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Gemeinsamer Quellenband erschienen

  • 1919 regelte der Friedensvertrag von Versailles, dass die Kreise Eupen und Malmedy vom Deutschen Reich an Belgien abgetreten werden sollten.
  • Der Quellenband beschreibt diesen von politischen Spannungen, sozialen Krisen, alltäglichen Problemen und pragmatischen Arrangements begleiteten Prozess in einer wissenschaftlichen Einleitung und anhand von historischen Quellen aus beiden Archiven.
  • Die Herausgeber hoffen, dass das neue Buch zu weiteren Forschungen anregen wird.

Oberbürgermeister Marcel Philipp und Karl-Heinz Lambertz, Präsident des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, präsentierten jetzt vor Ort am Grenzübergang Köpfchen gemeinsam mit den Herausgebern den in einer deutsch-belgischen Archivkooperation entstandenen Quellenband zum Staatswechsel Eupen-Malmedys 1919 bis1925.

Eine neue Grenze

100 Jahre alt ist der Grenzübergang Köpfchen, der auf Grundlage des Versailler Vertrags eingerichtet wurde. Nach der Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg wurden Aachen, Eupen und Malmedy im Dezember 1918 von alliierten Truppen besetzt. 1919 regelte der Friedensvertrag von Versailles, dass die Kreise Eupen und Malmedy vom Deutschen Reich an Belgien abgetreten werden sollten. Dort, wo bislang nur eine Kreisgrenze zwischen Eupen und Aachen gelegen hatte, zwischen Nachbarstädten und -dörfern, entstand nun eine neue Grenze, während die Folgen des Krieges noch spürbar waren.

Der neue Quellenband des Stadtarchivs, der in einem Kooperationsprojekt mit dem Staatsarchiv in Eupen entstanden ist, beschreibt diesen von politischen Spannungen, sozialen Krisen, alltäglichen Problemen und pragmatischen Arrangements begleiteten Prozess in einer wissenschaftlichen Einleitung und anhand von historischen Quellen aus beiden Archiven. Die Quellen sind verschiedenartig. Neben amtlichen Schreiben stehen unter anderem historische Fotos, Pläne und Plakate, die kommentiert und in ihren historischen Kontext eingebettet werden.

Die Spannbreite reicht dabei von Anordnungen des belgischen Gouverneurs über die neuen belgischen Gebiete, über Berichte aus der Grenzfestsetzungskommission bis hin zu Weideanmeldungen von Landwirten, die ihr Vieh auf Wiesen grasen lassen wollten, die nun plötzlich nicht mehr auf dem Gebiet eines anderen Kreises, sondern in einem anderen Staat lagen.


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(v.l.n.r.) René Rohrkamp, Leiter des Aachener Stadtarchivs, Thomas Müller vom Stadtarchiv Aachen, Karl-Heinz Lambertz, Präsident des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp sowie Els Herrebout, Leiterin des Staatsarchivs in Eupen, präsentierten vor Ort am Grenzübergang Köpfchen den in einer deutsch-belgischen Archivkooperation entstandenen Quellenband zum Staatswechsel Eupen-Malmedys1919 bis1925. © Stadt Aachen / Andreas Herrmann

Symbol für eine unkomplizierte Zusammenarbeit

Für den Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp steht der neue Quellenband auch für die guten nachbarschaftlichen Beziehungen: „Die Kooperation zwischen den Archiven auf beiden Seiten der Grenze ist dabei Symbol für die unkomplizierte grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die das Alltagsleben in unserer Euregio seit Jahrzehnten charakterisiert.“ Er hoffte, „dass aus der Beschäftigung mit dem geschichtlichen Ereignis des Grenzwechsels vor 100 Jahren noch einmal bewusst wird, wie dankbar wir für das heutige Europa sein dürfen.“

Karl-Heinz Lambertz, Präsident des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, empfahl für ein tieferes Verständnis des heutigen Lebens an der Grenze den Blick in die Geschichte. „Als besonders interessant und bereichernd empfinde ich den bewusst gewählten Ansatz, den Prozess und die Folgen der Grenzverschiebung aus der doppelten Perspektive dies- und jenseits der heutigen Staatsgrenze abzubilden“, sagte er.

Archivalien mit persönlicher Perspektive

René Rohrkamp, Leiter des Stadtarchivs Aachen: „Wir haben von beiden Seiten der Grenze auf das Thema geschaut. Mir gefallen besonders die Archivalien, die aus einer ganz persönlichen Perspektive auf das Thema blicken, zum Beispiel der Brief einer Schülerin an den damaligen Aachener Oberbürgermeister, in dem sie für den von der Stadt unterstützen Aufenthalt im Erholungsheim am Aachener Heidberg dankt. Andere Quellen zeigen zugleich deutlich die Härten auf, die die neue Grenze für viele auf beiden Seiten der Grenze mit sich brachte.“

Els Herrebout, Leiterin des Staatsarchivs in Eupen, blickte ebenfalls auf die Entstehung des Quellenbandes zurück: „Wir haben in monatelanger Arbeit aus einer zunächst sehr großen Auswahl an Quellen 59 vorgestellt, die beispielhaft für die damaligen Ereignisse stehen. Diese Auswahl ist nur ein Ausschnitt, es gibt noch viel mehr zu entdecken. Es wäre zu wünschen, dass das neue Buch den ein oder anderen zu weiteren Forschungen anregt.“

Zum Buch

Els Herrebout, Thomas Müller, Peter Quadflieg, René Rohrkamp (Hrsg.), Zwischen Belgien und Deutschland. Quellen aus dem Stadtarchiv Aachen und dem Staatsarchiv in Eupen zum Staatswechsel Eupen-Malmedys 1919-1925, Aachen 2020 (Aus den Quellen des Stadtarchivs Aachen; Bd. 4)

240 Seiten mit einer wissenschaftlichen Einleitung und 59 kommentierten Quellen aus beiden Archiven; 130 farbige Abbildungen, ein Einleger im Format A2 mit einem historischen Plan, der den neuen Grenzverlauf zeigt.

Das Buch ist für 25 Euro im Stadtarchiv Aachen und im Staatsarchiv in Eupen erhältlich.

Mitglieder des Fördervereins für das Archivwesen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens erhalten den Band als Jahresgabe 2020; der Band kann im Staatsarchiv in Eupen, Kaperberg 2-4, zu den Öffnungszeiten abgeholt werden.

Herausgegeben am 30.10.2020 von:

Stadt Aachen
Fachbereich Presse und Marketing
Dr. Jutta Bacher
Markt 39, 52058 Aachen
Tel.: +49 241 432-1309
Fax: +49 241 28121
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