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Das Archivale des Monats Oktober 2018…

  • … zeigt ein Plakat zur Ausrufung der Rheinischen Republik vom Herbst 1923.
  • Separatisten besetzten das Rathaus und weitere öffentliche Gebäude, proklamieren mittels der in der gesamten Stadt angebrachten Plakate die „Rheinische Republik“ und lassen diese durch den Aachener Separatistenführer Leo Deckers im Kaisersaal des Rathauses ausgerufen.
  • Die Aufstände waren Teil des Plans, das gesamte linksrheinische Gebiet vom Deutschen Reich abzulösen und ins französische Staatsgebiet einzugliedern.

Das Aachener Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig interessante Stücke als Archivale des Monats. Das Archivale mit einem kurzen Begleittext wird entsprechend in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs präsentiert. Das Archivale des Monats Oktober 2018 zeigt ein Plakat zur Ausrufung der Rheinischen Republik vom Herbst 1923.

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(v.l.n.r.) Angelika Pauels, stellvertretende Leiterin des Aachener Stadtarchivs, Georg Helg, stellvertretender Vorsitzender des Aachener Rathausvereins, sowie Archivarin Nicole Brillo präsentieren auf der Rathaustreppe die Archivale des Monats Oktober 2018. Copyright © Stadt Aachen / Timo Pappert


Separatisten übernehmen die Regierung in Aachen
Der Morgen des 21. Oktober 1923 markiert in Aachen den Beginn einiger der dunkelsten Tage der Stadtgeschichte. Über Nacht hatten Separatisten das Rathaus, das Regierungsgebäude und viele weitere öffentliche Gebäude besetzt, auf ihnen ihre grün-weiß-rot Flagge gehisst, mittels in der gesamten Stadt angebrachter Plakate die „Rheinische Republik“ proklamiert und diese am Folgetag durch den Aachener Separatistenführer Leo Deckers im Kaisersaal des Rathauses ausgerufen. Insgesamt elf Tage treiben sie ihr Unwesen: Straßensperren werden errichtet, Ausgangssperren verhängt, Zeitungen verboten, die Verlage gestürmt und Einrichtungen demoliert. Auf den Straßen patrouillieren Separatisten schwer bewaffnet, plündern Geschäfte, beschlagnahmen Motorräder und Autos und schießen grundlos um sich. Die Aachener haben von keiner Seite Hilfe zu erwarten: Die belgischen Besatzungsbehörden verpflichten die Polizei zur Neutralität und greifen auch selbst nicht ein.

Ziel: Die Ablösung der Rheinlande vom Deutschen Reich
Ähnliche Aufstände folgten in den nächsten Tagen und Wochen in mehreren linksrheinischen Städten. Sie waren Teil des Plans, das gesamte linksrheinische Gebiet vom Deutschen Reich abzulösen und einen Bundesstaat „Republik Rheinland“ zu gründen, der aus drei Teilen bestehen sollte: einem Nordstaat Unterrhein mit dem Regierungssitz in Aachen, einem Südstaat Oberrhein mit einer Regierung in Koblenz und einem Ruhrstaat mit Regierungssitz in Essen. Bei den Separatisten handelte es sich nicht um die breite Masse der Bevölkerung, sondern nur um eine verhältnismäßig kleine Zahl extrem antipreußisch eingestellter Personen, die sich zumeist materielle Vorteile sowie die Befriedigung des persönlichen Ehrgeizes erhofften. Sie wurden von Belgien und vor allem aber Frankreich aus gesteuert, das mit ihrer Hilfe zu erreichen hoffte, was ihm im Versailler Friedensvertrag nicht gelungen war: Die Ablösung der Rheinlande vom Deutschen Reich und die Eingliederung ins französische Staatsgebiet. So würde ökonomisch im neu zu gründenden Bundesstaat „Republik Rheinland“ der Nordstaat belgisches, der Südstaat französisches und der Ruhrstaat gemeinsames Gebiet für Frankreich und Belgien werden. Die Zentralregierung der Republik Rheinland sollte im englisch besetzten Köln angesiedelt werden.

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Das Archivale des Monats Oktober 2018 zeigt das Plakat zur Ausrufung der Rheinischen Republik in Aachen aus dem Jahr 1923 (Quelle: Stadtarchiv Aachen, Plakatsammlung 8)

Die Stadt leistet entschlossen Widerstand
Die Aachener jedoch leisten entschlossen Widerstand: Organisiert durch Vertreter der Verwaltung, Parteien und Gewerkschaften, die an die Stelle der ausgewiesenen Verwaltungsspitzen getreten sind, gehen sie trotz der drohenden Gefahren - wann immer es möglich ist - auf die Straße und wehren sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Als sie dabei von Separatisten mit Schusswaffen attackiert werden, stürmen und verwüsten sie die Büros und die Wohnungen der Separatisten. Sie entfernen die Flaggen von den besetzten Gebäuden und vertreiben die Separatisten aus ihnen. Nach nur zwei Tagen sind bis auf das Regierungsgebäude alle Häuser von Separatisten geräumt und die provisorische Verwaltung kann ihren Dienst im Rathaus wieder aufnehmen. Am gleichen Tag finden sogar noch Kapitulationsverhandlungen mit dem Separatistenführer statt, die jedoch scheitern, da die belgischen Besatzungsbehörden den Separatisten mit der Verhängung des Belagerungszustands zur Hilfe kommen.

Der preußische Ministerpräsident dankt den Aachenern für ihre Treue
Am Abend und in den nächsten Tagen erhalten die Separatisten über 2.000 Mann Verstärkung aus verschiedenen Orten. Mit ihnen gelingt es, das Rathaus zurückzuerobern. Währenddessen kommt der belgische Vertreter der Interalliierten Rheinlandkommission, Baron Edouard Rolin-Jaequemyns, in Aachen an. Er befindet sich auf dem Weg nach Brüssel, wo er am nächsten Tag zu einer Besprechung mit dem Außenminister Jaspar über den Putsch in Aachen teilnehmen soll. Er greift sofort ein und sorgt dafür, dass sämtliche Separatisten entwaffnet und aus öffentlichen Gebäuden entfernt werden. Am Nachmittag des 2. November können Stadtverwaltung und Regierung wieder in ihre Gebäude einziehen. In einem Telegramm dankt der preußische Ministerpräsident den Aachenern für ihre Treue.

Herausgegeben am 01.10.2018 von:

Stadt Aachen
Fachbereich Presse und Marketing
Bernd Büttgens
Markt 39
52062 Aachen
fon: 0241/432-1309
fax: 0241/28-121
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