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Weiterentwicklung der Planung unter dem Leitmotiv ''Klimaschutz''

Der Planungsausschuss hat mit Beschluss vom 02.09.2010 die Verwaltung beauftragt, das städtebauliche Konzept für Richtericher Dell unter dem Leitmotiv „Klimaschutz“ weiterzuentwickeln. Dabei sollen Aspekte des Klimaschutzes, der Klimafolgenanpassung und Umweltgesichtspunkte in besonderer Weise berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund werden verschiedene Fachgutachten und ein integriertes Umwelt- und Klimaschutzkonzept unter der Zielsetzung der 'Gesunden Stadt' erstellt.

Das vorhandene städtebauliche Konzept soll insbesondere unter energetischen und stadtklimatischen Aspekten überprüft und – unter Berücksichtigung der wesentlichen Merkmale des städtebaulichen Entwurfes – weiterentwickelt werden. Im Rahmen dessen sind die Ausrichtung der Baukörper mit dem Ziel einer Minimierung der Verschattungswirkung und die Kompaktheit der Baustruktur näher zu betrachten.

Im Zusammenhang mit dem städtebaulichen Entwurf sind bei der weiteren Vertiefung der Freiraumplanung insbesondere auch stadtökologische und klimafunktionale Anforderungen zu berücksichtigen.

Ein besonderes Augenmerk beim Umgang mit dem Regenwasser im Gebiet soll darauf liegen, Flächen für die Regenwasserbewirtschaftung gestalterisch und funktional in das Freiraum- und Grünkonzept zu integrieren. Dem liegt das Ziel zugrunde, ein möglichst dezentrales Regenwassermanagement für die Schaffung einer hohen Gestalt- und Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raumes zu nutzen und eine positive Wirkung des Wassers auf das Mikroklima zu erreichen.

Im Einklang mit der Weiterentwicklung des städtebaulichen Entwurfes wird ein quartiersbezogenes Energie- und Wärmeversorgungskonzept erarbeitet, bei dem Energieproduktion, -versorgung, -verbrauch und -einsparung gesamthaft betrachtet werden. In enger Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Aachen sollen darin verbrauchsmindernde Strategien aufgezeigt, eine effiziente und erneuerbare Energieerzeugung für das Baugebiet entwickelt und bautechnische Maßnahmen zur effektiven Energieversorgung und -nutzung formuliert werden.

Die Ausrichtung der Dächer und Fassaden wird im Hinblick auf die Sonneneinstrahlung und damit für die Errichtung von Solaranlagen optimiert. Dahinter steht der Grundgedanke, dass das Stadtquartier einen geringen Energieverbrauch haben und damit langfristig kostensparend sein soll. Das Neubaugebiet soll den Standard einer nordrhein-westfälischen Klimaschutzsiedlung erfüllen: So ist der Kohlendioxid-Ausstoß für Heizung, Warmwasserbereitung und Hilfsenergie auf 9 Kilogramm pro Quadratmeter im Jahr begrenzt, auch an die Wärmedämmung und die Luftdichtheit sind strenge Vorgaben geknüpft.

Ein wesentlicher Themenbereich zur Schonung von Umwelt und Klima ist eine ressourcenschonende Verkehrsabwicklung. Ein Handlungsansatz zur Verbesserung der Erschließungsqualität im Öffentlichen Verkehr besteht in der Einrichtung eines SPNV-Haltepunktes. Der früher in Richterich bestehende Bahnhof soll als Haltepunkt für die Euregiobahn wieder aktiviert werden (Verkehr). Die Region Aachen ist darüber hinaus Modellregion für Elektromobilität, dies wird auch im Richtericher Dell seinen Niederschlag finden.

Im Sinne dieser inhaltlichen Ausrichtung unter dem Leitmotiv „Klimaschutz“ strebt die Stadt Aachen an, dass ein Teil des geplanten Neubaugebietes auch als sog. „Klimaschutzsiedlung“ des Landes NRW anerkannt wird. Ein Teilbereich des 1. Bauabschnittes mit rund 60 Wohneinheiten wurde im April 2013 in der Auswahlkommission beim Klimaschutz-Ministerium vorgestellt und damit offiziell für das Programm „100 Klimaschutzsiedlungen in NRW“ angemeldet.

2013-04-16_Gebiet Klimaschutzsiedlung
Geplante Klimaschutzsiedlung innerhalb des 1. Bauabschnittes

Im weiteren Projektverlauf ist eine erneute Vorstellung des Vorhabens in der Landeskommission erforderlich, um den Status „Klimaschutzsiedlung in Planung/Bau“ offiziell verliehen zu bekommen.

Die Klimaschutzsiedlung zeichnet sich durch niedrige Kohlendioxyd-Emissionen aus, die z.B. durch solare Gewinne, hohen Dämmstandard und emissionsarme Beheizung erreicht werden. Der Gebäudestandard (Passivhaus) geht damit in Richtung des ab 2020 von der EU geforderten energetischen Niveaus. Für Bauherren in einer Klimaschutzsiedlung stellt das Land NRW besondere Fördertöpfe bereit. Im Rahmen eines quartiersbezogenen Wärme- und Energieversorgungskonzeptes wurden durch das Büro Ecofys Versorgungsvarianten erarbeitet und gemeinsam mit der STAWAG bewertet. Mit Blick auf die favorisierte Wärmepumpenlösung sind die geologischen Rahmenbedingungen noch genauer zu prüfen.