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Das Archivale des Monats November 2018…

  • … zeigt ein Flugblatt zum Kriegsende 1918 in Aachen, gerichtet „An die gesamte Aachener Bürgerschaft“.
  • Ein provisorischer Arbeiter- und Soldatenrat vereinbart Anfang November mit Bürgermeister Farwick, Polizeipräsidenten von Hammacher sowie dem Regierungspräsidenten Freiherr von Dalwigk zu Lichtenfels eine Stadtregierung unter der Führung des Arbeiter- und Soldatenrats, deren wichtigstes Ziel es ist, die öffentliche Sicherheit und Versorgung aufrechtzuerhalten.
  • Der Arbeiter- und Soldatenrat bleibt drei Wochen lang das oberste Gremium der Stadt. Erst die belgische Besatzung löst ihn am 30. November 1918 auf.
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Dr. René Rohrkamp (links) und Thomas Müller vom Aachener Stadtarchiv präsentieren am Verwaltungsgebäude Katschhof, in dem sich 1918 auch die Diensträume des Arbeiter- und Soldatenrats befanden, die Archivale des Monats November 2018. Bitte beachten Sie das Copyright © Stadt Aachen / Timo Pappert.

Das Aachener Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archivale des Monats. Das Archivale mit einem kurzen Begleittext wird entsprechend in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert. Das Archivale des Monats November 2018 zeigt ein Flugblatt zum Kriegsende 1918 in Aachen, gerichtet „An die gesamte Aachener Bürgerschaft“.

Arbeiter- und Soldatenräte übernehmen die Macht
Am 11. November 1918 endete mit dem Waffenstillstand von Compiègne der Erste Weltkrieg für das Deutsche Reich. Bereits zwei Tage zuvor hatte in Berlin Kaiser Wilhelm II. abgedankt, nachdem in den meisten Großstädten Arbeiter- und Soldatenräte die Macht übernommen hatten. Ausgehend vom Matrosenaufstand in Kiel am 3. November, hatte sich diese politische Bewegung rasch ausgebreitet und am 7. November auch Köln erreicht. 

Gründung eines provisorischen Arbeiter- und Soldatenrats
In der Nacht vom 8. auf den 9. November fährt eine Abordnung des Kölner Arbeiter- und Soldatenrats mit der Eisenbahn nach Aachen und gründet im Bahnhofsgebäude einen provisorischen Arbeiter- und Soldatenrat für Aachen. Noch während der Nacht werden die Offiziere ihrer Stellung enthoben und Gefangene befreit. Am folgenden Tag, dem 9. November, trifft der Arbeiter- und Soldatenrat mit Bürgermeister Wilhelm Farwick, dem Polizeipräsidenten Karl von Hammacher sowie dem Regierungspräsidenten Adolf Freiherr von Dalwigk zu Lichtenfels zusammen.

Vereinbart wird eine Stadtregierung unter der Führung des Arbeiter- und Soldatenrats, deren wichtigstes Ziel es ist, die öffentliche Sicherheit und Versorgung aufrechtzuerhalten. Dies war notwendig, weil sich angesichts des bevorstehenden Waffenstillstands, des beginnenden Rückmarschs der Soldaten von der Westfront, der zu erwartenden militärischen Besatzung und der angespannten Versorgungslage, die leicht zu einer Hungersnot führen konnte, alle Kräfte gebündelt werden mussten.

Die „demokratische und soziale Republik“ wird verkündet
In seinem Aufruf „An die gesamte Aachener Bürgerschaft“ verkündet der Arbeiter- und Soldatenrat den Beginn einer „demokratischen und sozialen Republik“ in Deutschland. Er appelliert an die Disziplin der Arbeiter und Bürger und ordnet Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit an. Der Text des Flugblatts droht aber auch damit, auf frischer Tat überführte Einbrecher, Diebe und Plünderer zu erschießen. Im Anschluss an den Aufruf „empfehlen“ Polizeipräsident von Hammacher und Oberbürgermeister Farwick, die Vorschriften des Arbeiter- und Soldatenrats zu befolgen, „sofern sie sich auf die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung beziehen“. Es folgen organisatorische Angaben über die Diensträume des Arbeiter- und Soldatenrats im Verwaltungsgebäude am Katschhof.

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Das Archivale des Monats November 2018 zeigt ein Flugblatt zum Kriegsende 1918 in Aachen, gerichtet „An die gesamte Aachener Bürgerschaft“ (Quelle: Stadtarchiv Aachen, PRZ 28, Nachträge 4-3).


Während der folgenden drei Wochen blieb der Arbeiter- und Soldatenrat das oberste Gremium der Stadt. Erst die belgische Besatzung löste ihn am 30. November 1918 auf. In der Zwischenzeit war es dem Arbeiter- und Soldatenrat gelungen, durch die Zusammenarbeit mit Verwaltung und Polizei eine größere Krise in der Stadt zu verhindern. Der Lebensalltag hingegen normalisierte sich nur langsam. Auch wenn Aachen in den nächsten Jahren besetzt blieb und die nächsten Jahre krisenhaft waren, markiert der 9. November 1918 den Beginn der ersten demokratischen Republik in Deutschland.

Stadtarchiv gibt Quellenedition heraus
Anlässlich des 100. Jahrestags des Kriegsendes 1918 haben Thomas Müller und René Rohrkamp jetzt für das Stadtarchiv eine Quellenedition mit dem Titel „Das Kriegsende 1918 in Aachen“ herausgegeben. Anhand von 56 farbig abgebildeten Quellen und mit ergänzendem Material aus dem Stadtarchiv wird der November 1918 in Aachen anschaulich beschrieben. Das Buch (A5-Format, 176 Seiten, zahlreiche, farbige Abbildungen) ist ab der zweiten Novemberwoche zum Preis von 20 Euro im Stadtarchiv, Reichsweg 30, während der Öffnungszeiten des Lesesaals erhältlich.

Herausgegeben am 02.11.2018 von:

Stadt Aachen
Fachbereich Presse und Marketing
Bernd Büttgens
Markt 39
52062 Aachen
fon: 0241/432-1309
fax: 0241/28-121
mail: presse.marketing@mail.aachen.de

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