc Wietheger 

Abwechslungsreiche und interessante Vorträge
Der Abend wird abwechslungsreich und interessant: So kommt unter anderem der RWTH-Historiker Harald Müller zu Wort, der die Entstehung und Bedeutung der Aachener Pfalz aus historischer Sicht erläutert. Die archäologischen Grabungen 2011-14 stellt Stadtarchäologe Andreas Schaub vor. Schließlich wird Sebastian Ristow die archäologischen Forschungen der Vergangenheit analysieren und für die heutige Nutzung aufbereiten.
Erläuterungen zu den Zielen und Methoden der Bauforschung wird Christian Raabe, ebenfalls RWTH, beisteuern, die Forschungsgeschichte des Aachener Rathauses stellen seine Mitarbeiter, die Bauhistoriker Judith Ley und Marc Wietheger, vor. Sie erklären auch die Vorgehensweise zur Untersuchung des Bauwerkes. Praktische Denkmalpflege am Rathaus wird von Isabel Maier, Denkmalpflege Stadt Aachen, beschrieben, die Sanierung der historischen Glasbetonfenster mit Textilbeton erklärt Sergej Rempel, RWTH Aachen.  

Der Nutzen der Forschung liegt auf der Hand, Monika Krücken: „Denkmalpflegerische Entscheidungen werden tagtäglich bei Sanierungen getroffen. Und viele Fragen beschäftigen uns: Ist die beabsichtigte Änderung denkmalverträglich? Welche Materialwahl ist die richtige? Wie kann langfristig die Substanz des Bauwerks gesichert werden? Falsche Entscheidungen bedeuten unter Umständen Substanzverlust und falsche Investitionen.“

Die Veranstaltung der Stadt Aachen wird unterstützt vom Rathausverein Aachen, vom Aachener Geschichtsverein, von RWTH extern und KuBiS, dem kulturellen Bildungsnetzwerk der StädteRegion Aachen. Den Abend moderiert Stadtsprecher Bernd Büttgens.
Zum Thema des Vortragsabends ist im Geymüller | Verlag für Architektur eine Publikation erschienen (Offensichtlich verborgen. Die Aachener Pfalz im Fokus der Forschung.)

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Pfalzmodell im Centre Charlemagne – Neues Stadtmuseum Aachen: Das Pfalzmodell ist als Forschungsmodell konzipiert und zeigt den aktuellen Wissensstand der karolingerzeitlichen Pfalzanlage. Bei neuen Erkenntnissen wird es entsprechend aktualisiert. © Stadt Aachen/Peter Hinschläger 

DREI FRAGEN AN… 

Monika Krücken, Abteilungsleiterin Denkmalpflege und Stadtarchäologie der Stadt Aachen

Wie ist es überhaupt zu diesem Projekt gekommen? Es ist ja schon ungewöhnlich für eine Stadtverwaltung  ein Forschungsvorhaben anzuleiern.
Monika Krücken: Durch das Investitionsprogramm Nationale UNESCO Welterbestätten war dies alles möglich. Es fiel für Aachen wie ein Geschenk vom Himmel! Wir konnten mit den Bundesmitteln eine entsprechende aktuelle und präzise Dokumentation als Grundlage für  Sanierungsmaßnahmen beauftragen sowie natürlich vielen Fragen, die sich uns zur Pfalz in Aachen stellten, auf den Grund gehen.

Worin sehen Sie den besonderen Reiz des Projektes, was macht es so besonders?
Monika Krücken: Das sind ganz klar die vielen verschiedenen Professionen, die hier mit unglaublicher Synergie zusammengearbeitet haben. Dazu kommt, dass die Pfalz natürlich ein ganz besonderer Ort, ein Meilenstein der Aachener Geschichte ist!

Was hat Sie persönlich am stärksten beeindruckt während der vierjährigen  Pfalzenforschung?
Monika Krücken: Das waren immer wieder "die kleine Momente", neue Erkenntnisse, die ein anderes Bild und Verständnis der Pfalz entstehen ließen. Und dieses Bild nähert sich der realen Vergangenheit. Diese Vorstellung ist sehr beeindruckend.

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Marktturm, Blick in die Grabungsfläche am Marienturm 2013/2014. © Stadt Aachen/Andreas Schaub

Herausgegeben am 20.04.2017 von:

Stadt Aachen
Fachbereich Presse und Marketing
Bernd Büttgens
Markt 39
52062 Aachen
fon: 0241/432-1309
fax: 0241/28-121
mail: presse.marketing@mail.aachen.de

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