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Bye, bye, Sylvia Böhmer!

Als das Suermondt-Ludwig-Museum (SLM) Anfang der 1990er Jahre aus- und umgebaut wurde, zog die Sammlung übergangsweise in das „Alte Kurhaus“. Man erinnert sich an deckenhohe Stellagen, in denen dicht an dicht mittelalterliche Skulpturen standen. Und man denkt an eine Fotografie-Ausstellung, die Kuratorin Sylvia Böhmer ins Haus holte – und mit der sie den Grundstein für eine einzigartige Erfolgsgeschichte legte: „Als wir 1993 mit Arbeiten von Albert Renger-Patzsch die erste Ausstellung zur Fotografie im Suermondt-Ludwig-Museum ausrichteten, dachten wir, bestärkt durch die positive Resonanz, zunächst nur vage daran, eine Reihe weiterer Präsentationen folgen zu lassen. Es war der zarte Anfang einer Entwicklung, in deren Laufe die Fotografie zu einem festen Bestandteil der Ausstellungskonzeption des Museums wurde“, sagt Sylvia Böhmer, seit 1984 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Suermondt-Ludwig-Museum tätig. „Der Aachener Standort tief im Westen und in gebührender Entfernung zu ‚konkurrierenden‘ Fotomuseen oder -sammlungen zog über Jahre hinweg ein interessiertes Publikum an, das dem Haus bis heute die Treue hält.“

Eine fotografische Sammlung, die sich sehen lassen kann
Tatsächlich: Aus der anfänglich bescheidenen Anzahl der Fotografien als Teil der Graphiksammlung erwuchs bis heute eine eigene kleine Abteilung, nicht zuletzt dank der Großzügigkeit einiger der ausgestellten Fotografen. Nun kann man von einer Sammlung eigenen Gewichts und hervorragender Qualität sprechen. 2012 gelang es Sylvia Böhmer, die bedeutende, über 1.000 Arbeiten umfassende Fotografiesammlung Fricke als Dauerleihgabe an das Suermondt-Ludwig-Museum zu binden, aus der u.a. 2013 die Ausstellung „Aufbrüche – Bilder aus Deutschland“ hervorging.

Andere Foto-Ausstellungen, die im Laufe der Jahre ein großes, auch überregionales Publikum anzogen, waren u.a: „Große Sprünge – Der ,entscheidende‘ Moment in der Fotografie“ (2006 im Rahmen der Weltreiterspiele),
„La vie – en passant. Willy Ronis – ein Meister der französischen Fotografie“ (2004), „Arthur Leipzig – Next Stop New York. Fotografien“ (2008), „Sabine Weiss – Photographie aus fünf Jahrzehnten“ (2011), „Marc Riboud – Meine Bilder sind Notizen. Photographie“ (2019). Zu den Eröffnungen kamen Willy Ronis und Sabine Weiss aus Paris, Arthur Leipzig aus New York nach Aachen.

Mehrmals lud Sylvia Böhmer Fotografen nach Aachen ein, die zwar international bekannt und auch weltweit präsentiert waren, deren Arbeiten aber jetzt zum ersten Mal in einem deutschen Museum gezeigt wurden.
Ein besonderes Anliegen war ihr aber auch, den in Aachen geborenen und international bekannt gewordenen Fotografen Dirk Reinartz mit einer großen Ausstellung 2010 in dessen Heimatstadt zu würdigen.
Von einigen Ausstellungen zur Architekturfotografie abgesehen, standen in den ausgestellten Arbeiten immer eine feinfühlige Darstellung der Menschen, das Gespür für den richtigen Augenblick zwischen Nähe und Distanz und exzellente Bildkompositionen im Fokus – oft auch im fotojournalistischen Bild.

Von der Gegenwart zur Antike – Neukonzeptionierung der Sammlung
Zurück zum SLM im Zwischenquartier „Altes Kurhaus“: In diese Zeit fiel nicht nur die Initialzündung für die renommierten Fotoausstellungen, sondern auch die besonders spannende Phase der Neueinrichtung der Sammlung nach dem Konzept „Von der Gegenwart zur Antike“, die Sylvia Böhmer als Leiterin der Gemäldesammlung zusammen mit dem damaligen Direktor Dr. Ulrich Schneider unternahm. 1993 kuratierte sie die große Ausstellung „Von der Erde zum Himmel“ im Krönungssaal des Aachener Rathauses. Eine eindrucksvolle Erfahrung war 1994 die Mitarbeit an Ulrich Schneiders „Heilige und Menschen – Eine Ausstellung des Suermondt-Ludwig-Museums“, die in Tokio und Nagoya gezeigt wurde und die Sylvia Böhmer einen unvergesslichen Japan-Aufenthalt bescherte.

Als Leiterin der Gemäldesammlung wurde die Stilllebenmalerei zweiter Arbeitsschwerpunkt der Kunsthistorikerin. Große Beachtung fanden die Ausstellungen „Sebastian Stoskopff, 1597-1657. Ein Meister des Stillebens“

(1997), „Gemaltes Licht – Die Stilleben von Willem Kalf, 1619-1693 (2007) oder 2016 „Schöner als die Wirklichkeit – Die Stillleben des Balthasar van der Ast (1593/94-1657)“.

Wie sich unschwer erkennen lässt, geht eine Ära zu Ende, wenn Sylvia Böhmer Ende des Monats das Suermondt-Ludwig-Museum verlässt. Und wie sehen ihre Pläne für die Zukunft aus? „Jetzt gehe ich erst mal auf Reisen. Und dann: Schauen wir mal, was kommt. Wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja mal wieder?“, sagt sie, bevor sie sich an die Vorbereitung für das Abschiedsessen mit den Kolleginnen und Kollegen macht.
Sylvia Böhmer, geboren 1954 in Siegen. Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und der Italienischen Philologie an den Universitäten Würzburg und Münster, Studienaufenthalte in Italien. Nach dem Magister Tätigkeit im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Seit Oktober 1984 wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Museen der Stadt Aachen. Dort im Suermondt-Ludwig-Museum Leiterin der Gemälde- und Fotografiesammlung und Ausstellungskuratorin. Zahlreiche Veröffentlichungen und Ausstellungen zur niederländischen Malerei des 17. und insbesondere zur Fotografie des 20. Jahrhunderts. (Siehe unter www.suermondt-ludwig-museum.de)

Herausgegeben am 12.12.2019 von:

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Fachbereich Presse und Marketing
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